Stimmen von BDEW und VKU zum Neubau vonKraftwerken

VKU und BDEW kritisieren die schwierige Marktsituation für Betreiber konventioneller Kraftwerke. Ein neues Marktdesign sei erforderlich.

17. Juli 2013

Im Mai hatte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) seine Kraftwerksliste vorgelegt, auf der sich insgesamt 79 größere Anlagen mit einer installierten Leistung von 38.000 MW befinden, die in Planung, im Genehmigungsverfahren, genehmigt, im Bau oder Probebetrieb sind. Inzwischen sei bei fast einem Drittel aller Projekte der Zeitpunkt der Inbetriebnahme unklar, so BDEW-Chefin Hildegard Müller. Besonders die Planungen für nach 2015 hinterfragen die betroffenen Unternehmen mittlerweile kritisch. Das von der Politik beschlossene Abschaltverbot für Kraftwerke sei »keine adäquate Reaktion« auf wirtschaftliche Probleme. Laut der von der Bundesregierung verabschiedeten Reservekraftwerksverordnung sollen abseits des Marktes hinter verschlossenen Türen Lösungen ausgehandelt werden. Die vom BDEW vorgeschlagene strategische Reserve wäre im Gegensatz dazu eine transparente, marktnahe und günstigere Lösung.

Langfristig muss ein neues Marktdesign entwickelt werden, in dem die Systeme der erneuerbaren Energien mit den konventionellen Anlagen verschränkt werden. Damit dieser Rollentausch gelingt, muss eine marktnahe Lösung gefunden werden, die vor allem der Versorgungssicherheit dient, so Müller.

Bei fast drei Viertel der Mitglieder des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) hat sich die Wirtschaftlichkeit der Anlagen seit 2011 verschlechtert. Und mehr als 50 % haben ihre Pläne für Kraftwerksneubauten zurückgestellt oder gar ganz aufgegeben, so VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck über das Ergebnis einer Umfrage unter den Mitgliedern des VKU. »Das zeigt eindeutig, dass die politisch gesetzten Rahmenbedingungen nicht stimmen«, so Reck weiter. Er befürchtet, dass es bei unveränderten Bedingungen auf absehbare Zeit Probleme bei der Versorgungssicherheit auftreten – vor allem in Süddeutschland.

Im Vorschlag für ein integriertes Energiemarktdesign habe der VKU die erneuerbaren Energien, die Bereitstellung von Kraftwerksleistung und die Stromnetze zusammen und in ihren Wechselwirkungen zueinander betrachtet. Das Marktmodell generiere ein Höchstmaß an volkswirtschaftlicher Effizienz, biete Versorgungssicherheit und sei dabei nachhaltig. Zu den zentralen Elementen des Modells gehören ein Leistungsmarkt, ein neues und wettbewerbliches Fördersystem für Erneuerbare und eine Neugestaltung der Regulierungsbedingungen für die Stromnetze.