Technik gegen Chinas Hunger

DMT liefert Kohleölanlage nach Shanghai

Chinas Energiehunger ist riesig. Die eigenen Ressourcen reichen bei weitem nicht. Neben Importen stehen deshalb neue Techniken im Fokus, wie die Kohleverflüssigung, die die DMT bereits in den 70er Jahren entwickelte. Derzeit wird das komplette Technikum demontiert. Mitte 2005 soll die Essener Anlage bereits in China arbeiten.

19. November 2004

Die Ölkrise in den 1970er Jahren hat manche Idee hervorgebracht, aus fossilen und regenerativen Energieträgern Brennstoffe herzustellen. Eine der alternativen Technologien, die in Deutschland bei der DMT (Deutsche Montan Technologie) vorangetrieben wurde, war die Verflüssigung von Steinkohle in Benzin und Diesel. Die Ingenieure des Essener Technologiedienstleisters konnten 1976 eine sogenannte Kohleöl-Anlage im Technikumsmaßstab fertigstellen und zu Testzwecken nutzen.

Die Erfahrungen und Ergebnisse sollten auf Großanlagen übertragbar sein. Im Laufe der Jahre stellte sich allerdings heraus, daß der großtechnische Betrieb in Deutschland nicht rentabel sein würde. „Anders in China, wo Kohleverflüssigungsanlagen aufgrund der niedrigen Kosten für Rohstoffe und Personal wirtschaftlich Sinn machen“, erklärt DMT-Projektleiter Dr. Manfred Kaiser. Nachdem die letzten Tests mit der DMT-Kohleöl-Anlage bereits für Projekte in China durchgeführt wurden, geht nun das komplette Technikum nach Shanghai: Derzeit wird es im Auftrag der Shenhua Gruppe demontiert und verpackt, Mitte nächsten Jahres soll die Essener Anlage dann ihren Dienst in der chinesischen Metropole wiederaufnehmen.

Technisch sei die Anlage einzigartig, wie Kaiser betont. Bei einem Kohledurchsatz von 0,2 t pro Tag lasse sich das Schwarze Gold zu fast 60 % direkt in Benzin und Diesel verwandeln. „Für die Shenhua eine wertvolle Forschungseinrichtung. Das Unternehmen ist in China auf dem Gebiet der Kohleverflüssigung führend und wird die Erfahrungen aus unserem Technikum in den Bau und Betrieb einer Großanlage überführen“, erklärt Kaiser.

Geplant sei ein Werk mit einem Kohledurchsatz von 6.000 t pro Tag. Nach einer Bauzeit von vier Jahren sollen dort, auf einer Fläche von einem Quadratkilometer in der Provinz & pos;Innere Mongolei& pos; im Norden der Volksrepublik, jährlich eine Mio. t Treibstoff produziert werden. Die Investitionen belaufen sich nach derzeitigen Schätzungen auf über eine Mrd. €.

„China gehört zu den fünf größten Erdölproduzenten der Welt und ist durch das starke wirtschaftliche Wachstum im Land dennoch zunehmend auf Ölimporte angewiesen. Um den steigenden Bedarf zu decken und nicht zu sehr von Zukäufen abhängig zu werden, sollen große Kohleverflüssigungsanlagen die Versorgungssicherheit stärken“, erklärt Dr. Michael Koppitz, Vorsitzender der DMT-Geschäftsführung. Sein Unternehmen sei stolz darauf, die entsprechende Technologie und das Know-how in und für China bereitzustellen, betont der Chef des Essener Unternehmens.

Erschienen in Ausgabe: 11/2004