Strategie für noch mehr Green Jobs

Markt

Österreich - Im Juli hat die Alpenrepublik ihren Aktionsplan Erneuerbare Energien in Brüssel abgegeben. Eine Überförderung soll vermieden werden, jedoch bietet die Ökologisierung auch große Chancen.

18. November 2010

>»Während in anderen Ländern nach wie vor die Atomkraft forciert und auch in Deutschland wieder laut über eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten nachgedacht wird, setzen wir in Österreich ein weiteres ganz klares Zeichen für den Ausbau erneuerbarer Energie«, sagte kürzlich Umweltminister Niki Berlakovich.

Anfang Juli meldete Österreich den Nationalen Aktionsplan (NAP) Erneuerbare Energien an die Europäische Kommission. Danach soll bis zum Jahr 2020 der Regenerativ-Anteil am Bruttoendenergieverbrauch auf 34% erhöht werden. Die unterschiedlichen Energieträger tragen laut Plan wie folgt dazu bei: Bioenergie mit einem Anteil von 51%, Wasser mit 41,2%, Windenergie mit 4,5% und Photovoltaik mit 0,3%.

Für Umweltminister Berlakovich ist der NAP dagegen »nur wenig ambitioniert und mutlos«. »Mein Bekenntnis zur Wasserkraft ist eindeutig – allerdings kommt es auf den Energiemix an«, erläutert Berlakovich. Für ihn ist etwa nicht verständlich, »warum der Biomasse nicht die Kraft zuerkannt wird, die in ihr steckt. Österreich kann mehr«.

Ausschlaggebend und Basis für die österreichische Energiepolitik ist für den Umweltminister die im Frühjahr präsentierte ›Energiestrategie Österreich‹. Diese sei der Motor in Richtung energieautarkes Österreich. Sie fußt auf drei Säulen: Der Steigerung der Energieeffizienz, dem Ausbau erneuerbarer Energieträger und der Sicherstellung der Versorgungssicherheit. Die größten Einsparpotenziale bestehen im Gebäudebereich. Bei zwei Drittel aller Wohnungen in Österreich (3,5 Millionen) besteht ein Sanierungsbedarf. Daher ist es ein konkretes Ziel der Energiestrategie, die Sanierungsrate von derzeit 1,2% bis zum Jahr 2020 auf drei Prozent zu steigern. Derzeit werden jährlich 40.000 Gebäude saniert, bis 2020 sollen es 110.000 pro Jahr werden.

Fokus auf Biowärme

Schwerpunkt des Ausbaus erneuerbarer Energien ist die stärkere Nutzung der Biomasse zur Wärmegewinnung. Im Bereich des erneuerbaren Stroms soll die Wasserkraft bis zum Jahr 2015 um 12,6 Petajoule (PJ) ausgebaut und die Windkraft bis zum Jahr 2020 verdoppelt werden.

Für Bernhard Bachleitner handelt es sich beim NAP Erneuerbare Energien um einen vernünftigen Kompromiss. »Man sollte jetzt weniger höhere Werte fordern, sondern sich darauf konzentrieren, dass die gesteckten Ziele auch tatsächlich eingehalten werden. Schließlich befindet sich Österreich bereits auf einem sehr hohen Niveau«, gibt der für den Süden Deutschlands zuständige Direktor bei der ABA – Invest in Austria zu bedenken. »Jeder weitere Prozentpunkt Steigerung bedeutet einen ungleich höheren Aufwand, als für ein Land, das sich noch auf einem niedrigerem Niveau befindet.«

Schon jetzt liegt Österreich bei der Nutzung der Erneuerbaren im EU-Vergleich hinter Schweden, Lettland und Finnland an vierter Stelle. »Mit dem Ausbau dieser Kapazitäten eröffnen wir unseren innovativen Unternehmen eine Riesenchance. Öko-Innovationen werden zu einem nachfrageorientierten Bereich, der Österreich auch im Export nützt«, ist Österreichs Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner überzeugt.

Die beschäftigungspolitischen Effekte sind groß. Experten haben berechnet, dass durch die Umsetzung der Energiestrategie bis zu 80.000 Arbeitsplätze gesichert und neu geschaffen werden können. Die Zahl von derzeit 185.141 sogenannter ›Green Jobs‹ in Österreich wird laut Prognosen in den nächsten Jahren stark ansteigen.

Moderate Ökostromförderung

Im Wärmebereich setzt die Alpenrepublik neben der Biomasse auch auf Solarthermie. Deren Beitrag im Bereich Niedertemperaturwärme soll sich auf 10% bis 2020 erhöhen. Gemessen an der installierten Leistung pro Einwohner zählt Österreich dort bereits weltweit zu den Top 3.

Ein aktuell aufgelegter Klima- und Energiefonds fokussiert speziell entsprechende Großanlagen in vier Schwerpunktbereichen: Solare Prozesswärme in Produktionsbetrieben, solare Einspeisung in netzgebundene Wärmeversorgung, hohe solare Deckungsgrade in Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben sowie solar unterstützte Klimatisierung. Gefördert werden innovative, solarthermische Anlagen mit einer Kollektorfläche zwischen 100 und 2.000m2. Die Förderung erfolgt mittels nicht-rückzahlbaren Investitionszuschüssen.

Bei der Förderung geht man in Österreich sowieso eigene Wege. Durch das im Vorjahr novellierte Ökostromgesetz soll der Anteil des geförderten Ökostroms am gesamten Stromverbrauch bis zum Jahr 2015 auf 15% gesteigert werden. »Das ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ein moderater Ausbau, der die Bürger und Unternehmen auch nicht so viel kostet, wie beispielsweise die hohen und wieder zurück-genommenen Förderungen in Deutschland«, sagt Mitterlehner.

Der Gesamtanteil der erneuerbaren Energien am gesamten Stromverbrauch beträgt derzeit in Österreich rekordverdächtige 70%. Hier kommt Österreich jedoch der hohe Anteil an Wasserkraft zugute, die nicht speziell gefördert wird. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 9-10/2010