Stadtwerke sollten Energiewende in Optionen denken

»Stadtwerke können den aktuellen unsicheren Rahmenbedingungen nur begegnen, indem sie die Energiewende in Optionen denken«, so Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Trianel GmbH, zum Auftakt der E-world 2013 in Essen.

04. Februar 2013

Trianel erwartet eigenen Angaben zufolge trotz der angekündigten Strompreisbremse von Bundesumweltminister Peter Altmaier im Wahljahr 2013 keine wesentlichen Veränderungen der energiepolitischen Rahmenbedingungen. Die Pläne des Bundesumweltministeriums hält Becker für nicht vollständig durchdacht: »Positiv zu bewerten ist, dass mit dem Vorschlag die Kosten des EEG adressiert werden. Die Rücknahme der Ausnahmen bei der EEG-Umlage erscheinen sinnvoll, der faktische Förderstopp für erneuerbare Energien jedoch schüttet das Kind mit dem Bade aus.« Insgesamt sei die Chance vertan worden, eine umfangreiche Reform des Marktdesigns anzustoßen.

»Vor der Wahl werden die für alle offensichtlichen Inkonsistenzen des Systems kaum gelöst werden, nach der Wahl wird sich das neue Kabinett erst finden müssen«, so Becker weiter. Damit werde der Status quo für die nächsten 18 Monate fortgeschrieben. Dieser Stillstand sei Gift für den benötigten Umbau der Energiewirtschaft.

Die Stadtwerke-Kooperation Trianel fordert stabile politische Rahmenbedingungen, die Investitionssicherheit schaffen und die erneuerbaren Energien in die Systemverantwortung nehmen. Becker: »Unser Wunsch ist es, dass die Bundesregierung zu marktwirtschaftlichen Kriterien im Energiemarkt zurückkehrt und planwirtschaftlichen Entscheidungen den Rücken kehrt.« Der derzeitige Weg, verfehlte Regulierungen durch immer neue regulatorische Eingriffe heilen zu wollen, führe zu einem planwirtschaftlichen Flickenteppich von Regeln.

Aus Sicht der Stadtwerke-Kooperation ist der Strommarkt aus den Fugen geraten. Investitionsanreize für moderne, hocheffiziente Kraftwerke, die für die Versorgungssicherheit benötigt werden, seien nicht mehr vorhanden. Um die Energiewende nicht zu gefährden, müsse das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weiterentwickelt und die Erneuerbaren sinnvoll integriert werden, fordert Becker. »Zusätzlich brauchen wir Investitionssicherheit in einem Marktmodell, das Investoren in der Energiewende die Chance gibt, die Kapitalkosten von neuen Kraftwerken zu finanzieren.«

Für Becker sind die aktuellen Profiteure der Energiewende vor allem die Betreiber von Braunkohlekraftwerken. »Das ist eine Ironie der Energiewende. Sie verfolgt ja das Ziel, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Unter dem aktuellen Marktdesign haben aber Braunkohlekraftwerke mit dem höchsten CO2-Ausstoß den größten Anteil an der Stromerzeugung in Deutschland«, so Becker. »Die angestrebten Klima- und Umweltschutzziele werden so eindeutig verfehlt.«

Stadtwerke, so Becker, sollten die Zeit bis zu den zu erwartenden gesetzlichen Neuregelungen 2014/2015 nutzen, sich Optionen zu erarbeiten. Das kann der Aufbau von Know-how in Sektoren wie Smart Metering oder virtuellen Kraftwerken sein. Chancenreich bewertet Becker auch die Beteiligung an zukunftsorientierten Erzeugungsassets. Neben erneuerbaren Energien sieht der Trianel-Chef insbesondere flexible Kraftwerkskapazitäten und Stromspeicher als vielversprechend.