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Standleitung

Titel

Langfristige Preissicherheit wird immer wichtiger. Darum gibt es in der nächsten Dekade häufig Power Purchase Agreements, sagen Experten voraus. Daran, gilt es, schon jetzt zu denken.

28. Mai 2018

Ørsted gewinnt erneut Offshore-Wind-Auktion in Deutschland«, schreibt das Unternehmen Ende April in einer Mitteilung. Zuvor hatte Ørsted den Zuschlag für die Projekte Borkum Riffgrund West 1 mit 420 MW zu null Cent je MWh und Gode Wind 4 mit 131,75 MW für 98,30 € je MWh erhalten. Die Fertigstellung der jeweiligen Offshore-Windparks ist für 2024 und 2025 geplant, vorbehaltlich der finalen Investitionsentscheidungen.

 

»Das heutige Ergebnis bestätigt, dass die Offshore-Windenergie eine wettbewerbsfähige erneuerbare Energiequelle ist, die ein Eckpfeiler der deutschen Energiewende sein kann«, sagt Volker Malmen, deutscher Geschäftsführer von Ørsted.

Zwei Trends prägen zunehmend das Projektgeschäft mit Windparks im MW-Maßstab, sagen Experten. Erstens Kostensenkungen, die unter anderem auf größere Windenergieanlagen und höhere Windgeschwindigkeiten zurückgehen. Zweitens entwickelt sich in Europa ein Markt für Power Purchase Agreements (PPA).

Im März hatte Vattenfall bekannt gegeben, das Microsoft-Rechenzentrum nahe Amsterdam über ein PPA langfristig mit grünem Windstrom aus dem Onshore-Windpark Wieringermeer zu beliefern. Kurz darauf teilte Baywa r.e. in einem Schreiben mit: »Mit dem Abschluss eines langjährigen Stromabnahmevertrags zwischen Baywa r.e. und Statkraft steht der zügigen Realisierung des spanischen Solarparks Don Rodrigo nichts mehr im Wege.«

Das Projekt mit einer Gesamtleistung von über 170 MWp liegt südlich von Sevilla und ist europaweit eines der ersten Solarprojekte dieser Größe, das vollständig ohne staatliche Förderung auskommt, so Baywa. Möglich wird dies durch das mit einer Laufzeit von 15 Jahren in Spanien bisher einmalige Power Purchase Agreement, heißt es. Die Beispiele zeigen, für wen PPA gedacht sind. Einerseits für Unternehmen, die Wind- oder Solarenergie in Betracht ziehen, um ihre langfristige Versorgung mit grünem Strom zu sichern. Zweitens für Anlagenbetreiber beziehungsweise Energiehändler. Sie bekommen per PPA einen langfristig garantierten Abnahmepreis und können so zuvor getätigte Investitionen refinanzieren.

Häufig ab 2021

»PPA gewinnen immer stärker an Bedeutung. Wir sind startklar, um unsere Kunden optimal zu begleiten, sobald dies auch die Rahmenbedingungen erlauben«, so Inka Klinger von der HSH Nordbank.

PPA werden aktuell vorwiegend von Großunternehmen genutzt, weil ihre Vertragsgestaltungen recht aufwendig sind, so die Bank weiter.

»Ab 2021 werden PPA in Europa bei neuen EE-Projekten deutlich häufiger verwendet werden. Und auch aus Bestandsanlagen, die nach Ablauf ihrer Förderung weiter betrieben werden, erwächst in den nächsten Jahren zusätzliches Potenzial für den Abschluss von PPA mit kurzen Vertragslaufzeiten«, so Klinger.

Markthindernisse

In ihrer Studie ›Corporate PPA – Going Green‹ untersucht die Bank das Potenzial für PPA in Europa auch aus der Sicht des Finanzierers von EE-Projekten und stellt dar, wie die Strombezugsverträge zwischen EE-Produzent und endverbrauchendem Unternehmen funktionieren.

Die Wachstumsraten in dem noch jungen Marktsegment der PPA seien beeindruckend, teilt die Bank weiter mit: Demnach wurden 2017 in Europa Corporate PPA mit einem Volumen von 1,44 GW abgeschlossen – das sind knapp 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Verband Windpower Europe spreche von einer PPA-Revolution, so die HSH Nordbank.

Die Ökostromvermarktung im Wege eines PPA ist in Deutschland aktuell gesetzlich noch benachteiligt, so die Bank. Denn hier müsse sämtlicher Strom über die Strombörse verkauft werden, um eine EEG-Förderung zu erhalten.

Bislang würden PPA-Verträge vor allem in Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Großbritannien abgeschlossen.

Doch die anstehende Neuregelung der EU-Richtlinie zur Förderung der Erneuerbaren Energien solle die bestehenden Hemmnisse zur Direktvermarktung von Ökostrom mittels PPA in allen Mitgliedsstaaten ab 2021 beseitigen.

Auch die Berater von Energy Brainpool in Berlin haben sich bereits mit PPA befasst und ein Whitepaper veröffentlicht. »Gerade Erneuerbare-Energien-Anlagen mit hohen Anfangskosten bei geringen Betriebskosten sind prädestiniert für dieses Vertragsmodell«, so die Autoren von Energy Brainpool im Fazit des Whitepapers ›PPA: Finanzierungsmodell von erneuerbaren Energien‹, das im Januar erschien.

Auch bei Weiterbetrieb von bestehenden Anlagen, die ab 2021 nach und nach ihren Anspruch auf finanzielle Förderung verlieren, sind PPA wahrscheinliche Vertragsmodelle für die finanzielle Absicherung des Weiterbetriebs, heißt es. Zwei Herausforderungen seien mit Vertragslaufzeiten von zehn Jahren und mehr verbunden, so das Berliner Unternehmen.

Herausforderungen

»Für den Verbraucher ergibt sich ein wetterabhängiges Mengenrisiko in den gekauften Strommengen. Hinzu kommt die Unsicherheit der preislichen Bewertung der PPA«, schreiben die Autoren. Für die drei bis sechs Jahre in der Zukunft lassen sich PPA wertneutral mit Standardprodukten des Terminmarktes bewerten und absichern.

Ein PPA über den Strom aus einer Beispielanlage von 2020 bis 2024 wird mit Stand Januar 2018 mit 32€ je MWh bewertet. Bei diesem Preis teilen sich laut Energy Brainpool Verbraucher und Erzeuger Chancen und Risiken aus der unsicheren Strompreisentwicklung paritätisch auf.

Im Zeitraum darüber hinaus ist die Bewertung anhand von Strompreisszenarien notwendig. Sie ist unter anderem abhängig vom jeweiligen Anlagenprofil, von den zugrunde liegenden Preisannahmen für Erdgas, Kohlendioxid sowie Kohle, vom Kannibalisierungseffekt beim Zubau der Erneuerbaren sowie der Entwicklung der Strompreisnachfrage sowie deren Flexibilität, heißt es in dem Whitepaper.

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FAKT

Ein langfristiger Stromliefervertrag zwischen Stromerzeuger und Stromverbraucher wird neudeutsch Power Purchase Agreement (PPA) genannt. Er regelt die Liefermenge mit womöglich ungewissem Profil zu einem bestimmten Preis oder mit einem äquivalenten finanziellen Ausgleich. »Energy Brainpool bewerten PPA als sehr wahrscheinliche Vertragsausgestaltung zwischen Wind- und Solaranlagen und Stromverbrauchern ab der nächsten Dekade«, so das Beratungsunternehmen.

PPA bieten Verbrauchern langfristige Preissicherheit. Verkäufer profitieren von einem gesicherten Abnahmepreis. Anlagen mit hohen Anfangskosten sowie niedrigen Betriebskosten seien prädestiniert für dieses Vertragsmodell, heißt es bei Energy Brainpool. hd

Erschienen in Ausgabe: Nr. 05 /2018