Energieversorgung

Strom reinsten Wassers

Der Klimaschutz und die Energiewende sind nicht neu. Aber sie haben immer größeren Einfluss. Industrieunternehmen stellen Nachhaltigkeitskriterien für die Energiebeschaffung auf. Umweltbewusste Privathaushalte steigen um auf Ökostrom. Die Wasserkraft erlebt einen Boom.

12. Dezember 2018
(Illustration: MWIMMERDESIGN)

Lech, Donau, Isar, Elbe: An vielen Flüssen erzeugen Wasserkraftwerke Strom, teils seit hundert Jahren. Weil bei der Stromproduktion kein Kohlendioxid entsteht, erlebt die bewährte Technik gerade einen Boom. Uniper verzeichnete nach Unternehmensangaben einen Absatzrekord für CO2-neutrale Energie aus Wasserkraft. 2018 wird das Unternehmen erstmals zehn Millionen Herkunftsnachweise aus Wasserkraft verkaufen. Das sind doppelt so viele wie 2017. Besonders Industrie und Stadtwerke fragen häufiger als früher nach CO2-neutralen Produkten.

Herkunftsnachweise

Zwar sind Ökostrom und Nachhaltigkeit per se nicht neu. Sie werden aber immer wichtiger, sagt Gundolf Schweppe, Vertriebschef bei Uniper: »Unternehmen, die ihren Beitrag leisten wollen, setzen sich teilweise eine vollständige Klimaneutralität zum Ziel.« Nach seinen Worten sind Herkunftsnachweise beziehungsweise der Bezug von Ökostrom ein wichtiges Hilfsmittel, um den CO2-Ausstoß durch die Produktionsprozesse zu reduzieren. Die Herkunftsnachweise sind jedoch nur ein Beispiel für grüne Produkte auf Basis von Wasserkraft. »Von regionaler Vermarktung bis zur tatsächlichen physischen Kopplung der Wasserkraft bietet unser umfassendes Portfolio an grünen Strom-Produkten unseren Kunden schon jetzt eine passende Antwort auf die gestiegene Nachfrage der Endkunden nach Strom aus CO2--freier Erzeugung«, heißt es in einer Uniper-Mitteilung.

Physische Kopplung

Nach Unternehmensangaben bedeutet die Bezeichnung »Tatsächliche physische Kopplung«, dass neben den Herkunftsnachweisen auch entsprechende Strommengen aus den gleichen Anlagen bezogen werden.

Da Herkunftsnachweise unabhängig vom Strom gehandelt werden können, ist das keine Selbstverständlichkeit, so Uniper. In den meisten Fällen wissen die Käufer im Voraus nicht einmal, aus welchen Anlagen die eingekauften Herkunftsnachweise stammen werden, heißt es.

Grundlastfähig

»In langen Handelsketten über diverse Broker ist es auch kaum möglich, diese im Voraus festzulegen beziehungsweise nachzuhalten«, so Schweppe.

Da ein großer Teil der von Uniper vermarkteten Herkunftsnachweise jedoch aus unternehmenseigenen Anlagen stammt, ist es möglich, die jeweiligen Anlagen vorab zu benennen.

Sofern gewünscht, werden die erzeugten Strommengen auch aus dem gleichen Kraftwerk geliefert.

Für Strom aus Wasserkraft spricht auch dessen Planbarkeit. Er ist grundlastfähig. Laufwasser-Kraftwerke nutzen das natürliche Gefälle in Flussläufen, um aus der Differenz der Wasserhöhe vor und hinter der Anlage Strom zu erzeugen. »So verlässlich wie das Wasser im Fluss Tag und Nacht, an Feiertagen und bei Windstille kontinuierlich fließt, speisen wir regenerativen Strom in das Netz ein. Zusammen mit der ausgereiften Wasserkraft-Technik erreichen wir eine Verfügbarkeit von über 98 Prozent«, sagt Gundolf Schweppe.

Neuheiten auf der E-World

Während im Stromsektor bereits mehr als ein Drittel des Verbrauchs in Deutschland mit Erneuerbaren gedeckt wird, bestehe bei der Wärmeerzeugung sowie im Verkehrswesen noch Nachholbedarf, sagen Experten. Aus diesem Grund forciert die Bundesregierung inzwischen mit Nachdruck die Sektorkopplung.

Ziel von Uniper ist es, auf der E-world vom 5. bis 7. Februar 2019 zahlreiche Neuheiten rund um Grünstrom und grünes Gas vorzustellen. Der Schwerpunkt liegt dabei insbesondere auf den Themen Nachhaltigkeit und digitale Lösungen, so das Unternehmen. Schon heute ist Uniper einer der größten Produzenten von Strom aus Wasserkraft in Deutschland und Europa. Im Bundesgebiet betreibt das Unternehmen 110 Wasserkraftwerke.

»Auf dieser Basis werden wir eine Reihe neuer Produkte vorstellen«, sagt Schweppe, »aber auch Lösungen für die Integration anderer erneuerbarer Energiequellen präsentieren. Im Bereich der digitalen Lösungen haben wir zum Beispiel eine App im Gepäck.« Mehr will Uniper erst sagen, wenn im neuen Jahr die Messe unmittelbar bevorsteht. Eine Umfrage im Auftrag von Uniper ergab, dass Entscheider aus Industrieunternehmen vor allem digitale Kanäle für den Energieeinkauf nutzen.

Teilweise setzen sich Unternehmen Klimaneutralität zum Ziel.

— Gundolf Schweppe, Uniper

Nutzerumfrage

Rund ein Drittel (34 Prozent) der Befragten geben an, dass der Kontakt via E-Mail abläuft, bei 28 Prozent erfolgt er über eine Online-Beschaffungsplattform. Telefon (26 Prozent) und der persönliche Kontakt mit dem Key-Account-Manager folgen erst danach.

Digitale Angebote

Digitale Angebote für den Energiehandel sind im Trend. Immer mehr Energieeinkäufer nutzen die Möglichkeiten der digitalen Beschaffung. Das zeigen die Nutzerstatistiken der Onlineplattform Uniper Digital. Den Angaben zufolge verzeichnet die Plattform seit der Einführung 2014 Wachstumsraten von mehr als 50 Prozent bei Bestellungen und Anfragen bei wachsender Kundenzahl. Seit Kurzem steht Portalnutzern eine neue Preisalarm- und Limit-Order-Funktion zur Verfügung. Seit Mai bietet Uniper Energieversorgern einen eigenen Webshop für Strom und Gas an. Das Angebot heißt Energiepreis-Online und ist den Angaben zufolge das erste seiner Art im RLM-Kundenvertrieb. Dennoch können digitale Angebote die klassischen Kanäle nicht komplett ersetzen, heißt es. Laut Gundolf Schweppe wünschen sich Großkunden, gerade bei komplexeren Themen, weiter den persönlichen Kontakt. »Daher wird dieser trotz zunehmender Digitalisierung immer eine große Rolle spielen.« hd

E-world 2019: Halle 3, Stand 3-150

Interview: »Viele erkennen die Produktvorteile«

Digitale Vertriebsportale sind im Trend. Aber Neues muss nicht automatisch besser sein. Es kommt auf die Details an.

Seit Mai bieten Sie die White-Label-Lösung ›Energiepreis-Online‹ an. Sind Sie mit der Resonanz zufrieden?

Uniper Direkt, als erster Energie-Onlineshop für Industrie und Mittelstand, ist nicht nur bei Kunden, sondern in der gesamten Energiebranche auf großes Interesse gestoßen. Daher haben wir uns dazu entschieden, das erfolgreiche Geschäftsmodell nun auch anderen Energieversorgern zugänglich zu machen – als ersten volldigitalisierten White-Label-Vertriebskanal für RLM-Kunden. Dazu haben wir bisher sehr positive Rückmeldungen von Kundenseite erhalten.

Mittlerweile sind die ersten White-Label-Lösungen bereits online. Viele Stadtwerke und überregionale Versorger erkennen die Vorteile des Produkts. Sie können durch den Online-Vertriebskanal neue Endkunden auch über das bisherige Vertriebsgebiet hinaus gewinnen und gleichzeitig ihre Prozesse im klassischen Vertrieb erheblich erleichtern.

Wohin geht die Entwicklung beim digitalen Energievertrieb? Im September haben Sie neue Funktionen für das Portal Uniper Digital vorgestellt.

Unsere Studien unter Entscheidern in Mittelstand, Industrie und Stadtwerken zeigen das klare Bedürfnis nach digitalen Lösungen zur Energie-Beschaffung. Das belegen auch die Nutzerstatistiken von Uniper Digital: Wir verzeichnen über 17.500 Anfragen und 3.500 Bestellungen pro Jahr sowie mehr als 2.000 Nutzer pro Monat.

Die neuen Funktionen Limit Order und Preisalarm sind eine Weiterentwicklung der meistgenutzten Features der Plattform und wurden auf Grundlage von Kundenwünschen ergänzt.

Wie groß ist der Anteil des digitalisierten Handels über Portale im Vergleich zum gesamten Energievertrieb?

Das kommt ganz auf das jeweilige Produkt an. Im Allgemeinen stellen wir jedoch in allen Bereichen einen Zuwachs des digitalisierten Handels von 2017 auf 2018 fest. Bei der Vollversorgung zum Festpreis ist der digitale Vertrieb zum Beispiel von 69 auf 86 Prozent gestiegen. Neben der Vollversorgung zum Festpreis werden auch Fahrpläne zum Festpreis von mehr als 50 Prozent der Kunden online bezogen, was einem Anstieg von 11 Prozent entspricht. Beim Tranchen-Login sehen wir einen klaren Trend zur digitalen Bewirtschaftung und sind überzeugt, dass in 2019 mehr Tranchen online als offline eingeloggt werden. Nach einem Zuwachs von 2017 auf 2018 liegen wir aktuell bei 39 Prozent. Entgegengesetzt zu den genannten Produkten werden Standardhandelsprodukte noch überwiegend offline gehandelt, jedoch zeigen Funktionen wie Limit Order und One Click Trading auch hier Wirkung und lassen das Onlinegeschäft ansteigen. hd

Erschienen in Ausgabe: Nr. 10/2018