Strategische Synergien

Geoinformation Schleupen und Intergraph wollen künftig gemeinsam integrierte Lösungen für die Energiebranche vorantreiben.

04. September 2007

»Die Bedeutung von Geoinformationssystemen (GIS) wird zunehmen, da Netzbetreiber viele ihrer Aufgaben, wie Wartung/Instandhaltung und Störfallmanagement, nach räumlichen oder netztopologischen Kriterien organisieren«, sagt Martin Oesterhaus, Bereichsleiter GIS bei der Schleupen AG. So sei etwa die straßenweise Auswertung von Leckspürungen an Erdgasleitung oder das Festlegen der Untersuchungszyklen in Abhängigkeit von der Häufigkeit festgestellter Leckagen ohne GIS kaum realisierbar.

Der Schleupen-Mitarbeiter ist sich sicher, dass »die Netzbetreiber dem steigenden Kostendruck unter anderem durch die Abwendung von streng zyklisch organisierten Wartungen zu zustandsorientierten Wartungen« begegnen werden. Dazu ist der Zustand der Netze zunächst detailliert zu ermitteln und zu dokumentieren. GIS biete hier »ideale Voraussetzungen nicht nur für die Dokumentation der Zustände, sondern ermögliche auch die problemorientierte Darstellung von Zuständen in grafischer und alphanumerischer Form«, betont Oesterhaus. Derartige Lösungen seien im Abwasserbereich längst Standard und ließen sich auf die Sparten Strom, Gas und Wasser übertragen.

Einfache Störfall-Abfragen

Forcierend auf die Bedeutung von GIS wirken sich zudem das Energiewirtschaftsgesetz und die dort geregelten Aufgaben der Bundesnetzagentur aus. »Viele Anfragen der BNetzA, wie etwa die Klärung der von einer Störung betroffenen Kunden, lassen sich nur durch Kopplung von GIS mit einer Verbrauchsabrechnung oder einem Kundeninformationssystem effektiv beantworten«, weiß Oesterhaus. GI-Systeme seien in der Lage »alle Fragen, die sich auf Mengen von Netzobjekten beziehen, wie die Längen von Nieder-, Mittel- und Hochspannungsleitungen, einfach und mit hoher Genauigkeit beantworten«. Insbesondere dann, wenn das GIS in die Enterprise- Resource-Planning(ERP)-Lösung integriert sei, könnten durch die Nutzung von netztopologischen Abfragen auch die Auswirkung von Störfällen einfach beantwortet werden - unter anderem die Frage, welche Kunden betroffen sind.

Dies bedingt laut Oesterhaus generelle Auswirkungen auf die IT-Landschaft. Daraus, dass GIS für Netzbetreiber eine strategische Bedeutung erhalte, resultiere, dass diese IT-Systeme auch für ERP-Anbieter eine wichtige Bedeutung erhalten. Umgekehrt gelte dies auch für ERP-Anbindungen bei GIS-Anbietern. Dies spiegelt sich heute schon im Markt wider, u. a. dadurch, dass GIS-Anbieter Allianzen mit ERP-Anbietern suchen.

In diesem Kontext ist auch die Kooperation von ERP-Anbieter Schleupen und GIS-Anbieter Intergraph zu sehen. »Die Kooperation ist die konsequente Fortsetzung der erfolgreichen Partnerschaft mit der Poppenhäger Grips GmbH«, sagt Oesterhaus. Die Partnerschaft verstehe sich als Vertriebs- und Entwicklungsgemeinschaft. Die Erfahrungen von Schleupen im GIS- und ERP-Bereich fließen in die Produktenwicklung von Intergraph ein. »Wir ergänzen die GIS-Produkte von Intergraph um Integrationslösungen. Dadurch werden die Voraussetzungen geschaffen, den ständig wachsenden Anforderungen des Marktes gerecht zu werden «, sagt Bereichsleiter Oesterhaus.

Für den IT-Experten macht heute eine ›gute‹ GIS-Lösung »ein offenes, auf Standards aufsetzendes Produkt« aus. Diese Voraussetzung sei bei Intergraph-Produkten gegeben, denn »diese setzen vollständig auf dem im GIS-Bereich gängigen Datenbanksystem Oracle auf«. Alle Daten, einschließlich der Metadaten und des Regelwerks, würden in Oracle in standardisierter Form verwaltet.

Tiefgreifende Integration

»Dies ist die optimale Voraussetzung für eine tiefgreifende Integration in ERP-Lösungen. Darüber hinaus gewährleistet die standardisierte Datenhaltung unseren Kunden aber auch einen langfristigen Nutzen der Daten, weil die Daten an zukünftige Anforderungen anpassbar sind, da sich Daten und Regelwerk erweitern lassen«, sagt der IT-Experte.

Eine Rolle bei der Wahl des Partners hat sicherlich auch die langjährige Zusammenarbeit mit Poppenhäger Grips gesorgt, die im vergangenen Jahr von Intergraph übernommen wurde. Oesterhaus: »Intergraph bietet für uns und für unsere Kunden durch die Zusammenführung von Grips mit den Intergraph-Produkten G!NIUS und GeoMedia die kontinuierliche und optimale Weiterentwicklung der GIS-Produkte. Die in GRIPS erfassten und verwalteten Netzdaten können langfristig weiter genutzt werden.« Das seien jedoch nicht die allein ausschlaggebenden Fakten gewesen. »Wir haben unabhängig von der Historie die relevanten Anbieter und Produkte verglichen und auch dabei hat Intergraph deutlich gepunktet «, betont der IT-Experte.

Daraus leitet er jedoch keine vollständige Exklusivität ab. »Unsere Integrationslösungen sind so konzipiert, dass auch andere GIS integriert werden können.« Aufgrund des heterogenen GIS-Marktes werde dies auch künftig so bleiben. Durch die enge Zusammenarbeit mit Intergraph werde aber eine optimale Integration mit deren Produkten erreicht.

Bei der Frage, inwieweit sich hierdurch für die Kunden neue Preiskonditionen ergeben, will sich Oesterhaus nicht festlegen: »Dies lässt sich noch nicht absehen. « Sicher sei, dass man die G!NIUSProdukte durch Integrationstools weiter »veredeln« werde.

Eine wichtige Frage beim Zusammenwachsen von GIS und ERP betreffe die Beseitigung redundanter Daten, die in den jeweiligen Systemen empirisch gewachsen und daher häufig inkonsistent seien. Dies verursache erhebliche Mehrkosten. »Unsere Erfahrungen zeigen, dass die in kaufmännischen Lösungen verwalteten Netzdaten erheblich von den in GIS dokumentierten Daten abweichen«, sagt Oesterhaus. Es bleibe abzuwarten, welche Konsequenzen diese Abweichungen bei der BNetzA künftig nach sich ziehen werden. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 09/2007