Studie zu Gefahren durch Kraftwerks-Emissionen

Die Universität Stuttgart hat im Auftrag von Greenpeace eine Studie zu Kohlekraftwerken veröffentlicht. Demnach verursachen Emissionen jährlich etwa 3.100 vorzeitige Todesfälle. Laut dem VGB Power Tech blendet die Studie wesentliche Erkenntnisse aus.

04. April 2013

Die beiden größten Braunkohlekraftwerke Jänschwalde in Brandenburg und Niederaußem in Nordrhein-Westfalen waren der Studie zufolge im Jahr 2010 für 373 und 269 Todesfälle verantwortlich. Unter den zehn schädlichsten Anlagen seien neun Braunkohlekraftwerke. Untersucht wurden zudem 15 neue Anlagen, die seit 2012 ans Netz gingen oder zukünftig gehen sollen. Diese würden nach Aussagen von Greenpeace mindestens 1.000 weitere Todesfälle verursachen. Hinzu kommen laut Greenpeace der Ausfall von etwa 700.000 Arbeitstagen durch Atemwegserkrankungen, Herzinfarkte, Lungenkrebs oder Asthmaanfälle. Die Umweltschutzorganisation fordert einen vollständigen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2040. Die besonders schädliche Braunkohle müsse bis spätestens 2030 auslaufen. »Um Todes- und Krankheitsfälle zu vermeiden, muss die Politik endlich den Ausstieg aus der Kohle beschließen«, so Gerald Neubauer, Energie-Experte von Greenpeace. Für die Übergangszeit fordert Greenpeace, alle Kohlekraftwerke mit der besten verfügbaren Filtertechnik auszurüsten, um Schadstoffemissionen zu verringern.

Laut dem europäischen technischen Fachverband der Strom- und Wärmeerzeugung VGB Power Tech blendet die Studie wichtige Fakten und weitere wesentliche Erkenntnisse zum Thema Feinstaub aus. Der Anteil von Feinstaub aus allen europäischen Kohlekraftwerken betrage nur wenige Prozent der vom Menschen hervorgerufenen Feinstaubemissionen (Staub < 4 % und Feinstaub < 6 %, Quelle: UBA, fortlaufend). Das zeigen die Werte für die EU-27. Wer so agiert, dem geht es nicht um eine seriöse Debatte, sondern vielmehr darum, den Energieträger Kohle zu diskreditieren, betont der Verband. Die europäischen Kraftwerksbetreiber haben durch aufwändige Modernisierungsmaßnahmen bei bestehenden Anlagen sowie entsprechend ausgelegten Neubaukraftwerken beachtliche Erfolge bei der Reduzierung von Emissionen erzielt, so der Verband weiter. So wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten beispielsweise die Gesamtemissionen von Schwefeldioxid (SO2) EU-weit um mehr als 80 % und die von Stickoxiden (NOx) sowie Feinstaub um rund 50 % verringert (European Environment Agency, Oktober 2012).

Für gesundheitliche Risiken seien nicht die Emissionen, sondern die vom Menschen eingeatmete Schadstoffmenge und ihr Gefahrenpotenzial entscheidend. Dabei spielen die unmittelbare Nähe zur Quelle sowie die Art der Feinstaubpartikel eine wesentliche Rolle. Nach Expertenansicht sind daher vor allem Abgase aus dem Verkehr und Wohnraumheizungen sowie anderen Industrieprozessen zu berücksichtigen.

Der Greenpeace-Bericht und die Studie der Universität Stuttgart können hier abgerufen werden (externer Link).