Stoff für extreme Hochtemperatur

KRAFTWERKE Ein neuer Hochleistungswerkstoff verträgt Rohrwandtemperaturen bis 1.200 ºC. Einsatzmöglichkeiten gibt es viele, etwa in Kraftwerken bei ungekühlten Komponenten.

01. Dezember 2005

Der Hochleistungswerkstoff Centralloy 60 HT widersteht stark wechselnden mechanischen Belastungen sowie Korrosionsbelastungen auch bei höchsten Rohrwandtemperaturen von 1.200 ºC. In großtechnischen Äthylenspaltreaktoren setzt die chemische Industrie bis dato Schleudergussrohre aus FeCrNi-Legierungen ein. Diese Werkstoffe schützen sich zuverlässig gegen Oxidation und Aufkohlung durch Bildung einer Chromoxidschutzschicht bei Temperaturen bis zu 1.100 ºC.

Günstiges Zeitstandverhalten

Aufgrund seines höheren Aluminiumgehaltes und anderen Elementzusätzen weist der neu entwickelte Werkstoff ein ausgezeichnetes Oxidations-, Aufkohlungs- und Zeitstandverhalten auf und ist in Schleudergussrohren oder Formgussteilen mit höheren Kohlenstoffgehalten gut einsetzbar, betont der Hersteller Schmidt + Clemens.

Das Lindlarer Unternehmen hat den Werkstoff bereits in verschiedenen Branchen in Praxistests erprobt, beispielsweise in Äthylen-Crackern, Ofenrollen, Drehrohren oder Härtereien.

Das Ergebnis: Centralloy 60 HT ist in Äthylenspaltöfen einsetzbar, lässt sich zudem aber auch in Gebieten der Direkt­reduktion von Eisenerz sowie bei Anlagen zur Methanolgewinnung nutzen. Weiterhin ist ein Einsatz im Industrieofenbau für Stahlwerke sowie in der Keramik- und Glasherstellung möglich.

Aber auch Kraftwerke sind ein potenzielles Arbeitsgebiet. Das berichtet zumindest Dr. Friedrich W. Hembach, Leiter der Schleuderguss Spezialprodukte bei Schmidt + Clemens. „Centralloy 60 HT ist für den Einsatz bei Temperaturen von über 1.000 ºC konzipiert. Dieses Temperaturniveau tritt im Kohlekraftwerk an ungekühlten Komponenten im Feuerraum, in der Entaschung und speziell bei Braunkohlekraftwerken im Bereich der heißen Rauchgasrezirkulation für die Mahltrocknung auf.“ Denkbar sei auch der Einsatz als Brennermundstück, als ungekühlte Einfassung von Öffnungen in der Membranwand oder in einem begrenzten Durchmesserbereich auch als Rauchgasröhre in den Rücksaugeschächten, betont Dr. Hembach.

Rentabel trotz höherem Preis

“Der Werkstoff zeigt hervorragende Eigenschaften im Laborversuch und verspricht eine höhere Lebensdauer der hochbelastbaren Bauteile“, ist Gerhard Völkner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Schmidt + Clemens, überzeugt. Dass es im Markt Bedarf an einem Hochleistungswerkstoff wie Centralloy 60 HT gebe, beweise nicht zuletzt die Tatsache, dass täglich Anfragen eingingen.

Aufgrund der hohen Legierung und der besonderen Anforderungen an die mechanische Bearbeitung seien Bauteile aus Centralloy 60 HT in der Anschaffung zunächst teurer. Unter Berücksichtigung höherer Anwendungstemperaturen, reduzierter Wartungskosten sowie der Lebensdauer des Werkstoffs sei diese technische Weiterentwicklung jedoch rentabel, betont Dr. Hembach.

Erschienen in Ausgabe: 11/2005