Stromnetze der Zukunft

Empfehlungen von Supraleiter-Studie

23. September 2009

Experten aus Supraleiter-Entwicklung und -Industrie stellten im Bundesministerium für Wirtschaft, Berlin, die Studie ‚Konzept für eine effiziente Energieversorgung von Ballungsräumen‘ vor. Die geladenen Gäste aus Politik, Experten der Industrie sowie Vertreter der Energiewirtschaft erhielten einen Einblick in die Potenziale der jungen Technik.

Bei der Debatte über Energieeffizienz sind Stromerzeugung und -verbrauch in aller Munde. Weniger öffentliche Beachtung findet jedoch die Stromübertragung. Dabei zwingen zum Beispiel der internationale Stromaustausch, Offshore-Windparks oder der wachsende Energiebedarf in unseren Großstädten zum Umdenken. Lösungen, die Engpässe reduzieren und Verluste minimieren, stoßen daher bei Netzbetreibern auf großes Interesse – zum Beispiel die Supraleitung. Eines der wichtigen Themen ist der verlustarme Transport großer Energiemengen: Supraleiterkabel können bei gleichem Querschnitt rund fünfmal mehr elektrische Energie übertragen als Kupferkabel. Das spielt insbesondere in Großstädten eine Rolle, in denen der Platz unter der Straße knapp und ein Straßenaufriss sehr aufwändig ist.

Auch neue Betriebsmittel wie der supraleitende Strombegrenzer spielen eine Rolle in den Netzen der Zukunft, denn um eine niedrige Netzimpedanz zu erreichen – Voraussetzung für Netzqualität und -stabilität – sind insbesondere in Verbindung mit der zunehmenden Einspeisung von erneuerbaren Energiequellen immer höhere Kurzschlussströme die Folge. Supraleitende Strombegrenzer sind geeignet, diese hohen Ströme sicher zu beherrschen. Darüber hinaus sind sie im Normalbetrieb nahezu ohne Widerstand.

„Am Beispiel des Verteilnetzes einer Großstadt zeigt die Studie unter anderem, wie sich die Versorgungsstruktur in naher Zukunft ändern wird, etwa durch die dezentrale Stromeinspeisung oder die Elektrifizierung des Individualverkehrs“, so Dr. Werner Prusseit, Präsident des Industrieverband Supraleitung e.V. „Die neuen technischen Herausforderungen mit den relativ alten Netzstrukturen zu bedienen, ist oft unmöglich. Mit der Hochtemperatur-Supraleitung steht heute – bereits gut 20 Jahre nach ihrer Entdeckung – eine Technologie bereit, die den Um- und Ausbau der Netze nach zukunftsorientierten Maßstäben ermöglicht.“

Die Autoren der Studie sind sich bewusst, dass die Verlustreduktion durch supraleitende Betriebsmittel deren Mehrkosten noch nicht aufwiegen kann. Aber „Supraleitersysteme erlauben oft Netzstrukturen, die an anderen Stellen neue Sparpotenziale eröffnen“, so Prusseit. „Auf die Frage, wo der Einsatz der neuen Technik heute bereits wirtschaftlich ist, liefert die Studie Antworten.“