Taxis

Berliner und Hannoveraner Versorger setzen sich für Erdgas-Taxis ein

Trotz steigender Benzinpreise nimmt der Straßenverkehr deutlich zu. Der hohe Schadstoffausstoß gefährdet die Umwelt und führt zu erheblichen Gesundheitsbelastungen. Eine Lösung: Gasfahrzeuge. Sie sind leiser als Dieselfahrzeuge und nicht nur ökologisch sinnvoll sondern auch ein rentabler Ersatz für Diesel-Pkw und Benziner.

12. Juli 2001

Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) sorgt der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft e.V. (BGW) für eine stärkere Präsenz von Erdgasfahrzeugen in Deutschland. Die Fahrzeughersteller BMW, Fiat, Ford sowie Volvo und Volkswagen stellen sich als Partner für diese Aktion zur Verfügung.

Im Mittelpunkt des Engagement steht die Umweltentlastung, vor allem in Großstädten und Ballungsräumen. Erdgas als Umweltvorteil ist Inhalt der Umweltpolitik und soll nachhaltig gefördert werden. Voraussetzung für den Markterfolg der Erdgasfahrzeuge ist deren Wirtschaftlichkeit.

In zwei Großstädten - Berlin und Hannover - starteten im vergangenen Jahr die örtlichen Energieversorgungsunternehmen Projekte, die sich als größtes Ziel die Umweltentlastung in Großstädten aber auch die Förderung von Erdgasfahrzeugen bei Taxiunternehmen setzten.

Erdgas-Taxis halten die Berliner Luft rein

Das Bundesumweltministerium, der Berliner Senat und die Berliner Gaswirtschaft, Gasag, starteten im Oktober vergangenen Jahres das gemeinsame Förderprojekt „Tausend Umwelt-Taxis für Berlin“. Die Gasag spielt bei diesem Projekt eine tragende Rolle, denn das Versorgungsunternehmen ist wichtiger Ansprechpartner für Taxiunternehmen und Kunden. Erdgas ist ein neuartiges Thema, und dementsprechend skeptisch wird damit umgegangen. Es stellen sich Fragen, wie „Kann ich dann noch im Taxi rauchen?“ oder „Was passiert bei einem Unfall?“ Die Gasag will Taxiunternehmen und Kunden mit wichtigen Informationen versorgen, damit Erdgas kein Thema am Rande ist. Die Kooperation mit dem Taxiverband und der Innung des Taxivereins kam zustande. Streetworker agierten aktiv an großen Taxiständen, beispielsweise an Bahnhöfe und Flughäfen.

Regelmäßige Sprechstunden für Interessierte sowie Veranstaltungen standen im Angebot.

Das Umweltministerium (BMU) und die Gasag arbeiteten Förderprogramme aus. Unter der Fördervoraussetzung, dass an den Taxen für zwei Jahre Werbemittel angebracht werden, die auf Erdgasantrieb hinweisen, bezuschusst das Ministerium die ersten 400 Taxis mit 6.000 DM, die nächsten 300 Fahrzeuge mit 5.000 DM und weitere 300 Autos mit jeweils 4.000 DM. Die Gaswirtschaft fördert die Taxis mit Kraftstoffgutscheinen. Die ersten 400 Erdgasfahrzeuge bekommen Gutscheine im Wert von 3.000 DM, weitere 300 Taxis 2.000-DM-Gutscheine und die nächsten 300 Kraftfahrzeuge erhalten 1.000 DM. Mit dem Berliner Modellprojekt sollen innerhalb von zwei Jahren 1.000 Taxis mit Erdgasantrieb gefördert und eingesetzt werden.

„Die Gesamtkosten einschließlich Marketing, Investitionen in Tankstellen, Infrastruktur und Förderung der Taxiunternehmen haben ein Volumen von 25 Mio. DM. Davon trägt die Hälfte die Gasag gemeinsam mit Ruhrgas und der VNG-Verbundnetz Gas“, so Dr. Rudolf Schulten, Vorstandsmitglied der Berliner Gasag. In Berlin gibt es bereits zwei Tankstellen, die Erdgas anbieten - zehn weitere sollen bis Ende 2001 in Betrieb gehen. Die Gaslieferung erfolgt durch die Gaswirtschaft, ebenso Überwachung, Wartung und Instandhaltung der Anlage. Weiterhin beabsichtigt die Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft, den Abgabepreis für Erdgas als Kraftstoff bis zum Ende des Jahres 2004 an den betreffenden Tankstellen durchschnittlich mindestens 30 % unter dem durchschnittlichen Abgabepreis für Diesel zu halten.

Volvo, Opel und Fiat sind in der Hauptstadt derzeit die einzigen Fahrzeugtypen, die mit Erdgasantrieb in den Taxiunternehmen fahren. Hoffnung auf eine Projektteilnahme liegt bei Ford und Volkswagen. Mit Mercedes besteht bisher keine Zusammenarbeit, obwohl Umrüstlösungen verfügbar sind.

Volvo ist Vorreiter in der Messe-Stadt Hannover

Auch die Großstadt Hannover denkt um und setzt verstärkt auf Erdgas-Taxis. Die Stadtwerke Hannover AG bieten Taxiunternehmen ein umfangreiches Dienstleistungsangebot rund um den Antrieb durch Erdgas. Auch hier lautete die Divise, Informationen an Taxiunternehmen zu bringen. „Wie ist die Reichweite eines Erdgas-Fahrzeuges?“, „Wo sind die Tanks untergebracht - besteht vielleicht Verlust im Kofferraum?“, dafür wurden aufklärende Vorträge bei Taxenversammlungen gehalten und Informationsveranstaltungen gestartet.

Das Umweltministerium stellt für die Anschaffung oder Umrüstung von Fahrzeugen Fördermittel bereit. Weiterhin werden im Rahmen des proKlima-Programmes 1.000 DM für Neufahrzeuge mit Aufkleberwerbung gezahlt. Bereits durch das BMU geförderte Taxiunternehmen können diese Prämie allerdings nicht in Anspruch nehmen.

Im Vergleich zur Bundeshauptstadt betreibt Hannover bis jetzt drei Erdgas-Tankstellen, zwei sind in Bau und zwei weitere in Planung. Die Stadtwerke Hannover hoffen, dass die Tankstellen die Nachfrage von knapp 1.300 Erdgas-Fahrzeugen in naher Zukunft bedienen können. Darüber hinaus laufen Projektierungsgespräche über weitere Tankstellen. Die Stadtwerke Hannover konnten für ihr Projekt Volvo-Autohäuser als Partner gewinnen. Volvo übernimmt damit auch das Promoting.

Erdgasfahrzeuge bieten einige Vorteile gegenüber Dieselfahrzeugen: Nicht nur die jährlichen Kfz-Steuern fallen beim Erdgasauto geringer aus - Erdgas als Kraftstoff ist im Vergleich zu Diesel etwa um ein Drittel günstiger. Der äquivalente Vergleichspreis von Diesel zum derzeitigen Erdgaspreis beträgt etwa 1,06 DM/l.

Die Bundesregierung hat günstige Rahmenbedingungen für die Markteinführung von Erdgasfahrzeugen geschaffen. Die Mineralölsteuer-Begünstigung für Erdgas als Kraftstoff ist bis Ende 2009 festgeschrieben worden. Das gibt Planungssicherheit für Investitionen, die für den Ausbau des Gastankstellen-Netzes und die Fortentwicklung der bereits am Markt verfügbaren Fahrzeuge notwendig sind.

Das Ziel beider Projekte ist neben der Umweltentlastung im Bereich des Straßenverkehrs auch der Ausbau des Erdgastankstellen-Netzes in den beiden Großstädten sowie der Gewinn weiterer Zielgruppen, beispielsweise Flottenbetreiber oder Privatpersonen.

Erschienen in Ausgabe: 06/2001