System für Grenzgänger

Management

Verbrauchsspitzen - Mit gezieltem Spitzenlastmanagement reduziert ein Aluminiumhersteller sein Kostenrisiko. Eine Software überwacht den Stromverbrauch in Produktion und Gebäudetechnik und greift bei Bedarf ein.

02. August 2016

Das Spitzenlastmanagement (SLM) dient der Reduzierung der Energiekosten und basiert auf der maximalen jährlichen Viertelstunden-Lastspitze. Aufgabe des SLM ist die Prognose für das laufende 15-Minuten-Intervall anhand der Verbräuche und die Abschaltung einzelner Verbraucher anhand konfigurierter Regeln; Ziel ist die Reduzierung der Jahresspitzenlast beziehungsweise der Überschreitung der festgelegten Spitzenlast.

Up to date jetzt und in Zukunft

Seit 2002 gehört das Werk Grevenbroich zur norwegischen Hydro-Gruppe und ist das Herzstück der Walzsparte. Es ist einer der weltweit führenden Betriebe für hochwertige Band- und Folienprodukte aus Aluminium und deren Veredelung. Um keine unnötigen Energiekosten zu verursachen, hat Hydro eine integrierte Lösung für Spitzenlastmanagement und Gebäudeleittechnik (GLT) installieren lassen.

Speziell für die GLT sollte ein offenes System implementiert werden. Zudem war eine Integration der heterogenen Landschaft prozessnaher Komponenten gefordert. Mit einem einfachen Schnittstellenkonzept sollten künftige Erweiterungen möglich sein. Nach Beratungen mit Hydro Aluminium entschied sich der Systemintegrator EMP für eine Lösung auf Basis von Wonderware Software. EMP entwickelte eine Templatebibliothek, die neben den GLT-Einrichtungen und Energieverbrauchern auch die Regeln für das Spitzenlastmanagement abbilden. Durch Instanziierung und Konfiguration wurde dann ein Modell der Anlage erstellt, welches den gestellten Anforderungen entsprach. Das System verbindet das SLM mit den elektrischen Zählern des EVU via RS 232 oder TCP/IP und stellt aktuelle Verbrauchsdaten bereit. Zudem ermittelt es die momentane Last des Standortes. Zusammen mit den historischen Lastwerten wird der 15-Minuten-Lastmittelwert für die aktuelle Viertelstunde prognostiziert. Die Prognose erfolgt über zwei Algorithmen. Der schlechtere Prognosewert löst notwendige Aktionen aus.

Verbrauchermanagement

Wird eine Überschreitung des Sollwerts ›maximale Last‹ erkannt, ermittelt das Verbrauchermanagement die erforderlichen Aktionen wie das Abschalten von Verbrauchern oder das Zuschalten von Generatoren. Verbraucher und Regeln sind in Archestra-Templates abgebildet.

Auf einem Panel an der jeweiligen Walze kann der Maschinenbediener eine Einschalterlaubnis anfordern. Dabei prüft das System, ob das Zuschalten zu einer Spitzenlastverletzung führt oder nicht. Im Fall einer Verletzung wird auf dem Panel die Zeit bis zum Einschalten ohne Spitzenlastverletzung heruntergezählt. Ergänzend zu den SLM-Funktionen ist mit dem System ein übergeordnetes GLT-System realisiert. Alle Einrichtungen der Gebäudeleittechnik können als Verbraucher des SLM konfiguriert werden.

Erschienen in Ausgabe: 06/2016