Status Solarbranche 2013 – tiefe Krise oder Erfolgsgeschichte?

1 Antwort bitte > Dr. Hans-Thomas Fritzsche

Die Stimmung in der Solarbranche ist aktuell verhalten bis negativ. Zurückzuführen ist dies offenkundig auf diverse Faktoren: Die Kürzung von Einspeisevergütungen in einigen europäischen Märkten und die zunehmende internationale Konkurrenz machen nicht nur den Modulherstellern, sondern allen Branchenteilnehmern zu schaffen.

11. September 2013

Einige gute Nachrichten sind jedoch in der Berichterstattung untergegangen. Während alle von der Krise der Photovoltaik sprechen, haben wir in Wirklichkeit auch Grund zu feiern: Deutschland und einige weitere europäische Länder haben im letzten Jahr die Netzparität erreicht. Jahrelang hat die Branche diesen Moment herbeigesehnt – jetzt sind wir soweit und keiner macht eine Party! Neben Deutschland sind es die Niederlande, Spanien und Italien, in denen eine Kombination aus steigenden Energiepreisen und sinkenden Kapitalkosten der Photovoltaik dazu geführt hat, dass der erzeugte Strom inzwischen günstiger ist als der aus dem öffentlichen Stromnetz. Der neue Trend ist daher der Eigenverbrauch – bei einzelnen Haushalten und bei Unternehmen.

Die Solarenergie stellt gerade auch aus marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten zunehmend eine Alternative zu den traditionellen fossilen und Atomkraftwerken dar. Im Juli 2013 hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW einen Bericht veröffentlicht, in dem es darlegt, dass die Kostenannahmen der Europäischen Kommission in ihrem Grünbuch ›Ein Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030‹ nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Dabei unterschätzt die Kommission bei ihren Planungen für eine zukünftige Energiepolitik die Kosten der Atomkraft und CO2-Abscheidung, während sie die Kosten erneuerbarer Energien überschätzt. Die Schlussfolgerung des DIW: »Erneuerbare Energien sind somit die einzige Option für eine nachhaltige und CO2-arme europäische Stromwirtschaft.« Mit mehr als 1.300 Ausstellern und etwa 50.000 Besuchern steht die diesjährige Intersolar Europe immer noch für eine kraftvolle Branche. Die Unternehmen stellen sich auf die geänderten Rahmenbedingungen des Marktes ein, etwa durch innovative Lösungen zur Optimierung des Eigenverbrauchs im Privatkundensektor. Hinzu kommt eine wachsende Orientierung auf das Angebot von Dienstleistungen, die dem Kunden einen Mehrwert bieten.

Erschienen in Ausgabe: 07/2013