Status quo der Energieunion

Die EU-Kommission hat den dritten Bericht zur Lage der Energieunion vorgelegt. Er gibt einen Überblick über Fortschritte, enthält eine Vorschau auf das kommende Jahr und beschäftigt sich mit Anpassung und Ausbau der Energienetze.

27. November 2017

Dank der im Jahr 2017 erzielten Fortschritte sei die EU auf einem gutem Weg, das Projekt Energieunion zu verwirklichen, teilt die Kommission weiter mit. Außerdem würden Maßnahmen eingeführt, um dafür zu sorgen, dass die Umstellung auf saubere Energien sozialverträglich erfolgt.

2018 „im Zeichen des Engagements“

„Ziel ist, unserer Verpflichtung zur Vollendung der Energieunion bis zum Ende der Amtszeit dieser Kommission nachzukommen. Im Jahr 2019 darf die Energieunion nicht mehr länger nur auf dem Papier stehen, sondern muss tägliche Realität sein, die jedem EU-Bürger zugute kommt", so Maroš Šefcovic, Vizepräsident der EU-Kommission und zuständig für die Energieunion.

„Hier ist in allen Teilen der Gesellschaft mehr Eigenverantwortung gefragt. Deshalb steht das nächste Jahr für mich im Zeichen des Engagements.“

Fortschritte

Der dritte Bericht  (Link zum englischen Bericht sowie Hintergrundinformationen auf den Seiten der Kommission) gibt unter anderem einen Überblick über die Fortschritte, die im vergangenen Jahr nach Veröffentlichung des zweiten Berichts über die Lage der Energieunion vom Februar 2017 erzielt wurden.

Das Paket „Saubere Energie für alle Europäer“ umfasst laut Kommission beinahe alle Vorschläge, die notwendig sind, um beim Klimaschutz den Grundsatz „Energieeffizienz an erster Stelle“ umzusetzen, die weltweite Führungsrolle der EU im Bereich der erneuerbaren Energien zu unterstützen und ein faires Angebot für die Energieverbraucher zu gewährleisten.

Im März dieses Jahres sei das Maßnahmenpaket „Europa in Bewegung“ für den Verkehrssektor vorgelegt worden. Ziel ist, bei der sozialverträglichen Umstellung auf saubere Energie und Digitalisierung wettbewerbsfähig zu bleiben.

Im November habe man das Paket für saubere Mobilität vorgestellt, ein entscheidender Fortschritt bei der Umsetzung der Verpflichtungen der EU im Rahmen des Pariser Abkommens für ein verbindliches CO2-Reduktionsziel von mindestens 40 % bis 2030.

Nationale Pläne fertigstellen

Die Vollendung der Energieunion erfordere Engagement und die enge Zusammenarbeit von Kommission, Mitgliedstaaten und der Gesellschaft insgesamt. Aus eben diesem Grund müssten die Mitgliedstaaten die Entwürfe der integrierten nationalen Energie- und Klimapläne für die Zeit nach 2020 Anfang 2018 fertigstellen.

Außerdem wird laut der Kommission im dritten Bericht über die Lage der Energieunion bestätigt, dass ohne Anpassung der Infrastruktur an die Erfordernisse des zukünftigen Energiesystems eine Energiewende nicht möglich ist.

Stärker vernetzt

"Die Energie-, Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastrukturen sind immer stärker miteinander verknüpft. Lokale Netze gewinnen im täglichen Leben der EU-Bürger - die zunehmend auf Elektromobilität, dezentrale Energieerzeugung und Laststeuerung setzen - immer mehr an Bedeutung", so die Kommission.

Dabei seien bereits beachtliche Fortschritte erzielt worden, aber insbesondere im Elektrizitätsbereich träten weiterhin Engpässe auf.

Stromverbundziel

Um hier Abhilfe zu schaffen, hat die Kommission eine Mitteilung zum Stromverbundziel von 15 % für 2030 angenommen. Außerdem wurde die dritte Liste der Vorhaben von gemeinsamem Interesse (Link auf der Seite der Kommission) verabschiedet.

„Die europäische Energiewende ist auf gutem Weg - der Anteil der erneuerbaren Energien ist auf Rekordhöhe, bei gleichzeitig rasch sinkenden Kosten", so Miguel Arias Cañete, EU-Kommissar für Klimapolitik und Energie. 

„Aber die europäische Energieinfrastruktur muss sich in gleichem Tempo in dieselbe Richtung entwickeln, um diese Energiewende zu unterstützen. Deshalb haben wir eine neue Liste mit Vorhaben für wichtige Stromverbundnetze und für intelligente Netze vorgeschlagen.“

Die beschlossenen Schritte zur Förderung der Infrastruktur für saubere Energie seien ein weiterer wichtiger Vorstoß für mehr Nachhaltigkeit, mehr Wettbewerbsfähigkeit und mehr Sicherheit im Energiesystem.

Reaktion aus der Windbranche

Der europäische Windenergieverband Windeurope begrüßte unter anderem die Forderung der Kommission, bis 2018 die nationalen Pläne fertigzustellen. Zwei Drittel der Staaten hätten schon begonnen, ihre Pläne zu entwickeln.

Die Kommission habe zudem 173 neue Energieinfrastrukturprojekte angekündigt, die geeignet für eine EU-Förderung sind. Diese würden 110 Elektrizitäts- und Smart-Grid-Projekte beinhalten.

 "Es ist gut zu sehen, dass sich eine große Zahl von Elektrizitäts- und Smart-Grid-Projekten in der PCI-Pipeline befindet. Das wird dabei helfen, höhere Anteile an den erneuerbaren Energien in den EU-Energiemix zu integrieren", so  Windeurope-CEO Giles Dickson. Die Dekarbonisierung aller Sektoren mache eine Elektrifizierung erforderlich. Die EU-Fördergelder in Stromnetze zu investieren, sei werthaltiger als in Gasinfrastruktur.