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Studie: Braunkohlestrom kann durch Gaskraftwerke ersetzt werden

Die Proteste gegen die geplante Braunkohleförderung im Hambacher Forst forcieren den Druck auf die Politik, den Kohleausstieg eher früher als später anzugehen. Der Branchenverband DVGW hat untersuchen lassen, ob Gaskraftwerke die Stromerzeugung aus Braunkohle ersetzen können.

17. September 2018

Die in Deutschland installierten Gaskraftwerkskapazitäten können die Stromerzeugung aus Braunkohlekraftwerken ersetzen, so der Verband in einer Mitteilung.

 

Dadurch können jährlich ca. 70 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, heißt es. Die Netzsicherheit kann laut Studie mit Redispatch-Maßnahmen gewährleistet werden, wenn weiterhin eine Netzreserve vorgehalten wird.

 

Fuel Switch 2020

 

Das sind die zentralen Ergebnisse einer vom DVGW beauftragten Studie der RWTH Aachen zur Bewertung der Netzsicherheit bei einem Fuel Switch von Braunkohle zu Erdgas in Deutschland in 2020.

 

„Mit der Substitution von Braunkohle durch Erdgas kommt Deutschland seinen Klimaschutzzielen mit vergleichsweise geringen volkswirtschaftlichen Kosten von 3,5 Milliarden Euro pro Jahr deutlich näher“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), Prof. Dr. Gerald Linke.

 

Braunkohle-Anteil am Primärenergieverbrauch

 

Braunkohle hatte zwischen Januar und Juni 2018 einen Anteil von 10,9% am Primärenergieverbrauch in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Anteil um 3,1%. Das ergab eine Auswertung der AG Energiebilanzen. Erdgas hatte einen Anteil von 25,5% (+2,6% im Vgl. zu 2017).

 

Der DVGW beruft sich auf eine Studie, die am Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der RWTH Aachen von Prof. Dr. Albert Moser durchgeführt wurde.

 

Moser sollte wissenschaftlich untersuchen, ob die bestehenden Gaskraftwerke die Stromerzeugung aus Braunkohlekraftwerken ersetzen können, ohne die Netzsicherheit zu gefährden und wie sich dies auf die Kohlenstofflast des Stroms in Deutschland auswirken würde.

 

Auf Basis stundenscharfer Verbrauchsdaten und unter Anwendung der bestehenden Marktregeln wurde der Kraftwerkseinsatz im europäischen Strommarkt simuliert und die Auswirkungen auf die Netzsicherheit im Jahr 2020 ermittelt, heißt es.

 

Die Annahmen über zukünftige Entwicklungen basierten auf der realen Last- und EE-Einspeisesituation des durchschnittlichen Wetterjahres 2012.

 

„Dabei stellte sich – ähnlich der heutigen Situation – eine eher geringe Auslastung der Gaskraftwerke und eine vorrangige Beschäftigung der leicht kostengünstigeren aber auch klimaschädlichen Braunkohle ein“, so der DVGW.

 

In weiteren Analysen wurde der Braunkohleeinsatz ausgeschlossen. Es zeigte sich, dass die Gaskraftwerke bei einem unterstellten nationalen Fuel Switch in der Lage waren, die dabei generierte Erzeugungslücke vollständig zu schließen – und zwar ohne Zubau neuer Gaskraftwerkseinheiten, allein durch die höhere Auslastung der sehr homogen im Bundesgebiet verteilten Anlagen.

 

Netzreserve vorhalten

 

Dabei bleibt eine Netzreserve vorzuhalten, die insbesondere auch die heute hierfür genutzten Gaskraftwerke ersetzen muss.

 

Eine noch detaillierter zu prüfende Option könnte die Überführung von Braunkohlekraftwerken in die Netzreserve sein, die dann mit einer Stromerzeugung von etwa 3,6 TWh/a abgerufen würden.

 

Im Vergleich dazu liefert die Braunkohle heute noch ca. 130 TWh/a.

 

Den Angaben zufolge ergaben sich die jährlichen volkswirtschaftlichen Mehrkosten beim favorisierten Erdgaseinsatz zur Stromerzeugung von 3,5 Milliarden Euro aus den höheren Brennstoffkosten, schlossen auch den Redispatchbedarf, aber nicht die Vorhaltung einer Netzreserve mit ein.

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