Teil Drei für Windenergie an Land

Die Bundesnetzagentur hat die Zuschläge der dritten Ausschreibung für Windenergie an Land erteilt. Die Ausschreibung war deutlich überzeichnet und auch diesmal kamen fast nur Gebote von Bürgerenergiegesellschaften zum Zuge. Die Branche reagierte mit Kritik auf die Ergebnisse.

22. November 2017

Bei einem Ausschreibungsvolumen von 1.000 Megawatt wurden 210 Gebote mit einem Volumen von 2.591 Megawatt abgegeben. Die Bundesnetzagentur hat 61 Geboten mit einem Gebotsumfang von 1.000,4 Megawatt einen Zuschlag erteilt.

Der durchschnittliche mengengewichtete Gebotswert in dieser Runde lag mit 4,02 ct/kWh unter dem Zuschlagswert der letzten Runde von 4,29 ct/kWh, teilt die Regulierungsbehörde weiter mit.

„Auch diesmal sind die Zuschlagswerte wieder deutlich gesunken, gegenüber der Vorrunde um weitere zehn Prozent. Die Zuschläge liegen im Durchschnitt bei etwa 3,8 ct/kWh und damit deutlich unter 4 ct/kWh“, so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

99 Prozent des Zuschlagsvolumens

„Das Ergebnis bestätigt Erfahrungen aus den voran gegangenen Ausschreibungen: Es wurden fast ausschließlich Gebote von Bürgerenergiegesellschaften bezuschlagt. Diese Bieter haben nun viereinhalb Jahre Zeit für die Realisierung ihrer Projekte und haben dabei nach unserer Einschätzung positiv weiterentwickelte Anlagentechnologien und sinkende Preise bei ihren Geboten unterstellt.“

Im Ergebnis entfallen 98 Prozent der Zuschläge (60 Zuschläge) und 99,2 Prozent des Zuschlagsvolumens auf die gesetzlich definierten Bürgerenergiegesellschaften. Die Ausschreibungsrunde war somit von Geboten ohne Genehmigung geprägt.

Branche fordert Genehmigungspflicht für Alle

„Das EEG muss dringend repariert werden, um die Energiewende fortzusetzen und die Fortschritte bei der Windenergie zu erhalten,“ sagt Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems. „Das heißt, dass nur noch genehmigte Projekte in die Ausschreibungen gelangen dürfen. Der Höchstpreis ist dieser Änderung anzupassen und nicht realisierte Kapazitäten müssen erneut ausgeschrieben werden.“

Die erneut hohe Zahl für Projekte ohne BImSchG-Genehmigung gefährdet den Ausbaupfad noch weiter, teilt der VDMA mit.

"Ungleicher Wettbewerb"

Die sehr niedrigen Gebotswerte von Projekten ohne Genehmigung würden auf erwartet niedrigen Erzeugungskosten künftiger Anlagen beruhen. Da sie gegen genehmigte Projekte antreten, die nur auf der Grundlage heutiger Technologien und Erzeugungskosten bieten können, ergebe sich hieraus ein ungleicher Wettbewerb.

„Da die Basis für die Festlegung des Höchstwertes durch die ganz überwiegende Bezuschlagung von Projekten ohne Genehmigung verzerrt ist, muss die BNetzA kurzfristig bis zum 1. Dezember 2017 den Höchstwert für die Ausschreibungsrunden im Jahr 2018 anheben“, macht Zelinger deutlich.

Ebenso müsse absehbar nicht-realisierte Kapazität grundsätzlich in späteren Runden dem Auktionsvolumen wieder zugeschlagen werden, um den kontinuierlichen Ausbau der Windenergie an Land sowie die Erreichung der Klimaschutzziele nicht zu gefährden, so der Verband.

Gefahr Ausbaustopp

Für Andreas Wellbrock, Geschäftsführer des WAB , bergen die Ausschreibungsergebnisse noch eine weitere Gefahr: „Da ein hoher Anteil des Zuschlagsvolumens erst in viereinhalb Jahren in Betrieb genommen werden muss, droht vor allem in den Jahren 2019 und 2020 ein massiver Fadenriss beim Windenergieausbau. Darüber hinaus ist völlig unklar, wie viele der Bürgerenergieprojekte überhaupt genehmigt und damit gebaut werden.“

Der Gesetzgeber habe zwar auf die bereits nach den ersten beiden Ausschreibungsrunden ersichtlichen Verwerfungen reagiert, allerdings wurden die umstrittenen Privilegierungen für Bürgerprojekte nur für die ersten beiden Ausschreibungstermine 2018 ausgesetzt, so der Verein weiter.

Ein weiteres Problem liege darin, dass das EEG vorsieht, dass sich ab 2018 der maximale Gebotswert einer Auktion aus den höchsten Zuschlägen der vorangegangenen drei Ausschreibungsrunden ableitet. "Bei vielen bereits genehmigten Projekten dürfte ein rentabler Betrieb bei dem von den Bürgerprojekten gedrückten Höchstpreis äußerst schwierig werden", heißt es in der Mitteilung.

„Während die Energiewende nicht mehr aufzuhalten ist und die Windenergie in der Zukunft ganz unbestritten zum Lastenträger der dekarbonisierten Energiewelt wird, bringt die bereits nach der 1. Ausschreibung erkannte Fehlkonstruktion im Ausschreibungssystem die deutsche Windindustrie in große Bedrängnis. Die Gefahr ist groß, dass es in den Jahren 2019 und 2020 zu einem Abriss beim Ausbau der Windenergie kommt, der Hersteller, Zulieferer, Logistik und Planer gleichermaßen hart trifft und die Energiewende massiv auszubremsen droht“, äußert sich Hermann Albers, Präsident Bundesverband Windenergie, ganz ähnlich.

Die Zuschläge werden hier auf der Internetseite der Bundesnetzagentur veröffentlicht.