Sonne zur Miete - Was geht?

In den 20 größten deutschen Städten gibt es ein Potenzial von bis zu 33.000 PV-Anlagen auf großen Wohngebäuden. Das ergab eine Analyse von vier Verbänden der Immobilien- und Solarbranche. Sie zeigt, welche Städte gute Möglichkeiten für den Ausbau haben.

11. Oktober 2017

Rund 1,4 Millionen Mieterinnen und Mieter könnten mit diesen PV-Anlagen preiswerten Solarstrom beziehen, so die Verbände.

Die Potenzialanalyse für solaren Mieterstrom haben der Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der Deutsche Mieterbund (DMB), der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) und der Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (EAD) vorgestellt.

Insgesamt könnten demnach in den 20 größten deutschen Städten zusätzliche PV-Anlagen mit einer Leistung von bis zu 1,1 GWp installiert werden, die zu einer CO2-Einsparung von 500.000 Tonnen pro Jahr führen würden.

Die Abschätzungen beruhen auf der Annahme, dass das im Sommer in Kraft getretene PV-Mieterstromgesetz mit seinem Fördermechanismus in den kommenden Jahren von allen Marktteilnehmern aufgegriffen und gemeinsam umgesetzt wird, heißt es in der Mitteilung der Verbände. Großes Ausbaupotenzial bestehe vor allem in Berlin, Hamburg und München.

„Wir brauchen so viele ungenutzte Dachflächen wie möglich, um in den Städten die kommunalen Klimaschutzziele zu erreichen. Mieterstrom ist ein guter Anfang, in Zukunft brauchen wir weitere kreative Modelle für Dienstleistungen und Direktvermarktung", so Michael Geißler, Vorstandsvorsitzender EAD.

Nicht alle Hürden abgebaut

Nach übereinstimmender Einschätzung der vier Verbände könnte die Realisierung von Solaranlagen in deutschen Innenstädten noch deutlich erleichtert werden, wenn die nächste Bundesregierung Mieterstrom, der nicht durch das öffentliche Stromnetz geleitet wird, von der EEG-Umlage befreit.

Außerdem sollten Vermieter keine steuerlichen Nachteile in ihrem Kerngeschäft haben, wenn sie ihren Mietern Strom aus eigenen Anlagen liefern, heißt es in der Mitteilung.

„Mieterstromprojekte sind ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Energiewende im Wohngebäudebereich. Um das Potenzial voll auszuschöpfen, müssen aber noch Hemmnisse aus dem Weg geräumt werden", so Axel Gedaschko, Präsident des GdW.

 Wohnungsunternehmen, die Strom aus erneuerbaren Energien wie Photovoltaik oder aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) lokal erzeugen wollen, würden gravierend steuerlich benachteiligt. "Sobald sie den erzeugten Strom ins allgemeine Netz einspeisen oder den Mietern zur Verfügung stellen, wird die eigentlich gewerbesteuerbefreite Vermietungstätigkeit gewerbesteuerpflichtig. Das  Gewerbesteuergesetz muss hier dringend angepasst werden.“

Das neue Gesetz

Um die Wettbewerbsfähigkeit von PV-Mieterstrom zu erhöhen und den solaren Ausbau in den Städten zu fördern garantiert das neue Mieterstromgesetz den Betreibern von PV-Mieterstromanlagen in Abhängigkeit von der Größe der Anlage und dem aktuellen EEG-Einspeisetarif einen Zuschlag von bis zu 3,8 Cent/kWh. Förderfähige Anlagen sind auf 100 kWp begrenzt.

Der jährliche Mieterstromzubau wurde auf eine Leistung von 500 MWp gedeckelt. Auch ein Höchstpreis für PV-Mieterstrom wurde vom Gesetzgeber festgelegt. Er muss mindestens 10 Prozent unter dem am jeweiligen Ort geltenden Grundversorgungstarif liegen.

 

Energiespektrum stellte  in der Ausgabe 01/2016 einen Leitfaden für Wohnungsbauunternehmen zu Mieterstromprojekten vor.