Standard-Funktionen flexibel erweiterbar

Spezial / IT & Kommunikation

EDM - Die Aufgaben für die Marktrollen werden vielfältiger und komplexer. Eine Lösung: Sein System aus Modulen selbst zusammenstellen, mit Standards, die jeder braucht, und individuell zubuchbaren Erweiterungen.

01. August 2013

Die Prozessautomatisierung im Energiedatenmanagement wird durch regulatorische Änderungen stark beschleunigt. »Mehr und vielfältigere Aufgaben entstehen durch neue gesetzliche Bestimmungen, etwa der Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom – MaBiS 2.0. Insbesondere die Vorgaben der Kooperationsvereinbarung Gas, der KoV 7, werden viele Änderungen bringen«, erläutert Karsten Vortanz, Geschäftsführer Voltaris, die anstehenden Herausforderungen.

Neu sind auch die Anforderungen im Bereich der Zählerfernauslesung (ZFA), ergänzt Peter Zayer, ebenfalls Geschäftsführer des Unternehmens. »Die Umstellung auf die IP-Kommunikation für Smart Metering und die Umsetzung der Anforderungen des neuen Energiewirtschaftsgesetzes hinsichtlich Datensicherheit und Datenschutz erfordern neue IT-Systeme für das Meter Data Management.«

Marktanforderungen im Blick

Ohne eine geeignete Software ist die komplexe Welt des Energiemarktes kaum zu bewältigen, sind sich die beiden Geschäftsführer einig. »Die Investitionen in Softwaresysteme und in das Know-how der Mitarbeiter sowie die Qualitätssicherung der Prozesse im EDM sehen wir somit als die größten Herausforderungen im EDM.«

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, würden immer mehr Stadtwerke das EDM und MDM als Dienstleistung vergeben, um hohe Investitionen in die IT-Infrastruktur zu vermeiden und um Mitarbeiterressourcen zu schonen. Das gelte besonders für kleine und mittlere Stadtwerke mit weniger als 100.000 Zählpunkten.

Bei der Auswahl der Systeme muss darauf geachtet werden, dass diese die EDM-Prozesse automatisiert abbilden können, um die Kosten niedrig zu halten und Personalressourcen zu schonen. »Das System muss flexibel erweiterbar sein und auf die Marktanforderungen sowohl rechtzeitig reagieren als diese auch erfüllen können«, erläutert Tilo Bornheimer, Bereichsleiter Energiedatendienstleistungen von Voltaris.

»Generell sind Systemaufbau sowie eine hohe Systemverfügbarkeit wichtig – und die Verfügbarkeit aller Daten, die auch für die Energiebeschaffung benötigt werden.« Da die Vereinheitlichung von Prozessen auch ein erhöhtes Datenaufkommen nach sich ziehe, seien leistungsstarke EDM-Systeme unverzichtbar.

»Speziell auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen erleichtern den Stadt- und Gemeindewerken, die organisatorischen und vor allem wirtschaftlichen Aufgaben erfolgreich zu meistern«, ist sich Bornheimer sicher.

Aus den Erfahrungen von über 50 Kundenumsetzungen hat das Unternehmen die Module und Dienstleistungen im Energiedatenmanagement neu aufgestellt und ein Baukastensystem entwickelt. »Bezüglich der Kundenanforderungen und der Kundenzufriedenheit haben wir sehr früh gemerkt, dass wir standardisierte Produkte anbieten müssen, welche die gesetzlichen Bestimmungen erfüllen.«

Module ergänzen die Basis

Bei der Übertragung und Bearbeitung der EDM-Prozesse verfolge man klare Produktziele: Die Basis-EDM-Pakete beinhalten neben der Kopplung der bestehenden ERP-Systeme über standardisierte Schnittstellen lediglich die Leistungen und Prozesse, die von der jeweiligen Marktrolle wirklich benötigt werden, um die rechtlichen Anforderungen zu erfüllen

Die Ergänzungs- und Mehrwertmodule seien auf die individuellen Bedürfnisse der Marktrollen Verteilnetzbetreiber und Lieferant im Strom-Bereich und Ausspeisenetzbetreiber und Transportkunde im Gas-Bereich zugeschnitten, so der Dienstleister. Für alle Marktrollen eigne sich beispielsweise das Mehrwertmodul ›Portal Classic‹, um die Lastgangdaten jederzeit online einzusehen und Berechnungen einzurichten. Ein Webportalzugang mit Zugriff auf Einzelzeitreihen, Bilanzierungs- und Prognoseergebnisse ist im Paket enthalten.

Die Module ermöglichen eine Erweiterung der Basis – nach den gängigen Standards oder individuell. »Damit haben wir Transparenz geschaffen, Produkte klar abgegrenzt und geben den Kunden die Möglichkeit, aus dem Modulportfolio die für sie passenden Leistungen auszuwählen und diese jederzeit zu ergänzen«, sagt Bornheimer. »Diese Aspekte waren unsere Motivation für das EDM-Baukastensystem.«

Paket für BKV geplant

Er erläutert das System am Beispiel der Anforderungen an die Bilanzierung der Verteilnetzbetreiber (VNB) gemäß MaBiS. »Dafür haben wir ein Basispaket entwickelt, das die gesetzlichen Anforderungen abdeckt. Nicht mehr und nicht weniger.« Es sei reduziert auf die wirklich notwendigen Funktionen. Gemäß dem Motto: Es ist alles drin, was Sie als Netzbetreiber brauchen, um am Energiemarkt teilzunehmen.

Nun möchte der VNB eine tägliche Bilanzierung durchführen, um tagesaktuelle Daten nutzen zu können. »Hier bietet sich unser Ergänzungsmodul Tagesbilanz an.« Mit dem Mehrwertmodul ›Netznutzung‹ schließlich könne man den VNB zusätzlich bei der Kalkulation der Netznutzungsentgelte entlasten.

Inzwischen habe man in mehreren Workshops die Erfahrung gemacht, dass die Kunden das System gut annehmen und bereits weitere Vorteile durch die Ergänzungs- und Mehrwertmodule für sich erkannt haben.

»Gerade das Tagesbilanz- und Netznutzungsmodul sowie die Prognosewerkzeuge sind derzeit bei unseren Kunden sehr gefragt.« Aktuell arbeitet das Unternehmen neben der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Bestandsprodukte neu an einem Basispaket für Bilanzkreisverantwortliche (BKV), um auch diese Marktrolle bedienen zu können.

Erschienen in Ausgabe: 06/2013