Stromübertragung der Zukunft

Siemens und Black&Veatch initiieren TransAmerica Grid Project

Mit einem zukunftsweisenden Projekt stellen Siemens und Black & Veatch eine Idee vor, die die Herausforderungen des Energiemarktes von morgen annimmt. Das TransAmerica Grid Project soll die Ballungszentren im Osten und Westen der USA miteinander verbinden und dadurch den Energieerzeugern und -händlern die Möglichkeit bieten, flexibel die Chancen im Stromhandel der deregulierten Energiemärkte zu nutzen.

04. Dezember 2001

Die Energieversorgung in den USA ist - resultierend aus der Vergangenheit - derzeit noch in regionale, jedoch große Netze aufgeteilt, die unabhängig voneinander die Stromversorgung sicherstellen. Die beiden größten dieser Netze sind das Eastern und das Western Grid mit jeweils mehr als 300 GW Generatorleistung.

Um den kontinuierlich wachsenden Bedarf an elektrischer Energie zu decken und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, müssen jährlich rund 25.000 MW zusätzlich durch die Erneuerung bestehender Kraftwerke oder durch Neuinstallationen bereitgestellt werden. Hierzu wird - immer noch - mit regional verfügbaren Ressourcen geplant, die sich an den Spitzenwerten der Nachfrage orientieren müssen, selbst wenn diese nur kurzzeitig auftreten.

Waren die Energieversorger im herkömmlichen Energiemarkt noch monopolistische Alleinversorger ihrer Regionen, so erfordert die Deregulierung heute ein Umdenken zum überregionalen Energieaustausch. Strom wird damit zur Handelsware, die jederzeit an jeden beliebigen Ort innerhalb eines nationalen oder globalen Netzes in genau der benötigten Menge bereitzustellen ist - zu einem marktgerechten Preis und in der Qualität, die von den Kunden gewünscht wird. Die Qualität ist gekennzeichnet durch konstante Frequenz, hohe Verfügbarkeit und nahezu oberwellenfreien Strom. Hochspannungs-Übertragungsstrecken bekommen eine völlig neue Bedeutung. Sie arbeiten quasi als Handelsstraßen für den Kauf/Verkauf der Ware Strom.

Bestehende Verbundleitungen zwischen regionalen Netzen, die in der Vergangenheit dazu dienten, im Notfall - zum Beispiel beim Ausfall von Kraftwerken - die Stromversorgung aus benachbarten Netzen zu ermöglichen, sind diesen neuen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Der steigende Energiebedarf, überalterte Netze und der zunehmende Austausch im überregionalen Verbund erhöhen die Engpässe in der Stromübertragung und erfordern ein leistungsstarkes sowie zuverlässiges Übertragungsnetz für die USA, das TransAmerica Grid.

Siemens als einer der führenden Anbieter von Technologien zur Energieerzeugung und -übertragung und Black & Veatch als bedeutendes amerikanisches Unternehmen auf den Gebieten Energie, Wasser und Informationstechnologie haben gemeinsam eine Projektidee entwickelt, die sich den Herausforderungen des neuen amerikanischen Energiemarktes stellt. Das TransAmerica Grid Project (TAG) stellt eine zukunftsorientierte, amerikaweite Lösung vor, die eine optimierte, bedarfsgerechte Energieübertragung mit der wirtschaftlichen und ressourcenorientierten Stromerzeugung verbindet.

Die Idee ist genauso einfach wie effektiv. Die großen Netze im Osten und Westen der USA sollen durch neue 500-kV-HGÜ-Verbindungen gekoppelt werden. Der Ausbau des 500-kV- Netzes durch leistungsstarke Gleichstrom- und Drehstromübertragungsstrecken soll es ermöglichen, die durch den steigenden Energiebedarf erforderlichen zusätzlichen Kapazitäten mit Hilfe von Kohlekraftwerken in der Nähe der Kohlevorkommen im Power River Basin in Wyoming zu decken. Der dort wirtschaftlich erzeugte Strom kann dann über das neue Netz bedarfsgerecht in die Ballungszentren nach Los Angeles und Chicago transportiert werden.

Das vorgeschlagene TransAmerica Grid erstreckt sich von Los Angeles bis Chicago über drei Zeitzonen hinweg. Dadurch entsteht ein weiterer Vorteil: Stromspitzen, die in den verschiedenen Regionen saisonal und auch tageszeitlich versetzt auftreten, können durch die überregionale Kopplung ausgeglichen und die Kapazitäten der einzelnen Netze so optimal ausgelastet werden. Das Vorhalten von Reservekapazitäten für Spitzenlasten wäre so zu minimieren.

Das TransAmerica Grid bezieht bestehende Hochspannungssysteme und deren Optimierung in das Zukunftskonzept mit ein. Es lässt ebenso Möglichkeiten offen, künftig verstärkt regenerative Energiequellen zu nutzen, indem zum Beispiel Windparks entlang der Versorgungsleitungen ihre Leistung in das Netz einspeisen. Auch die Anbindung weiterer Gebiete wie etwa Texas im Süden der USA soll über zusätzliche HGÜ-Leitungen möglich sein.

Der Nutzen eines solchen Projektes liegt auf der Hand. Den amerikanischen Energieerzeugern bietet das TransAmerica Grid die Möglichkeit, ihre Marktreichweite zu vergrößern und Ressourcen optimiert einzusetzen. Die Verbraucher profitieren von einer zuverlässigen und kostengünstigen Energielieferung, die auch Umweltaspekte berücksichtigt und Versorgungssicherheit in der Gegenwart ebenso wie für die Zukunft gewährleistet.

Ziel der TAG-Prokjektentwickler ist es, sich mit Erzeugern, Betreibern und Investoren in den USA zusammenzuschließen, um das Projekt zu realisieren. Derzeit werden dazu Gespräche mit den verantwortlichen Stellen und möglichen Partnern geführt.

Siemens und Black &Veatch stellen mit dem TransAmerica Grid eine kreative und zukunftsorientierte Lösung für die Herausforderungen des amerikanischen Energiemarktes vor. Überlegungen und Projekte dieser Art werden - im Sinne einer ressourcenschonenden, sicheren, wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Energieversorgung - künftig weltweit an Bedeutung gewinnen. Siemens hat die Kompetenz, solche Projekte zu entwickeln und sie von der Netzplanung und -berechnung über die Projektierung und Bereitstellung innovativer Technologie bis zur Finanzierung und Abwicklung zu begleiten und zu realisieren.

Erschienen in Ausgabe: 11/2001