Solarworld insolvent

Ein Bonner Gericht hat einen Insolvenzverwalter für das Unternehmen ernannt. Zuvor hatte der Bonner Solarkonzern einen Insolvenzantrag gestellt. Der Vorstand sei zu der Überzeugung gelangt, dass eine Insolvenzantragspflicht bestehe, hieß es in einer Mitteilung vom 10. Mai.

11. Mai 2017

„Mit meinem Team werde ich mich nun zügig mit der aktuellen Lage des Unternehmens auseinandersetzen“, so Insolvenzverwalter Horst Piepenburg.

 

Er habe bereits die Bonner Belegschaft über den aktuellen Stand des Verfahrens informiert, heißt es in einer Mitteilung von Solarworld.

 

Darüber hinaus wird der vorläufige Insolvenzverwalter sich darum kümmern, dass Löhne und Gehälter für die Monate Mai, Juni und Juli 2017 über die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes sichergestellt werden.

 

3.000 Mitarbeiter

 

In der Solarworld-Gruppe arbeiten rund 3.000 Beschäftigte weltweit, davon rund 250 in der Konzernzentrale in Bonn.

 

Insgesamt erwirtschaftete der Solarstromtechnologiekonzern einen Umsatz von gut 800 Millionen Euro.

 

Am sächsischen Standort Freiberg arbeiten rund 1.260 Beschäftigte und 33 Auszubildende, im thüringischen Arnstadt 735 Beschäftigte und sieben Auszubildende.

 

Ende März hatte der Solarkonzern angekündigt, mit einem scharfen Sparprogramm bis 2019 wieder aus der Verlustzone kommen zu wollen.

 

Stellenabbau war bereits beschlossen

 

Mit dem Abbau von 400 Stellen und zahlreichen Einzelmaßnahmen sollten die Kosten um ein Fünftel verringert werden. Ein Sozialplan wurde an den deutschen Standorten in Arnstadt und Freiberg verhandelt.

 

Solarworld hatte bereits 2013 Schwierigkeiten. Ein Investor aus Katar stieg in das Unternehmen ein und sicherte damit dessen Fortbestehen.

 

Solarworld erzielte 2010 einen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro.

 

Zölle auf Importe

 

Die Krise der deutschen und europäischen PV-Branche hatte die Europäische Union bewogen, Strafzölle auf Importe von PV-Modulen aus China zu erheben.

 

In diesem März verlängerte die EU-Kommission die Strafzölle um weitere 18 Monate. Zugleich wurde ein Verfahren zur schrittweisen Reduzierung der Zölle auf den Weg gebracht.  

 

Zuvor hatte der Europäische Gerichtshof die Schutzzölle für rechtens erklärt. Die Aufschläge von bis zu 43 Prozent sind damit regelkonform.

 

Das Gericht wies die Klage von 23 Unternehmen zurück. Mit den 2013 eingeführten Zöllen soll die heimische Solarindustrie geschützt werden. »Das Urteil ist keine Überraschung«, so Holger Krawinkel von der Initiative Solar Alliance for Europe.

 

Preisdruck

 

»In der Sache ist dieses Urteil ohnehin reine Vergangenheitsbewältigung. Die meisten der klagenden Unternehmen betrifft die Regelung gar nicht mehr.«

 

Sie seien inzwischen aus dem Mindestpreisabkommen ausgeschieden und belieferten Europa ganz regulär aus ihren nicht-chinesischen Fabriken.

Die Position europäischer Hersteller von Solarmodulen und Solarzellen haben nicht die gewünschte positive Wirkung gebracht. Ihre Position im internationalen Wettbewerb sei trotz der Schutzmaßnahmen viel schwächer als 2013.

 

Ursache dafür seien strukturelle Defizite der Unternehmen.  Hinter der Initiative stehen knapp 50 Solar- und Stromanbieter.

 

Für die Intersolar im Juni 2017 in München hatte Solarworld unter anderem ein neues PV-Modul mit 350 Watt angekündigt.