Still ruht der See

EMISSIONSHANDEL Seit Jahresbeginn stand der Emissionshandel immer wieder im Blickpunkt, weil die Preise für die CO2-Zertifikate beständig zunahmen und Ende April sogar bis zu 30 €/t erreichten.

28. September 2006

Mit Beginn der Veröffentlichung der tatsächlichen Emissionen in 2005 innerhalb des EU-weiten Emission Trading Schemes Anfang Mai brachen die Preise massiv ein, da erheblich weniger Emissionen gemeldet wurden, als angenommen. Tatsächlich könnten sogar mehr Emissionszertifikate für die erste Handelsperiode (2005-2007) ausgeteilt worden sein als benötigt werden, so dass im Extremfall der Wert eines Emissionszertifikates nahe bei 0 €/t liegen könnte.

Welche Verunsicherungen diese unerwarteten Ereignisse am Emissionsmarkt ausgelöst haben, wird an den erheblichen Preisschwankungen im Mai deutlich: Innerhalb weniger Tage fielen die Preise von knapp 30 €/t auf unter 10 €/t, um dann wieder bis auf etwa 20 €/t anzusteigen, bevor sich ein neuer Gleichgewichtspreis im Bereich von 15-16 €/t einstellte. Bemerkenswert ist, dass dieses neue Gleichgewicht ungewöhnlich stabil zu sein scheint; schließlich verharren die Zertifikatspreise seit Juni diesen Jahres in dieser Spanne. Ehemals bestimmende fundamentale Faktoren wie die Öl- und Steinkohlepreise scheinen ebenso außer Kraft gesetzt wie die zur Zeit fehlenden Wassermengen in den skandinavischen Speicherkraftwerken - allerdings ist die Frage, ob überhaupt eine Knappheit an Zertifikaten vorhanden ist, jetzt der viel entscheidendere Punkt.

Da Polen und Frankreich in bestimmten Grenzen den Übertrag ungenutzter Zertifikate von der ersten in die zweite Handelsperiode (2008-2012) gestatten, schaut der Markt wieder einmal nach Brüssel: Trotz gegenlautender Versicherungen der EU-Kommission, eine fristgerechte Vorlage der Nationalen Allokationspläne für die zweite Periode bei den Mitgliedsländern energisch durchzusetzen, haben über zwei Monate nach Verstreichen der Frist außer Deutschland bislang nur sieben weitere Mitgliedsstaaten ihre Entwürfe der EU-Kommission vorgelegt. Und so warten die Marktteilnehmer wieder einmal auf Signale aus Brüssel.

Dr. Stephan Illerhaus (stephan.illerhaus@statkraft.de)

Erschienen in Ausgabe: 10/2006