Stadtwerke München schreiben wieder schwarze Zahlen

Der Kommunalversorger der bayerischen Landeshauptstadt hat die Verlustzone verlassen und verdient wieder Geld. Das geht aus der Bilanz für 2017 hervor, die das Unternehmen vorige Woche vorlegte.

16. April 2018

Der Konzerngewinn nach Steuern beträgt den Angaben zufolge 875 Millionen Euro. Zwei Jahre in Folge schrieb das Unternehmen rote Zahlen. 2016 wies der Versorger einen Verlust von 164 Millionen Euro aus.

 

Verantwortlich hierfür sind den Angaben zufolge vor allem außergewöhnliche Einmaleffekte wie die Rückerstattung der Kernbrennstoffsteuersowie stark positive Wertberichtigungen bei der Erdgasexploration und -produktion.

 

Sondereffekte

 

Ohne diese Sondereffekte läge der Gewinn bei rund 275 Millionen Euro, so die Stadtwerke München (SWM).

 

Der Umsatz des SWM-Konzerns hat sich den Angaben zufolge von 6,3 Milliarden Euro 2016 auf 7,2 Milliarden Euro in 2017 erhöht.

 

"Bestes EBIT der Firmengeschichte"

 

Der EBIT, das operative Ergebnis im laufenden Geschäft, konnte den Angaben zufolge erneut gesteigert werden: um knapp 19 Prozent auf 615 Millionen Euro (2016: 518 Millionen). „Das ist der beste EBIT in der Geschichte der SWM“, so das Unternehmen.

 

„Zu den Steigerungen haben hauptsächlich die erneuerbaren Energien beigetragen, die damit ihre erfreuliche Entwicklung fortsetzten und sich als große Stütze des operativen Gewinns stabilisierten“, so SWM.

 

Laut SWM-Chef Florian Bieberbach habe das Unternehmen die Energiewende von Anfang an nicht nur politisch unterstützt, sondern auch als große geschäftliche Chance begriffen. „Dieser frühe und entschlossene Einstieg in die Erneuerbaren zahlt sich voll aus“, so Bieberbach.

 

Das Unternehmen würde auch weiterhin in Dekarbonisierung, Digitalisierung, neue Mobilitätslösungen und Lebensqualität für München investieren.

 

„Diese Investitionen werden die künftigen Gewinne sicherstellen“, so Bieberbach.

 

An die Landeshauptstadt München werden den Angaben zufolge vom Mutterunternehmen Stadtwerke München GmbH wie vertraglich vereinbart 100 Millionen Euro in den städtischen Haushalt ausgeschüttet. „Zusammen mit Gewerbesteuer und Konzessionsabgaben fließen rund 320 Millionen Euro von den SWM an die Landeshauptstadt“, so das Unternehmen.

 

Herausforderungen

 

Das traditionelle Kerngeschäft der SWM, Versorgungsnetze, konventionelle Erzeugung, Energievertrieb, Mobilität und öffentliche Bäder, bleibt weiter unter Druck.

 

Hier sei das Ergebnis noch auf befriedigendem Niveau, aber rückläufig, heißt es.

 

„Das Ergebnisverbesserungsprogramm SWM22 wird daher 2018 konsequent fortgesetzt“, so der Kommunalversorger.

 

Bürgerentscheid pro Kohleausstieg

 

Im vorigen November hatte die Mehrheit der Münchner in einem Bürgerentscheid beschlossen, dass die Stadtwerke bis Ende 2022 Block 2 des Heizkraftwerks Nord stilllegen müssen.

 

Ob es so kommt, steht noch nicht fest. Die Entscheidung obliegt der Bundesnetzagentur in Bonn. Sie ist für die Versorgungssicherheit in Deutschland verantwortlich und entscheidet letztlich über den Betrieb oder die Abschaltung von Kraftwerkskapazitäten.

 

SWM hat Block 2 nach Medienberichten bereits zur Stilllegung angemeldet, eine Entscheidung der BNetzA würde frühestens 2019 erwartet, heißt es.

 

Block 2 hat den Angaben zufolge eine technische Lebensdauer bis 2035. Die vorzeitige Stilllegung könne Berechnungen zufolge die Stadtwerke zwischen 217 und 279 Millionen Euro kosten, heißt es in Medienberichten.

 

Interview: SWM heute und morgen 

 

2015 sprach SWM-Chef Florian Bieberbach in einem Interview mit Energiespektrum über die Energiewende-Strategie des damaligen Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel und wie die Stadtwerke München das Thema angehen. Hier der Beitrag zum Nachlesen www.energiespektrum.de/158541