Stromnetzausbau: Bürgeranleihe positiv bewertet

Eine Umfrage des Übertragungsnetzbetreibers Tennet zur Bürgerleitung hat ergeben, dass die Bürger die Idee der Bürgeranleihe und einer finanziellen Beteiligung am Stromnetzausbau grundsätzlich positiv bewerten.

03. Dezember 2013

»Die Energiewende braucht das Verständnis und die Unterstützung des notwendigen Netzausbaus durch die Bürger. Deshalb haben wir mit der Bürgerleitung einen neuen Weg der Akzeptanzgewinnung beim Stromnetzausbau getestet«, so Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung bei Tennet. »Dieses deutschlandweit einmalige Pilotprojekt hat uns wichtige Hinweise in Hinblick auf die Akzeptanz von Energie-Infrastrukturprojekten und möglichen Beteiligungsformen geliefert. Diese Erfahrungen können Grundlage für die von der Politik geplante Weiterentwicklung der Bürgerbeteiligung sein.«

Tennet hatte mit der Bürgerleitung im Rahmen des Netzausbauprojekts an der Westküste Schleswig-Holsteins ein Pilotprojekt gestartet, um Bürger über die Bürgeranleihe finanziell am Stromnetzausbau zu beteiligen. In den vergangenen Wochen hatte Tennet das Pilotprojekt evaluiert und dafür Zeichnungsaufträge und abgerufenen Zeichnungsunterlagen für die Bürgeranleihe in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut TNS Emnid ausgewertet.

Die erste Umfrage unter Bürgern in Nordfriesland und Dithmarschen wurde in der ersten Hälfte der Zeichnungsfrist im Juni durchgeführt, die zweite direkt nach Ende der Zeichnungsfrist im Oktober. Beide Umfragen haben gezeigt, dass die Bürger die Idee der Bürgeranleihe und einer finanziellen Beteiligung am Stromnetzausbau grundsätzlich positiv bewerten. Für nahezu die Hälfte der befragten Anwohner und Grundstückseigentümer kommt eine finanzielle Beteiligung allerdings nicht in Frage, da das notwendige Kapital zum Erwerb von Anleihen fehlt. 39 % bewerten die aufgelegte Bürgeranleihe als »nicht interessant« und für rund ein Drittel ist das entwickelte Finanzprodukt zu kompliziert. Mehr als jeder Vierte (27 %) gibt zudem an, grundsätzlich gar kein Interesse an derartigen Investmentformen zu haben.

Die Umfragen zeigen, dass 90 % der Befragten beim Ausbau der Stromnetze den Fokus auf hohe Umwelt- und Naturschutzstandards legen, während 71 % auch Dialogprozesse und Bürgerbeteiligung für wichtig halten. Ein genaueres Bild ergibt der Vergleich mit Beteiligungsmodellen bei den erneuerbaren Energien. Er zeigt, dass sich zwar 32 % der Befragten am Stromnetzausbau beteiligen würde, 38 % dies aber nicht tun würden. Die Akzeptanz von Beteiligungsmodellen an Windparks, die es seit mehr als 20 Jahren in Deutschland gibt, ist dagegen mit 53 % deutlich höher. Die repräsentative Umfrage zeigt damit deutlich, dass nicht nur die Akzeptanz der Bürger vor Ort für den Netzausbau notwendig ist, sondern auch Vertrauen für neue, noch zu etablierende Beteiligungsmodelle geschaffen werden muss, um die Energiewende gemeinsam und erfolgreich umzusetzen.

Die Umfragen zeigen zudem den Einfluss der öffentlichen Debatte über die Bürgeranleihe auf die Bürger: Die Idee der Bürgeranleihe kommt bei den Menschen zum Projektstart gut an, wie die erste Umfrage zeigt. Ganze 82 % haben die Idee positiv bewertet (sehr gut: 33 %, eher gut: 49 %). Zum Ende der Zeichnungsfrist haben rund 30 % weniger die Idee einer finanziellen Beteiligung als »sehr gut« gewertet als im Vergleich zur ersten Befragungsphase. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl derer, die die Idee als »sehr schlecht« bewerten, um 125 % gewachsen. Diese Entwicklung und der Einfluss der öffentlichen Diskussion über die Bürgeranleihe spiegeln sich auch in den Zeichnungen der Anleihe wider. So war das Interesse der Bürger an der Bürgeranleihe vor allem in der ersten Hälfte der Zeichnungsfrist größer. Ab August mit Einsetzen der öffentlichen Debatte sank die Nachfrage deutlich. Insgesamt wurden die Zeichnungsunterlagen für die Bürgeranleihe 1.492 mal angefordert. 142 Haushalte zeichneten die Bürgeranleihe. Die Zeichnungssumme beträgt 833.000 €.