Tanken in der E-Auto-Ära

Der VDE hat die Rentabilität von Bezahlsystemen an E-Ladetankstellen untersuchen lassen. Ein Ergebnis der Studie: Viel zu verdienen gibt es mit den Bezahlsystemen offenbar nicht. Noch nicht. Zwölf Stadtwerke planen indes ein Netzwerk, um das Abrechnen von Tankvorgängen für E-Autofahrer zu erleichtern.

15. September 2017

Die E-Mobility drohte zeitweise an den Umständen zu scheitern: Käufer schrecken mangels Ladeinfrastruktur und Reichweite vom Kauf zurück, potenzielle Betreiber von Ladetankstellen schrecken angesichts zu geringer Einnahmen vor dem Bau derselben zurück – ein klassisches Henne-Ei-Problem.

 

Wie Betreiber mit Anreizen gelockt werden können, hat der VDE jetzt in der Studie Ad-hoc-Laden und spontanes Bezahlen: Wie sich punktuelles Aufladen umsetzen lässt untersucht.

 

Tanken ist nicht gleich Tanken

  

„Während das Betanken eines Autos mit Verbrennungsmotor an einer Zapfsäule selten mehr als eine Minute dauert und der Bezahlbetrag meist über 20 Euro liegt, sind die Verhältnisse an einer Ladesäule für Elektroautos deutlich ungünstiger“, so der VDE in einer Mitteilung.

 

Das Aufladen an einem 11kW Ladepunkt würde beispielsweise, je nach Ladezustand der Batterie, ein bis zwei Stunden dauern.

 

Und für den Betreiber kämen fünf bis maximal zehn Euro an Betrag raus, heißt es.

 

Marge noch gering

 

„Die zu erwartenden Margen sind schlichtweg zu gering. Unter den Voraussetzungen ist keiner bereit, eine Ladeinfrastruktur aufzubauen und zu betreiben“, so Studienautor Wolfgang Klebsch.

 

Er untersuchte deshalb im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, wie sich die Kosten für die angebotenen Bezahlsysteme in Grenzen halten lassen.

 

Online-Bezahlsysteme unrentabel

 

Die Studie zeigt anhand einer Bewertungsmatrix geeignete Bezahlsysteme für das Ad-hoc-Laden.

 

Sie fokussiert dabei auf Geschäftsmodelle für die klassische Ladeinfrastruktur (LIS)-Betreiber (Stromversorger, Stadtwerke, Roaming-Provider), für LIS-Quereinsteiger (Autobahnraststätten, Tankstellen, Parkhäuser) und für Händler und Dienstleister von Mehrwertdiensten (Supermärkte, Baumärkte, Hotels, Restaurants).

 

Betreiberkosten

 

„Ein überraschendes Ergebnis der Studie ist, dass die auf der Betreiberseite anfallenden Kosten sehr breit gestreut sind“, so der VDE in einer Mitteilung.

 

Klebsch rät davon ab, pauschal auf gängige Online-Bezahlsysteme zu setzen.

 

Denn angesichts der an Ladesäulen anfallenden geringen Bezahlbeträge und Margen erweisen sich gerade die einschlägigen Online-Bezahlsysteme via Smartphone oder Kreditkarten als besonders teuer.

 

Prepaid

 

Demgegenüber stellt sich die konservative Prepaid-Bezahlfunktion Girogo auf EC-Karten für diese Anwendung als eine für die Betreiber kostenmäßig sehr günstige Lösung dar, da hier Gebühren von nur 1 bis 4 Cent pro Transaktion anfallen.

 

„Bei dieser Lösung muss der Nutzer allerdings „mitspielen“. Von ihm wird erwartet, dass er seine Geldkarte regelmäßig mit Bargeld auflädt“, sagt Klebsch.

 

Für den Autofahrer bedeutet das, die Bequemlichkeit ein Stück weit aufzugeben. Dafür wird das Tanken billiger.

 

Roaming-Netzwerk fürs Tanken

 

Rheinenergie hat gemeinsam mit elf weiteren Stadtwerken das Netzwerk Tank-E gegründet. Gemeinsam wolle man „den Abrechnungs-Wirrwar bei der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge“ beenden, heißt es.