Sonne auf Kredit

Markt

Finanzierung - Ob große Gewerbe- und Industriedächer oder Freiflächenanlagennoch wird gebaut. Während ein Teil der Finanzierung über eigenes Kapital gedeckt wird, bieten Förderkredite verschiedener Banken Unterstützung bei der Fremdkapitalfinanzierung der Projekte. Mit den neuen EEG-Ausschreibungen könnte es aber in einigen Teilen der Branche zu einem weiteren Wandel kommen.

29. November 2016

Nach Renditeboomjahren im Solarstromgeschäft suchen Projektentwickler und Energieversorger neue lohnende Chancen. Ausschreibungen ab 2017 für alle großen Neubauprojekte stoßen unter ihnen auf ein geteiltes Echo.

So treibt die Kostenfrage die Stadtwerke um, wenn sie sich eine große Solarstromanlage auf dem freien Feld für ihre Kunden zulegen oder selbst mit einem Projektentwickler oder gemeinsam mit Bürgern errichten wollen. Möglicherweise verspricht der Kauf einer bestehenden Anlage mehr Gewinn, um das eigene Solarstromportfolio auszudehnen und Kunden auf Wunsch daraus zu bedienen.

Zugleich sind Neuinstallationen nicht vom Tisch, auch wenn ab 2017 Vergütungen auf Grundlage des neuen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) für Anlagen ab 750kW auf der Freifläche und auf dem Dach nur noch über den Weg eines Zuschlags aus Ausschreibungen in die Projektrechnung eingepreist werden können.

Beides, sowohl die eigene Entwicklung neuer Standorte als auch den Erwerb von Bestandsprojekten in unterschiedlichen Reifegraden, prüft die Stadtwerke-Beteiligungsgesellschaft Trianel Erneuerbare Energien TEE beim Auf- und Ausbau ihres Ökostromportfolios. Dementsprechend hat sie zum Jahresanfang den fertigen Solarpark Pritzen in Brandenburg erworben. Pritzen weist mit über 38.000 Solarmodulen eine Leistung von 10MW auf und war Ende September 2015 in Betrieb gegangen.

Eigenkapitalanteil bei 30 Prozent

Ein eigenentwickeltes Projekt ist der Solarpark Schipkau. Im Mai 2016 informierte TEE-Geschäftsführer Markus Hakes: »In Schipkau haben wir unser erstes PV-Ausschreibungsprojekt innerhalb von zwölf Monaten erfolgreich realisiert.« Dieser Solarpark befindet sich ebenfalls in Brandenburg und verfügt über rund 10MWp Leistung.

Die insgesamt 32.160 Solarmodule auf dem Gelände des Sonderlandeplatzes Schwarzheide-Schipkau installierte Bejulo innerhalb von drei Monaten als Generalunternehmer. Schipkau gehört zu den Projekten, für die Trianel gemeinsam mit weiteren Partnern von der Bundesnetzagentur den Zuschlag in den ersten beiden Ausschreibungsrunden im April und August 2015 erhalten hatte. »Die verbleibenden 12MW an PV-Leistung haben wir auch in der konkreten Entwicklung. Bis Ende 2016 ist die Umsetzung geplant«, erklärte Andreas Lemke, zuständiger Abteilungsleiter bei der Trianel.

Bis Ende 2018 wollen die 40 Stadtwerke und Energieversorger der TEE 500 Millionen Euro in den Aufbau von 275MW aus PV- und Windenergie investieren. Im Schnitt liegt der Eigenkapitalanteil in der Projektfinanzierung nach Unternehmensangaben bei 30Prozent. Der Rest werde über Fremdkapital finanziert. Für die PV-Freiflächenanlagen erfolge dies in der Regel über ein Kreditinstitut. Die Vergabe erfolge dann im Rahmen eines Wettbewerbs unter üblichen Konditionen. Damit verbunden sei typischerweise eine Refinanzierung der Kreditgeber durch die KfW-Bank, so Trianel zum Vorgehen bei der Projektfinanzierung.

Förderprogramme der Banken

Genau für solche Fälle hat die KfW-Bankengruppe das Programm ›Erneuerbare Energien Standard‹ im Angebot. Dieses Förderprogramm können Unternehmen, Privatpersonen und öffentliche Einrichtungen in Anspruch nehmen. Es eignet sich besonders für Unternehmen, da für Neuinstallationen, Repoweringmaßnahmen, Verbundprojekte und den Erwerb neuer Anlagen Kredite bis 50 Millionen Euro pro Vorhaben zu einem Jahreseffektivzins ab ein Prozent und mit bis zu zwanzigjähriger Laufzeit gewährt werden (Stand November2016). Geht es um den Erwerb einer Neuanlage, muss der Förderantrag vor dessen Fertigstellung vorliegen, da fertige Anlagen von der Förderung ausgeschlossen sind.

»Die Kreditanträge für KfW-Förderung einschließlich der für Solarstromförderung können bei allen Finanzierungspartnern gestellt werden, die bei der KfW akkreditiert sind«, sagt KfW-Sprecher Wolfram Schweickhardt. Hierzu gehörten etwa die Banken der Sparkassen-Gruppe, die genossenschaftlichen Banken sowie die Geschäftsbanken wie zum Beispiel Deutsche Bank, Commerzbank oder HypoVereinsbank.

Interessierten Kunden empfehlen er und seine Kollegen, sich bei der Suche nach einem Finanzierungspartner vorab zu erkundigen, ob diese Förderkredite der KfW oder anderer Förderbanken anbieten. Empfehlenswert sei hier auch, sich zu erkundigen, ob es im Haus der betreffenden Finanzierungspartner Berater gibt, die auf Förderprogramme spezialisiert sind. 292 Millionen Euro hat die KfW in den ersten drei Quartalen 2016 für Solarstromprojekte bereitgestellt.

Projektbezogene Fördermittel inklusive Solarenergievorhaben bieten ebenso die Landeskreditanstalten und Landwirtschaftliche Rentenbank an. Die Rentenbank unterstützt im Rahmen ihres Förderprogramms ›Energie vom Land‹ bundesweit kleine und mittlere Betriebe der Land-, Agrar- und Ernährungswirtschaft mit Krediten in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro, die in PV-Anlagen auf agrarwirtschaftlich oder ehemals agrarwirtschaftlich genutzten Gebäuden investieren wollen.

Industriedächer ähnlich finanziert

Auch diese Kredite sind über die Hausbank oder akkreditierte Finanzpartner zu beantragen. In Baden-Württemberg arbeiten Rentenbank und Landeskreditanstalt Baden-Württemberg zusammen und fördern die erneuerbare Energie vom Land gemeinsam. Die GLS Gemeinschaftsbank stellt ihren Geschäftskunden bei der Umsetzung von PV-Projekten Fremdkapital zur Verfügung. Der Eigenkapitalanteil bei Erneuerbaren-Energie-Projekten hängt von der Kapitaldienstdeckung des einzelnen Projektes ab.

Auf Industrie- und Gewerbedächer hat sich derweil Kraftwerk Renewable Power Solutions (RPS) spezialisiert. Im letzten Herbst installierte der Projektierer und Energiedienstleister in Brandenburg auf die Dächer der Lagerhallen Hangelsberg der MDSG Logistik eine 3,3-MWp-Solarstromanlage.

Die PV-Anlage nahm Anfang 2016 ihren Betrieb auf. »Gepachtet hat sie ein Großinvestor für 20Jahre mit Verlängerungsoption auf 30 Jahre. Das Investment betrug zusammen mit den Kosten für die Dachsanierung 3,6 Millionen Euro«, erläutert Karsten Schulte, Geschäftsführer von Kraftwerk RPS.

Einen großen Teil der Dachsanierung habe der Investor als Einmalpacht gezahlt. Den kompletten Strom der Anlage vermarkte Händler Next Kraftwerke direkt, während sein Unternehmen für die technische Betriebsführung zuständig sei.

Derartige Projekte setzt man Schultes Worten nach für private und gewerbliche Investoren im Rahmen von typischen Finanzierungskonditionen um, sprich die Eigenkapitalquote liegt bei 20 bis 25 rozent. Das Fremdkapital kommt bei aktuell kleiner zwei Prozent Zinsen zu einer Laufzeit um die 15 Jahre von Banken.

Bei Ausschreibungen im Nachteil

Für dieses Jahr zieht Schulte eine positive Bilanz. Die Projektpipeline sei gut gefüllt. Im Oktober kamen zuletzt drei Aufträge zur Installation von Aufdachanlagen mit insgesamt 3MWp Leistung bei zwei Landwirtschaftsbetrieben und einem Recycling-Unternehmen hinzu. Das neue EEG bereitet Schulte allerdings Sorgen: »Damit stehen große Dachprojekte wie Hangelsberg vor größeren Hürden.« Bei Ausschreibungen könnten Projekte auf der Freifläche kostengünstigere Angebote machen, so dass Dachprojekte nicht zum Zuge kämen.

»Eine Hinwendung zu kleineren Projekten ist die Folge. Ebenso lässt das EEG 2017 keinen Raum für gewerbliche PV-Dachanlagen größer als 750kWp in Kombination mit Eigenverbrauch, vor allem wenn man bedenkt, wie viele industrielle Dachflächen in Deutschland noch verfügbar sind«, kritisiert Schulte.

Nach den Ausschreibungserfolgen für Freiflächenanlagen gelten bei Trianel Ausschreibungsverfahren indes als eine Option, Projekte solide wirtschaftlich zu finanzieren. »Stadtwerke sind hier gut aufgestellt«, lautet daher das Resümee von Christoph Schöpfer, Bereichsleiter Projektentwicklung Onshore bei Trianel.

Josephine Bollinger-Kanne

Erschienen in Ausgabe: 10/2016