Virtuelle Stromsenke

Speichern ist das A und O

Dezentrale Flexibilität aus Bayern für die Energiewende: Wie können dezentrale Stromnutzer das Stromnetz stabilisieren? Im Forschungsprojekt Heat-Flex wird es untersucht.

01. Februar 2019
Speichern  ist das  A und O

Der Verteilnetzbetreiber Bayernwerk und der Übertragungsnetzbetreiber Tennet untersuchen gemeinsam, wie kleine dezentrale Stromnutzer das Stromnetz stabilisieren können. Damit wollen die beiden Netzbetreiber die Flexibilität des Energiesystems erhöhen und so einen Beitrag zur sicheren und dezentralen Energiewende in Bayern und Deutschland leisten, so die beiden Unternehmen in einer Projektbeschreibung.

»Aus den Tests erwarten wir genaue Erkenntnisse zum nutzbaren Leistungspotenzial kleiner dezentraler Verbrauchseinheiten und wollen zeigen, wie man auch mit bestehender Technologie flexibel auf Engpasssituationen reagieren kann,« sagt Wolfgang Hildebrand Bayernwerk Netz. »Damit denken wir das zukünftige Netzengpassmanagement schon heute weiter: Während der Gesetzgeber in seinen neuesten Überarbeitungen vor allem die Nutzung von dezentralen Anlagen zur Erzeugung und Speicherung von Strom vorsieht, erproben wir auch die Potenziale von dezentralen Verbrauchern«.

PlusMinus

Redispatching

»Heute kommt es wegen der zunehmenden dezentralen Einspeisung erneuerbarer Energien immer öfter zu Transportengpässen im Stromnetz. Um sie zu vermeiden, greift Tennet in die Erzeugung der Kraftwerke ein.

Die Kosten hierfür lagen 2017 deutschlandweit bei circa 1,4 Mrd. Euro.«(Quelle: Tennet)

Die dezentralen Stromnutzer, um die es bei Heat-Flex geht, sind zum Beispiel elektrische Nachtspeicherheizungen, Wärmepumpen, Warmwassererhitzer und potenziell auch Elektrofahrzeuge im Gebiet des Bayernwerks. Sie sind durch den Verteilnetzbetreiber mittels Rundsteuertechnologie steuerbar.

Droht zum Beispiel aufgrund von viel Windstrom, der in das Netz drückt, ein Transportengpass im Übertragungsnetz, wird heute konventionelle Erzeugung verlagert. Das heißt: Vor dem Stau wird im Norden die konventionelle Erzeugung verringert, um staugefährdete Leitungen zu entlasten. Hinter dem Stau im Süden müssen dann andere Kraftwerke hochgefahren werden, um die reduzierte Erzeugung wieder auszugleichen.

Im Projekt übernehmen dezentrale Stromnutzer die Aufgabe dieser Kraftwerke: Bei Transportengpässen sollen sie auf Anforderung von Tennet durch das Bayernwerk angesteuert werden und dann aufhören, Strom aus dem Netz zu ziehen. So können sie dem Netz den zur Stabilisierung notwendigen Strom zur Verfügung stellen.

Steuerbare Verbraucher

Im Versorgungsgebiet des Bayernwerks sind über 170.000 steuerbare Stromnutzer angeschlossen mit einer Leistung von etwa 200 MW. Ein erster Test bewies die technische Machbarkeit von Heat-Flex: Auf Anforderung von Tennet wurden bei realen Transportengpässen dezentrale Stromnutzer durch das Bayernwerk gesteuert. »Dabei zeigte sich, dass die Kommunikation zwischen den Leitstellen beider Netzbetreiber schnell und problemlos funktionierte und unverzüglich auf die Engpässe reagiert werden konnte«, so die Unternehmen in der Projektbeschreibung.

Jetzt führen die beiden Unternehmen weitere Tests durch. Sie sollen zeigen, wie hoch das netzstabilisierende Potenzial dieser dezentralen Stromnutzer in einer extremen Versorgungssituation ist. Der Winter ist hierfür besonders geeignet, da hier kalte Temperaturen und ein hoher Strom- und Wärmebedarf zusammenkommen, heißt es. Ergebnisse werden gegen Ende des ersten Quartals 2019 erwartet. hd

Erschienen in Ausgabe: 01/2019