Solar gekühlte Büros

Klimaanlage Die laut Hersteller weltweit größte Vakuumröhrenkollektor- Solaranlage ziert die Dächer der Firma Festo in Esslingen-Berkheim. Dort kühlt sie im Sommer die Büroräume, bei Bedarf liefert sie auch Wärme.

09. April 2008

Der Solaranlagenbauer Paradigma hat seit 2006 solarthermische Großanlagen mit CPC-Vakuumröhrenkollektoren (VRK) im Programm. Diese funktionieren wie konventionelle Kessel mit Wasser und lassen sich wie diese auch einfach verschalten.

Bis heute entstanden so etwa 30 Anlagen, darunter auch die weltweit größte VRK-Solaranlage mit 1.330 m² Bruttokollektorfläche bei der Firma Festo. Diese Solaranlage unterstützt im Sommer die laut Paradigma ebenfalls weltgrößte Adsorptionskältemaschine zur Kühlung von über 27.000 qm Bürofläche und trägt im Winter zur Heizung bei. Diese besteht aus drei Kältemaschinen mit jeweils 500 kW Kälteleistung. Der Hersteller von Automatisierungstechnik will durch die Einbindung einer thermischen Solaranlage ins Wärmesystem jährlich 500 MWh konventionellen Strom sparen. »So können wir langfristig eine wirtschaftliche Energieversorgung leisten«, berichtet Bernd Bruy, Leiter des Facility Managements bei Festo. Das Unternehmen spart mit der neuen Anlage rund 55.000 m³ Erdgas pro Jahr ein.

Seit 2003 verwendet Paradigma in ihrem ›AquaSystem‹ nur noch Wasser als Wärmeträger und schützt die Anlagen vor Frost mit Niedertemperaturwärme aus der Anlage. »Aufgrund der geringen Wärmeverluste ist hierfür in Deutschland nur ein kleiner Energiebetrag von zwei bis vier Prozent des solaren Jahresenergieertrages notwendig, der durch die Vorteile des Wassers und durch den exergetischen Mehrwert hoher Arbeitstemperaturen mehrfach kompensiert wird«, erläutert Dr. Rolf Meißner von Paradigma. Dieses Prinzip habe sich nunmehr an fast 25.000 Anlagen bewährt.

Minimaler Speicherbedarf

Gegenüber herkömmlichen Solaranlagen böten sich weitere Vorteile. Meißner nennt neben »der hervorragenden thermischen Schichtung im Speicher und einem minimalen Speicherbedarf« die Einsparung von 50 % an elektrischer Pumpenlaufzeit und Pumpenergie. Zudem sei aufgrund der Tatsache, dass es kein Überhitzungsproblem gebe, eine Prozesswärmegewinnung bis 130 °C möglich, so der Projektleiter solarthermische Großanlagen. Das Karlsbader Unternehmen bearbeitet inzwischen über 250 dieser Großanlagen mit insgesamt über 80.000 qm Kollektorfläche. Für Meißner ist der Erfolg des Systems vorprogrammiert: »Nunmehr steht ein verblüffend einfaches und deshalb für Investoren und Handwerker besonders sympathisches Konzept zur Verfügung. «

Man habe mit der Anwendung dieses Werkzeugs gerade erst begonnen, doch schon zeige sich anhand der »geradezu explodierenden Nachfrage, wie sehr der Markt auf wirklich gute Kollektoren und Konzepte gewartet hat«. Bei Festo soll sich die Investition in nicht allzu ferner Zukunft rechnen. Meißner nennt eine Amortisationszeit von 7,5 Jahren bei einer angenommenen jährlichen Energiepreissteigerung von 12 %. Liege diese bei 6 %, sind es 9,3 Jahre. (mn)