Studie: Netzausbau schafft Platz für Ökostrom

Wenn die aktuellen Planungen zum Ausbau der Stromnetze umgesetzt werden, ließen sich die Kosten für die Stromversorgung deutlich reduzieren. Das ergab eine Studie der RWTH Aachen. Vor allem die Kosten für Redispatch und das Drosseln von PV- und Windenergieanlagen können so gesenkt werden.

16. Oktober 2017

Die zusätzlichen Transportkapazitäten in einem auf die Energiewende ausgelegten Stromleitungssystem würden sogar einen deutlich schnelleren Ausbau der Erneuerbaren zulassen, wie es heißt.

 

Mit der für 2025 angestrebten Inbetriebnahme der Hochspannungs-Gleichstroms-Übertragungsleitungen (HGÜ) SuedLink und SuedOstLink wird ein wichtiger Meilenstein erreicht.

 

Welche Auswirkungen die Realisierung der Netzausbaupläne der Bundesregierung und insbesondere diese neuen Leitungen im System haben werden und wie sich die durch Engpässe im Stromsystem hervorgerufenen Abschaltungen zuvor entwickeln, hat aktuell eine Analyse der RWTH Aachen untersucht.

 

Weniger Eingriffe ins Stromsystem 

 

„Wichtigste Erkenntnisse: Auch im Jahr 2024, also noch vor der Inbetriebnahme der großen HGÜ-Leitungen, ist die Menge an abgeregeltem beziehungsweise zum Ausgleich erforderlichem Strom auch mit weiterem Erneuerbaren-Ausbau überschaubar“, so die Agentur für erneuerbare Energien (AEE) in einer Mitteilung.

 

Die errechnete von den Netzbetreibern zur Systemstabilität gemanagte Strommenge von 16 Terawattstunden (TWh) liegt etwa auf dem aktuellen Niveau.

 

Nach Inbetriebnahme der HGÜ-Leitungen im Jahr 2025 wären Eingriffe für die Stromnetzsicherheit kaum noch nötig, insgesamt würde nur noch eine jährliche Strommenge von 2,1 TWh abgeregelt oder zusätzlich abgefragt werden, heißt es.

 

“Auch wenn die Netzbetreiber in den kommenden Jahren weiter einige Herausforderungen für den stabilen Stromnetzbetrieb meistern müssen, scheint die für die Netzstabilität zu steuernde Strommenge entgegen früherer Prognosen auch vor Inbetriebnahme der großen HGÜ-Leitungen im Jahr 2025 im Rahmen zu bleiben“, so AEE-Chef Philipp Vohrer.

 

„Panikmache, auch hinsichtlich der resultierenden Kosten, ist demnach nicht angesagt”, sagt Vohrer.

 

Auch verstärkter Erneuerbaren-Ausbau möglich

 

Neben dem Referenzszenario hat die RWTH Aachen auch Alternativmodelle mit einem verstärkten Zubau Erneuerbarer Energien für das Jahr 2025 untersucht.

 

Dabei wurde sowohl ein Modell mit einem verstärkten dezentralen Ausbau Erneuerbarer Energien (+ 4 Gigawatt (GW) Onshore-Wind und + 13.3 GW Photovoltaik) vor allem in der Mitte und im Süden Deutschlands als auch eine Variante mit einer um 5 GW Offshore-Wind erhöhten Kapazität berechnet.

 

Beide Modelle sorgen für eine um ungefähr 20 TWh höhere jährliche Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien, was etwas mehr als drei Prozent der gesamten Stromerzeugung wären.

 

Der zusätzliche dezentrale Aufbau von Erneuerbaren-Kapazitäten hat dabei kaum Einfluss auf die Redispatchmenge, das Volumen steigt in dem Fall nur leicht auf 2,6 TWh pro Jahr, heißt es.

 

Würden hingegen allein die Offshore-Kapazitäten ausgebaut, so stiege die Redispatchmenge aufgrund der regionalen Konzentration der Parks deutlich auf 5,7 TWh pro Jahr.

 

Netzengpässe

 

Netzengpässe wären in diesem Szenario vor allem im Nordwesten der Republik zu erwarten, von Abschaltungen wären überwiegend Nordsee-Windparks betroffen.

 

Gemäß RWTH-Berechnungen führt schon eine ergänzende HGÜ-Leitung von Cloppenburg Ost nach Uentrop, die bereits im ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans 2030 enthalten ist, zu einer Reduzierung der Redispatchmenge auf 2,7 TWh pro Jahr.

 

Die Studie der RWTH Aachen wurde im Auftrag von Dong Energy durchgeführt. Die Ergebnisfolien sind hier einsehbar.