Studie spricht sich für Spitzenkappung aus

Die Kappung von Einspeisespitzen bei Wind- und PV-Anlagen führt zu weniger Netzausbau und wirkt sich dämpfend auf die Netzentgelte aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von E-Bridge Consulting im Auftrag des EnviaM-Netzbetreibers Mitnetz Strom.

24. Februar 2016

Die Spitzenkappung rechnet sich vor allem in Netzgebieten, in denen sich Wind- und Solarenergie gemäßigt entwickeln, so ein Ergebnis der Mitnetz-Strom-Studie.  In Netzgebieten, in denen diese sehr schnell wachsen, wirkt sie sich dagegen kaum aus. Hier ist ein Netzausbau zwingend notwendig, so die Studie weiter.

Hintergrund ist der Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung des Strommarktes. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht darin vor, dass Netzbetreiber Einspeisespitzen von Wind- und Photovoltaik-Anlagen um bis zu 3 % der Jahresenergie kappen können sowie diese Kosten bei der Netzplanung anrechnen dürfen. Bislang waren Netzbetreiber gezwungen, Stromnetze so zu errichten, dass sie für die maximale Einspeiseleistung von Wind- und PV-Anlagen ausgelegt sind. Das Gesetz wird voraussichtlich noch in diesem Jahr in Kraft treten.

Die Studie untersuchte die Anwendung der Spitzenkappung im Netzgebiet der Mitnetz Strom am Beispiel eines Mittelspannungsnetzes mit einem gemäßigten Ausbau und einem Hochspannungsnetz mit einem sehr schnellen Ausbau der Wind- und Solarenergie. Im Mittelspannungsnetz sanken die Kosten für den Netzausbau durch die Spitzenkappung von Windenergie- und Photovoltaikanlagen um bis zu 63 %. Zieht man die Kosten für die Entschädigung der Anlagenbetreiber für die abgeregelte Energie und andere Aufwendungen ab, beliefen sich die Einsparungen auf rund 18 %.

Im Hochspannungsnetz hingegen waren laut Studie keine Kostenersparnisse durch Spitzenkappung möglich. Grund sei der bestehende Nachholbedarf beim Netzausbau. Darüber hinaus machte sich die sehr große Einspeiseleistung der Erneuerbaren mit weiter steigender Tendenz bei gleichbleibender geringfügiger Last bemerkbar, erklärte Mitnetz Strom.

Daher sollte »die Spitzenkappung vom Gesetzgeber umgesetzt werden«, fordert der Dr. Adolf Schweer, technischer Geschäftsführer des Netzbetreibers. So lasse sich der Netzausbau begrenzen. Einsparungen seien sowohl in Hochspannungs- als auch in Mittelspannungsnetzen möglich. Beim sehr schnellen Ausbau der Erneuerbaren führe jedoch kein Weg am Netzausbau vorbei. »Wünschenswert wäre allerdings, die bislang im Gesetzesentwurf vorgesehenen umfangreichen Dokumentations- und Veröffentlichungspflichten der Netzbetreiber auf ein Mindestmaß zu begrenzen«, sagt Schweer. Der bürokratische Aufwand der Spitzenkappung sollte so gering wie möglich sein.