Strategie gegen Datenflut

Spezial/IT & Kommunikation

Energiedaten - Die Regulierung der Netz- und Vertriebsdaten erhöht das Wachstum bei Sicherung und Speicherbereich. rku.it setzt auf virtuelle Lösungen.

05. Oktober 2009

Die Produkte der öffentlichen und privaten Versorger haben sich kaum geändert. Was sich jedoch ändert, sind die Rahmenbedingungen. Und damit werden die Aufgaben und Herausforderungen an die Versorger und deren IT-Landschaften immer komplexer.

Das Auslagern der IT an professionelle Dienstleister wie rku.it ist daher in der Versorgungsbranche ein verbreiteter Weg. Das Unternehmen aus Herne zählt Versorger jeder Größe zu seinen Kunden. Mehr als 120 Unternehmen nehmen die SAP-Kompetenz in Anspruch, vertrauen auf die Zuverlässigkeit der Outsourcing-Lösungen.

Hinter dieser Zahl stehen etwa 4.500 Nutzer von Anwendungssoftware und rund 4,2 Millionen abzurechnende Versorgungsverträge. Der IT-Dienstleister managt über 100 SAP-Installationen beziehungsweise zirka 300.000 ›SAP’se‹ oder Leistungseinheiten. 20 mySAP-ERP-Systemschienen sind produktiv.

Neue Datensicherung

Das Herner Unternehmen betreibt Server- und Plattensysteme so, dass nach jeweiligem Kundenbedarf flexibel Rechnerleistung und Plattenplatz bereitgestellt werden können. Die Ressourcen sind auf zwei Standorte verteilt, die mehrere Kilometer voneinander entfernt liegen. So ist in Verbindung mit redundanter Datenhaltung und Hochverfügbarkeitskonfigurationen für Sicherheit gesorgt.

Virtualisierung spielt hier eine tragende Rolle. Die konventionelle Server-Hardware wurde auf IBM P570 Server umgestellt, von denen zurzeit sieben eingesetzt werden.

Passend zur Servervirtualisierung sollte ein neues Datensicherungskonzept für zirka 80TB Daten eingeführt werden. »Das Datenwachstum im SAP-Umfeld war so stark, dass es zu Leistungsengpässen bei den Laufwerken der Bandroboter kam«, sagt Ulrich Klenke, Leiter des rku.it-Rechenzentrums. Auch die Fehleranfälligkeit sei gestiegen, was den Aufwand erhöht und die Zuverlässigkeit beeinträchtigt habe.

»Außerdem war durch die von der Bundesnetzagentur geforderte Deregulierung der Netz- und Vertriebsdaten im Strom- und Gasbereich eine Aufteilung unserer Abrechnungssysteme absehbar«, bezieht sich Klenke auf die Vorgaben der Bundesnetzagentur für die Energiebelieferung von Kunden bei Strom und Gas, der GPKE und der GeLi Gas. »Dies wird zu einem weiteren, nicht unerheblichen Wachstum im Speicherbereich und bei der Datensicherung führen. Für diese Konstellation bot sich die Technologie der Virtual Tape Library als beste Lösung an.«

Bei der neuen Backup-Strategie kam es auf die optimale Abstimmung der VTL-Technologie mit der Backup Software IBM TSM an. rku.it hat sich aufgrund von Preis-Leistungs-Verhältnis, Anpassbarkeit und Investitionssicherheit für zwei VTL1400-Systeme von NetApp entschieden. Auch bei der Skalierbarkeit konnte der Anbieter von Storage- und Datenmanagement punkten. Die höchstmögliche Zahl an definierbaren Laufwerken liege mit 3.000 knapp ein Drittel über dem, was vergleichbare Systeme anderer Hersteller bieten, betont er.

Freiraum für zukunft

Als kritisch galten die Laufwerkstechnologie und die Qualität der Laufwerkserkennung. Per Simulation definierten die IT-Experten virtuelle Laufwerke. Vorab legten sie fest, welche Datenbestände auf welche Laufwerke zu sichern sind, um Lastverteilung und Datenmanagement zu optimieren. Jeder der sieben TSM-Server erhielt auf beiden VTL nur für ihn dedizierte Laufwerke zugewiesen.

Insgesamt 160 Laufwerke sind auf den beiden Dual-Controller-VTL definiert. Die Kapazität einer VTL liegt bei derzeit 35TB.

Jeder TSM Server hat vier Verbindungen auf jede VTL. Von acht Laufwerken pro TSM- Server sind jeweils vier für das Backup reserviert, während vier Laufwerke in Reserve für andere Arbeiten eingesetzt werden. Da der IT-Dienstleister mit zwei Rechenzentren arbeitet, wechselt jedes Backup alternierend zwischen den beiden VTL, sodass die Daten auf beiden Seiten vorhanden sind. Jedes SAP-System wird zusätzlich mindestens einmal pro Tag gesichert.

Die Umstellung der Sicherungsverfahren entlastete Bandroboter und Administration, ermöglichte die fünffache Menge an parallel laufenden Datensicherungen und ließ Freiraum für künftige Sicherungsanforderun-gen entstehen. Die Auslagerung der Backup-Kopien auf Tape erfolgt auf Bandroboter und verläuft nach einem Rotationsprinzip mit Schwellenwerten. Erreicht der Füllstand 50%, wird über die TSM-Software der Kopierprozess von den virtuellen auf physische Bänder angestoßen.

Durch die Virtualisierung der Server- und Backup-Umgebung ließ sich einer von drei Bandrobotern einsparen. Zudem entfielen Wartungskosten für physische Laufwerke. Ursprünglich war ein Drittel der physischen Laufwerke aus Wartungsgründen nicht nutzbar, was zu hohen Vorhaltungskosten führte.

»Wir haben mit der NetApp VTL-Technologie erreicht was wir wollten: Entlastung und zuverlässigesBackupderSAP- Systeme«, so die Bilanz von Ulrich Klenke. »Die gute Planung der Prozesse und Implementierung im Vorfeld hat dazu beigetragen, dass der Betrieb heute reibungslos läuft und auch neue Anforderungen, wie zum Beispiel die Trennung der Netz- und Vertriebsdaten, einfach umsetzbar sind.«

Erschienen in Ausgabe: 10/2009