Standards für Energieberater

Management/Prozesssteuerung

IT - Energieeffizienz braucht Steuerung. Eine neue Softwarelösung soll die Qualität des Beratungsprozesses steigern, indem sie ihn transparenter und kontrollierbar macht.

09. Februar 2009

Mit dem nationalen Energieeffizienz-Allokationsplan (EEAP) hat die Bundesregierung Ende 2007 den Weg markiert, durch welche Maßnahmen die Einsparziele der EU-Richtlinie – 9% Endenergieeinsparung bis Ende 2016 – erreicht werden sollen. Nun müssen den Worten Taten folgen. Das ist leichter gesagt als getan bei einer Aufgabe von gesamtgesellschaftlicher Dimension. Fest steht, dass alle Kräfte eingebunden werden und alle nicht nur an einem Strang, sondern auch in eine Richtung ziehen müssen.

Vom Gesetzgeber ausdrücklich in die Pflicht genommen werden Energiedienstleister, Energieverteiler, Verteilnetzbetreiber und Energiehändler sowie Endkunden. Doch wie lassen sich Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung bündeln und koordinieren? Wie steuert man die Prozesse, und wie kontrolliert man Effizienzfortschritte?

Eine neue Software, speziell für diese Aufgaben konzipiert, soll Unterstützung liefern. Gemeinsam entwickelt wurde sie von dem IfE Ingenieurbüro für Energiewirtschaft GmbH in Meiningen und vom IT-Dienstleistungsspezialist regiocom GmbH, Barleben in Sachsen-Anhalt. Das Produkt ist eine Weiterentwicklung der Regulierungsmanagement-Lösung ›rcRegMan‹ von regiocom und heißt ›rcEnEffMan‹.

Beratung Zielgerichteter

Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit der Anforderungen war es möglich, das IT-Werkzeug an die Aufgaben und Abläufe des EEAP-Prozesses anzupassen. Die hinterlegten Verfahrensanweisungen arbeitete der TÜV Thüringen aus. »Damit lässt sich der Beratungsprozess zielgerichteter strukturieren und steuern«, erläutert IfE-Geschäftsführer Dr. Dirk Schramm. Das Management-Tool steht als Web-Applikation zur Verfügung. Alle in den Prozess eingebundenen Gruppen haben über ein rollenspezifisches Berechtigungs- und Sichtenkonzept Zugriff auf Daten und Informationen zu Objekten oder Liegenschaften. Mithilfe der Software werden Aufgaben verteilt, Termine festgelegt, Bearbeitungsschritte überwacht, Analysen und diverse Auswertungen durchgeführt sowie Dokumente und Ergebnisse revisionssicher archiviert.

Nach Überzeugung von Schramm führt an einer Qualifizierung und Standardisierung des Energieberaterprozesses kein Weg vorbei. »Alle handelnden Personen müssen sich an die festgelegten Konventionen halten. Nur so ist eine durchgängig hohe Qualität in der Energieberatung gewährleistet.« Genauso könne die Software Stadtwerken, Energieversorgern oder auch Kooperationsgesellschaften helfen, die ihnen zugewiesene Verantwortung zur Verbesserung der Energieeffizienz wahrzunehmen. »Bei Einsatz der Lösung gibt es automatisch einheitliche und transparente Prozesse, die der Energiedienstleister steuern und verfolgen kann«, so Schramm. »Damit ist er Herr des Verfahrens und in der Lage, systematisch das neue Geschäftsfeld Energieeffizienz zu erschließen.«

Die Energiedienstleister und Netzbetreiber stehen laut IfE-Geschäftsführer hier vor neuen Herausforderungen und Chancen: »Bislang endete die Zuständigkeit der Energiedienstleister am Strom- oder Gaszähler. Mit den neuen gesetzlichen Anforderungen rücken zunehmend Bauphysik und Anlagentechnik ins Blickfeld. Darum hat sich die Branche bisher allenfalls am Rande gekümmert. Nun wird Effizienzberatung für die Unternehmen zum wichtigen Geschäftsfeld und zentralen Faktor für die Kundenbindung.« Doch auch darüber hinaus könnte die Software eine wichtige Aufgabe erfüllen: als Bindeglied und Integrationsinstrument, das es den verschiedenen Akteuren beim Energieeffizienzprozess ermöglicht, konstruktiv und zielführend zusammenzuarbeiten: Energiewirtschaft, deren Kunden, Architekten und In-genieuren, Kommunen, Behörden oder Verbänden. Es handelt sich laut Schramm um ein Qualitätssteigerungskonzept, das keine Blackbox ist, sondern Maßnahmen transparent, vergleichbar und kontrollierbar macht. Es ermöglicht außerdem eine sachlich basierte Kommunikation, die für den Erfolg des EEAP unbedingt erforderlich ist. »Mit dem Konzept ließe sich beispielsweise sicherstellen, dass ein einheitliches System im gesamten Bundesland Thüringen zum Einsatz kommt«, skizziert Schramm mögliche Optionen für die Zukunft. <

Gerhard Großjohann

Erschienen in Ausgabe: 1-2/2009