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Menschen

»Starker Bedarf«

Service - Von Erdöl- und Erdgas hin zu grüner Energie. Ørsted hat sich gewandelt, und nicht erst gestern. Wir sprachen mit Enno Wolf, Geschäftsführer Ørsted Markets, über die Namensänderung, Digitalisierung und ganzheitliche Energiekonzepte für den Kunden.

27. Februar 2018

Dong Energy hat seinen Unternehmensnamen im November 2017 in Ørsted geändert. Welche strategischen Hintergründe hatte diese Entscheidung?

Die Ursprünge dafür liegen in der Vergangenheit. Der Name Dong Energy entstand 2006 und leitet sich aus der Dansk Olie og Naturgas her ab.

Aus dem Geschäft mit Öl und Gas haben wir uns weiterentwickelt und konsequent die Entscheidung getroffen, zunehmend grüner zu werden. Wir sind ja vor Jahren bereits in den Bereich Offshore-Wind eingestiegen und haben mit dem Verkauf unserer Öl- und Gasexplorationsfelder im letzten Jahr unsere Vergangenheit hinter uns gelassen. Damit passte Dansk Olie og Naturgas nicht mehr.

Die Strategie hinter dem neuen Namen lebt in Ihrem Fall damit schon länger als der Name...

Auf jeden Fall. Salopp gesagt passt uns das Kostüm nicht mehr. Wir sind schon längst herausgewachsen, hatten es aber immer noch an.

Wir sind in vielen Ländern unterwegs mit Windpower und mit unserem B2B-Geschäft. Erdgas haben wir natürlich nach wie vor im Angebot, wir bedienen unsere Gaskunden aber mit zugekauften Volumen. Außerdem wollen wir bis 2023 auch noch aus der Kohle aussteigen.

Zudem ist der Name im internationalen Umfeld nicht immer geeignet. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, dass wir etwas Neues brauchen.

Wir wollen natürlich einen Namen haben, der für Dänemark steht und dort sehr wichtig ist. Da bot sich Ørsted an. Er ist ein sehr bekannter dänischer Physiker, einer der Pioniere im Bereich Elektromagnetismus, ein neugieriger, wacher Geist, der das Ganze wunderbar namentlich ›vertritt‹.

Ohne ihn wäre wahrscheinlich die Erzeugung von Elektrizität aus Wind mit Magnetfeldern heraus nicht so einfach möglich gewesen oder es gäbe diese gar nicht. Mit dem ›Ø‹ im Namen zeigt es unsere skandinavische Herkunft, auf die wir zurecht stolz sein können.

Der Name soll also für die Neugier auf die Themen der Energiewende und erneuerbaren Energien stehen...

Ja, er ist aber auch das Commitment: Wir wollen eine Welt unterstützen, die komplett mit grüner Energie läuft. Ich glaube, man kann es nicht besser übersetzen: »A world that runs entirely on green energy.«

In Deutschland gibt es die drei Töchter Windpower, Sales und Markets. Das ist wahrscheinlich historisch gewachsen, oder?

Ja. Wir waren früher sehr in Business-Units organisiert. Wir haben in Deutschland unter dem Punkt Markets angefangen. Bis wir das Windpowergeschäft aufgebaut haben, hat es ein paar Jahre gedauert. Der Bereich Markets, oder damals noch Sales, war der erste Schritt, den wir in Deutschland gemacht haben.

Was plant Ørsted Markets denn für die nahe Zukunft, in den nächsten fünf Jahren? Gibt es spannende Themen, die 2018 starten?

Also bezogen auf Deutschland sind wir im Bereich des Energy as a Service im Rollout, der jetzt ganz spannend ist. Hier werden wir weitere Industriesegmente und weitere Kundengruppen erschließen, aber auch das Thema Power Purchase Agreement, also PPA, weiter vorantreiben. Darunter versteht man langfristige Lieferverträge zwischen Unternehmen und Erzeugern. Außerdem binden wir das Thema Digitalisierung mit ein: Es wird eine Herausforderung, die Vernetzung zwischen den einzelnen Produkten, vor allem zwischen den Plattformen und unseren Kunden zu schaffen. Aber damit sind wir nicht alleine im Markt.

Vita

Enno Wolf, Geschäftsführer Ørsted Markets

Seit 2016 ist er Geschäftsführer von Ørsted Sales und Ørsted Markets.

Zuvor war er bei TSMC Solar Europe als Vertriebs- und Marketingleiter tätig und bei Conergy Deutschland als Director EPC Sales.

Sie bieten Energy as a Service, kurz EaaS, seit ungefähr einem halben Jahr in Deutschland an. Wie ist die Nachfrage?

Wir spüren schon eine ganz gute Nachfrage.

Das heißt?

Es kommt ein bisschen auf den Anspruch der Kunden an: Es gibt viele Kunden, die mittlerweile eine Corporate-Social-Responsibility-Strategie haben. Sie beinhaltet ganz klassische Ziele pro Standort, über die nächsten Jahre X Tonnen CO2 zu vermeiden. Damit besteht natürlich für diese Unternehmen ein starker Bedarf nach einer solchen Lösung, die durch Energieeffizienz Kosten und zugleich CO2 reduziert.

Daneben gibt es Unternehmen, die noch nicht so weit sind und noch nicht aktiv danach fragen. Aber, wenn man sie damit konfrontiert, zeigen sie durchaus Interesse. Und dann gibt es auch Unternehmen, die sagen: »Für uns ist das nicht von Interesse.«

Energy as a Service beinhaltet ja vom Grundsatz her mehr als nur Contracting. Wo liegen denn die Unterschiede?

Es kann Bestandteile des Contracting enthalten. Aber Energy as a Service betrachtet das Thema Energie beim einzelnen Kunden holistischer. Schaut, was ist der Bestand, wie und wo können wir Einsparungen realisieren, um dann das wirtschaftliche Optimum herzustellen.

Man erstellt ein Energiekonzept und bringt dieses in Einklang mit dem Unternehmensziel, mit dem Wachstumsziel aber auch mit der Weiterentwicklung. Meistens optimiert der Kunde nur, wie seine Anlagen und seine Assets zusammenpassen, betrachtet aber nicht unbedingt Intraday, Flexibilitätsvermarktung und weitere Erlösquellen mit.

Und indem man neue Assets hinzubaut, erreicht man ganz andere Wirkungsgrade. Dieser Baukasten an Services und neuen Assets führt dazu, dass der Kunde CO2 massiv reduzieren kann, es in den meisten Fällen zu einer Kostenreduktion kommt und er gleichzeitig noch eine gewisse Flexibilität in seinen Assets sowie, durch dezentrale Lösungen, mehr Versorgungssicherheit erhält.

Das Thema an sich ist für uns nicht neu, wir treiben es in Dänemark schon seit langen Jahren erfolgreich voran. Da haben wir mit Hunderten von Kunden etliche Tausend Maßnahmen über viele Jahre hinweg umgesetzt.

Sie bieten ja auch Portfoliomanagement an. Wird das Thema Handel und Beschaffung von Industriekunden viel nachgefragt bei Ihnen?

Das Thema läuft. Ich glaube, es wird zunehmend anspruchsvoller im Bereich der Digitalisierung.

Kunden wollen den 360-Grad-Blick haben, aber auch Fremdportfolios mit integrieren können. Wir bieten das natürlich auch an, aber der Markt entwickelt sich spürbar weiter.

Die Kunden wollen mehr und das ist auch richtig so, weil die digitale Welt mehr Möglichkeiten bietet. Das heißt, alle Anbieter von klassischem Portfoliomanagement müssen noch ein Stück weit springen.

Können Sie das näher ausführen?

Aus meiner Perspektive haben wir in der Energiebranche noch ziemlichen Verbesserungsbedarf, was die Digitalisierung angeht, gerade im Bereich Handel von Standardprodukten oder Full-Supply-Produkten.

Da gibt es Vorreiter. Aber es ist ja nicht nur so, dass die Lieferanten das bieten müssen, es ist ja auch wichtig, dass man die Kunden auf diese Plattformen bekommt. Welche Plattform wird in Zukunft welche Geschäfte anbieten das wird in diesem Markt zunehmend kommen.

Sie sind Geschäftsführer gleich zweier Ørsted-Töchter, von Markets und Sales. Wie schaffen Sie es vor diesem Hintergrund, Ihre Work-Life-Balance aufrechtzuerhalten?

Das ist auch eine Frage der Priorisierung. Ich versuche die Wochenenden freizuhalten.

Aber es ist natürlich so, dass man die Themen mitnimmt und darüber nachdenkt.

Trotzdem gilt es, Freiräume zu schaffen: Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Familie. Ich habe seit fast zwei Jahren einen Hund, mit dem ich regelmäßig jogge und zusammen mit der Familie Ausflüge mache.

Man muss diese Balance auch erreichen. Denn es ist wichtig, wieder aufzutanken.

Wie kommt man eigentlich von Tchibo in die Energiebranche?

Ich bin vom Profil her Ingenieur, habe an der TU Berlin studiert, war zwischenzeitlich in Frankreich, an einer Business School, habe ein Doppel-Diplom-Programm absolviert. Vom Herz her bin ich Ingenieur und habe damals auch erneuerbare Energien gemacht. Das war Ende der 90er, da gab es nicht so viele, die sich in Deutschland damit befasst haben.

Vor diesem Hintergrund bin ich über einen Beratungsausflug bei McKinsey in die Unternehmensentwicklung bei Tchibo gewechselt. Die hatten entsprechende Vakanzen, das fand ich spannend und bin dort eingestiegen.

Dann hat sich das Fenster ergeben, von dort zu Conergy zu gehen. Das war ja ursprünglich auch das, was ich konnte: erneuerbare Energien, Solarsysteme, aber auch Onshore-Windprojekte. Von da aus bin ich dann immer weiter in Richtung Energie. Ich bin seit über zehn Jahren bei den erneuerbaren Energien. mwi

Erschienen in Ausgabe: Nr. 02 /2018

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