Steigende Anforderungen beim Transportkapazitäts-Handel

IT

Der Handel von Transportkapazitäten über die Vermarktungsplattform Prisma nimmt zu. Transportnetzbetreiber stellen sich zudem auf die neuen Prozessanforderungen an das Kapazitäts- und Vertragsmanagement ein und setzen Lösungen um. Als Alternative zur Realisierung in Eigenregie bietet sich auch der Bezug eines Cloud-Services an.

23. Oktober 2014

In unserem Geschäft fallen immer mehr Daten an, die in kürzester Zeit zu verarbeiten sind«, sagt Christoph Höft. Der Leiter Nachgelagerte Netzbetreiber bei der Open Grid Europe (OGE) spürt, dass der Wettbewerb stetig an Fahrt gewinnt. »Durch die neuen Vermarktungsvorgaben für Transportkapazitäten auf innerdeutscher, aber auch europäischer Ebene dreht sich das Marktgeschehen mit enormer Geschwindigkeit«, so Roland Prussak, der die Anwendungssysteme des Fernleitungsnetzbetreibers betreut.

Im Fokus der Vermarktung auf der zentralen europäischen Plattform Prisma stehen auktionsbasierte Vergabemechanismen, die an Grenz- und Marktgebietsübergangspunkten das ›First Come First Served‹-Prinzip ersetzt haben. Was die Laufzeit von Kapazitätsverträgen betrifft, buchen Transportkunden vermehrt Kapazitäten day ahead anstatt langfristig.

Umsetzung von Vorgaben

Die Vorgaben auf nationaler und europäischer Ebene führen zu Herausforderungen an die operativen Abläufe der Netzbetreiber. Dies betrifft die Einbindung der Vermarktungsplattformen in die bestehenden IT-Landschaften. Zum anderen müssen die gesetzlichen Pflichten in den Prozessen, insbesondere im Bereich des Vertrags- und Kapazitätsmanagements, abgebildet werden.

Zudem ergänzen die Regulierungsbehörden kontinuierlich die Richtlinien. Viel Zeit bleibt dann nicht, die neuen Anforderungen in den produktiven Systemen zu unterstützen. »Das Vermögen, flexibel und schnell reagieren zu können, wird mehr und mehr zur kritischen Größe«, so Höft.

Zusätzlich wachsen wegen der auktionsbasierten Vergabemechanismen und steigenden Datenmenge die Leistungsanforderungen. »Wenn künftig Kapazitäten nicht nur für den Folgetag sondern auch untertägig auf Prisma zu vermarkten sind, wird die zu verarbeitende Datenmenge noch einmal deutlich zulegen«, erläutert Höft.

»Jeder Fernnetzbetreiber sollte kritisch prüfen, ob das Leistungsvermögen der bislang genutzten Systeme den sich abzeichnenden Anforderungen auf Dauer standhalten kann«, so Dr. Jan Stefan Addicks vom IT-Berater BTC. Er empfiehlt als eine Möglichkeit, den Anwendungsbezug als Managed Service aus der Cloud in Überlegungen einzubeziehen.

So entwickelte das Unternehmen gemeinsam mit OGE eine Cloud-Lösung für das Vertrags- und Kapazitätsmanagement. Die ›TSO Business Service Suite‹ ist modular aufgebaut und mandantenfähig. Sachbearbeiter und Transportkunden eines Netzbetreibers erhalten rollenspezifischen Zugriff auf entsprechende Funktionen.

Einbindung über Schnittstellen

Die Steuerung der Abläufe findet mit Hilfe der Inubit Business Process Engine statt, der Nachrichtenaustausch ist XML-basiert. Die Lösung umfasst alle benötigten Prozesse und Schnittstellen, um Vermarktungsplattformen einzubinden. Für die Integration in die Backendsysteme, etwa die Abrechnungs- und Dispatching-Systeme, hält sie Standardschnittstellen vor.

Das Modul Contract bedient die vertragsrelevanten Aufgaben. Auch unterstützende Prozesse wie Zuordnung von Kapazitäten zu Bilanzkreisen oder Rückgabe gebuchter Kapazitäten durch Transportkunden deckt es ab. Das Modul Capacity umfasst Funktionen zum Netzpunkt- und Kapazitätsmanagement. Dazu zählen etwa die Pflege der Zeitreihen für verfügbare und gebuchte Kapazitäten. Auch verarbeitet es die Buchungen entsprechend der Vermarktungsreihenfolge.

Seit Sommer 2013 ist der Wechsel auf die neue Lösung zur Kapazitätsvermarktung bei OGE vollzogen. Das gilt für die über Prisma vermarkteten Transportkapazitäten sowie für den Buchungsprozess der Verteilnetzbetreiber. Die Einbindung der internen Backend-Anwendungen wird über eine Integrationsplattform bewerkstelligt.

Die Arbeit mit dem neuen System läuft typischerweise folgendendermaßen ab: Ein Transportkunde ersteigert im Rahmen einer Auktion Transportkapazitäten für den Folgetag. Die IT-Lösung erhält von der Vermarktungsplattform alle Daten, um den Vertrag anzulegen. Im Anschluss leitet sie die relevanten Informationen an nachgelagerte Systeme weiter, damit Dispatching-, Allokations- und Abrechnungsprozesse starten können.

Über ein Portal haben Mitarbeiter des TSO oder eines Transportkunden eine Zugriffsmöglichkeit auf den Cloud-Service, um sich einen Überblick über abgeschlossene Verträge zu verschaffen oder an diesen Änderungen vorzunehmen. Im Fall von Anpassungen erfolgt eine automatische Versendung der aktualisierten Daten an die nachgelagerten Systeme.

Erschienen in Ausgabe: 09/2014