Strom aus eigener Herstellung

Dossier

Tesvolt - Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft: Akkuspeicher eignen sich für vieles. Nach und nach wird sich der Markt aus-weiten, sagt Daniel Hannemann. Denn die Systeme rechnen sich.

27. Februar 2018

Herr Hannemann, der Speichermarkt gilt als dynamischer Wachstumsmarkt mit Potenzial weltweit. In Deutschland sind die Preise für Speichersysteme in den letzten vier Jahren um rund 50 Prozent gefallen; Tesvolt wirbt mit Kosten pro gespeicherter kWh von 9 bis 10 Cent. Was heißt das für Ihre Unternehmensstrategie?

Es ist unser Ziel, die Kunden vom EEG unabhängig zu machen. Das ist möglich, wenn die Anlagen effizient sind. Bei einer Einspeisevergütung von 11 Cent pro kWh für Solarstrom und Bezugskosten von rund 25 Cent für Netzstrom rechnet sich für Betreiber vor allem der Eigenverbrauch. Ziel ist, dass der Eigenanteil an der Stromversorgung auf 90 bis 100 Prozent steigt. Sowohl bei Anlagen hier in Deutschland als auch weltweit.

Der Energiebedarf in Industrie und Gewerbe ist hoch. Was bringt die oben genannte Preisentwicklung diesen Unternehmen?

Mit unseren Anlagen können Gewerbe- oder Industriebetriebe den Eigenverbrauch erhöhen, Lastspitzen kappen oder beides. Beides lässt sich mit Akkuspeichern gut machen…

Wie genau?

Ein Bäcker braucht in der Regel nicht durchgehend viel Strom zum Brotbacken, sondern nur zu bestimmen Spitzenzeit. Ähnlich ist es bei einem Landwirt, der mit einer Melkmaschine die Kühe melken lässt. Wenn wir diese Lastspitzen minimieren oder ganz kappen, amortisieren sich die Anschaffungskosten für Speicher in etwa fünf Jahren. Denn die Stromversorger legen für den Stromtarif eines Unternehmens oder Gewerbebetriebs immer die Maximallast zugrunde. Selbst wenn die im Tagesverlauf nur selten auftritt.

Haben Sie ein Beispiel für die Amortisation?

Ja, sicher: Nehmen wir mal an, ein Landwirt bezahlt für die Bereitstellung eines Kilowatts circa 160 Euro. In Deutschland liegen die Preise aktuell zwischen 30 und 180 Euro pro kW. Seine höchste Leistung im Jahr lag bei 120 Kilowatt. Also bezahlt er 160 Euro multipliziert mit 120 Kilowatt. Das sind in Summe 24.000 Euro, die pro Jahr für die Bereitstellung der Leistung an den Energieversorger gehen. Der Tesvolt-Speicher kappt nun einen Teil dieser Lastspitze ab. Ein Gerät mit 60 kW Leistung und 67 Kilowattstunden Kapazität beispielsweise würde 60 Kilowatt von der Höchstleistung von 120 Kilowatt kappen. Das wären dann 60 Kilowatt multipliziert mit 160 Euro/Kilowatt – in Summe also 9.600 Euro Einsparung pro Jahr. Wenn Sie nun den Preis des Speichers durch 9.600 Euro teilen, erhalten Sie eine Amortisationszeit von etwas mehr als fünf Jahren. Hinzuzuziehen sind die steuerlichen Abschreibungen. Das macht diese Ausgabe zu einem sehr lohnenswerten Investment für den Unternehmer.

Bäcker und Landwirte kümmern sich wie alle Selbstständigen vor allem um das Kerngeschäft. Wie erzeugen Sie bei denen Aufmerksamkeit für Speicher?

Auch Selbstständige haben Kontakt zu Fachhandwerkern; das kann der Einstieg in unser Netzwerk sein. Zudem sind wir auf Messen vertreten und richten unsere Marketingstrategie in Kombination mit Landingpages und Erklärvideos gezielt auf diese Zielgruppe aus, um unsere Fachpartner optimal zu unterstützen.

Ist mit weiteren Kostenvorteilen zu rechnen, wenn man die Investition hinausschiebt?

Aktuell ist kein Preisverfall zu erwarten. Zum einen sind die Preise schon ziemlich weit unten. Zum anderen ist die Nachfrage groß. Namhafte Unternehmen wie Daimler-Benz, Audi oder Tesla investieren in Speicher. Der Batteriemarkt ist quasi leergekauft.

Mehrere Speicheranbieter wollen ihre Anlagen im Bestand auch für Zusatzleistungen vermarkten, zum Beispiel als Primärregelleistung. Die Preise gaben zwischenzeitlich extrem nach, viel war damit nicht zu verdienen. Mit welcher Entwicklung rechnen Sie?

Regelleistung hat Zukunft, das ist klar. Aber Deutschland ist noch nicht so weit. Allein Primärregelleistung rechnet sich nicht; das haben wir festgestellt. Damit es sich rechnet, müssen mehrere Produkte kombiniert werden.

Großbritannien ist da schon einen Schritt weiter: Jüngst haben wir dort eine Anlage mit einer Leistung von 4 Megawatt installiert, die Teil eines PV-Parks ist. Sie dient dem lokalen Netzbetreiber für Primärregelleistung und Frequenzhaltung. hd 

VITA

Daniel Hannemann

CEO und Gründer von Tesvolt

Hannemann (*1985) studierte Informatik sowie Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement.

Im Rahmen seines Studiums spezialisierte er sich auf erneuerbare Energien im Solarbereich.

Erschienen in Ausgabe: 02/2018