Tendenziell steigend

Management - Strom

Netzentgelte - Stromverbraucher und Vertriebe müssen sich auf höhere Kosten einstellen. Im Oktober hatten die Übertragungsnetzbetreiber die Entgelte für 2016 bekannt gegeben. Jetzt liegen Zahlen vor, wie sich die Mehrkosten konkret auswirken.

30. November 2015

Grund für die Kostensteigerungen sind die teils deutlich erhöhten Entgelte in der Höchstspannung. Während Netzkunden von 50 Hertz in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr noch entlastet worden waren, erhöhte nun das Unternehmen die Preise für 2016. Das Systemhaus Get aus Leipzig errechnete Anfang Oktober anhand der vorläufigen Preisblätter einen Preisauftrieb von 28,86% im Gebiet von 50 Hertz. Angenommen wurde für die Berechnung eine Anlage mit Verbrauch von 1TWh und 7.000 Betriebsstunden pro Jahr, so Get.

Preisspreizung bis 278%

In den Kosten gemäß Jahresleistungspreissystem seien die Entgelte ohne Spannungswandlung für Messung, Messstellenbetrieb und jährliche Abrechnung ohne Betriebsverbrauch auf anderen Spannungsebenen enthalten. Die Vereinbarung individueller Netzentgelte sei ausgeschlossen.

»Auch in den übrigen Netzen der Höchstspannungsebene wird es teurer«, so Get in einer Mitteilung. Während bei Transnet BW die Preise um 11,85% und bei Amprion um 11,32% klettern, betrage die Kostensteigerung bei Tennet 6,2%, so Get. Auch wenn grundsätzlich der Vorbehalt nachträglicher Korrekturen bis zum Jahresende gilt, haben die Verteilnetzbetreiber inzwischen unter Berücksichtigung der regulatorischen Rahmenbedingungen die Preisindikation aus den vorgelagerten Netzen anteilig in ihre Kalkulation einbezogen. Mit unterschiedlichen Folgen für die Endkunden und Stromvertriebe. Für den Abnahmefall Gewerbe, 40.000kWh, SLP, Niederspannung und Standardmesskonfiguration errechnete das Systemhaus Enet eine Preisspreizung von 278,5% (Einzelpreise nicht gewichtet). Vereinzelt können Kleinst- und Arealnetze diese Extrema sogar noch übertreffen. Stand 13.11.2015 errechnete das Unternehmen auf Basis von 793 Verteilnetzbetreibern mit einer Gebietsabdeckung von rund 100% folgende Eckwerte: Die stärkste Preissenkung demnach nahmen die Städtischen Werke Borna Netz vor. Um 34,9% beziehungsweise 2,59ct/kWh auf 4,83ct/kWh.

Entgelte im Detail

Die stärkste Anhebung gab es bei KWH Netz. Das Unternehmen betreibt das Stromnetz in der Kleinstadt Haag in Oberbayern und den umliegenden Gemeinden. Die Preiserhöhung betrug 44,49% beziehungsweise 2,27ct/kWh auf künftig 7,37ct/kWh.

Das bundesweit niedrigste Entgelt erhebt die Energieversorgung Guben mit 2,65ct/kWh; das entspricht einer Senkung um 17,4% beziehungsweise 0,56ct/kWh.

Das im Vergleich höchste Entgelt stellen die Gemeindewerke Glattbach in der Nähe von Aschaffenburg in Rechnung. Das Unternehmen berechnet 10,03ct/kWh; im Vergleich zu 2015 beträgt die Erhöhung 11,8% beziehungsweise 1,06ct/kWh.

Kosten der Energiewende

»Seit einigen Jahren beobachten wir ein stetiges Ansteigen der Stromnetzentgelte«, sagt Enet-Geschäftsführer Roland Hambach. »Auch Mechanismen wie die Anreizregulierung oder der anhaltende Trend der Rekommunalisierung können bislang nicht verhindern, dass sich der weiterhin erforderliche Netzausbau zur Integration erneuerbarer Energien sowie Investitionen in die Intelligenz der Verteilnetze in den Nutzungsentgelten für Letztverbraucher niederschlägt.« Ein typischer Privathaushalt zahle im kommenden Jahr etwa 23% höhere Durchleitungsgebühren als noch 2010.

Nep 2024 bestätigt

Eine Trendwende ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Übertragungsnetz und Verteilnetz müssen in den nächsten Jahren massiv ausgebaut werden. Die Bundesnetzagentur hat im September die Netzentwicklungspläne 2024 für das Übertragsungsnetz bestätigt. Dabei sind insbesondere drei große Nord-Süd-Verbindungen in Gleichstrom-Technik notwendig. Unter anderem hat die Bundesnetzagentur den Vorschlag geprüft, die Gleichstrompassage Süd-Ost zum Netzverknüpfungspunkt Isar/Landshut zu führen. »Unter der Voraussetzung, dass dies zusammen mit einer Ertüchtigung des Drehstromnetzes zwischen Ottenhofen und Oberbachern erfolgen würde, wäre dies eine elektrotechnisch geeignete Alternative«, so die Bundesnetzagentur. Die geänderten Annahmen bei der Nutzung von Windenergie führten in der Bestätigung zu einem geringeren Netzausbaubedarf gegenüber den Entwürfen der Übertragungsnetzbetreiber, so die Behörde.

In der Summe muss aber mehr gebaut werden. »Dass Zahl und Gesamtkilometer dennoch zunehmen, ist dem fortschreitenden Ausbau der erneuerbaren Energien geschuldet. Hinzu kommt, dass die Übertragungsnetzbetreiber einige bereits bekannte Projekte in mehrere Maßnahmen aufgeteilt haben«, so die BNetzA.

3.000 Kilometer Verstärkung

Insgesamt hat die Bundesagentur von den im zweiten Entwurf des NEP 2024 ausgewiesenen 92 Ausbau- und Verstärkungsmaßnahmen 63 bestätigt. Die bestätigten Maßnahmen aus den beiden vorigen Netzentwicklungsplänen haben sich dabei bis auf sehr wenige Ausnahmen erneut als bestätigungsfähig erwiesen.

Der bestätigte NEP 2024 umfasst Optimierungs- und Verstärkungsmaßnahmen in bestehenden Trassen über eine Länge von 3.050km; bisher waren im Bundesbedarfsplan 2.300km vorgesehen.

2.750 Kilometer Neubau

Zudem Neubauvorhaben mit einer Gesamtlänge von rund 2.750km; hier waren bislang 2.700km geplant. Aufgrund der reduzierten Offshore-Ausbaugeschwindigkeit bestätigte die Bundesagentur statt sieben nur drei Anbindungsleitungen. Zwei 900-MW-Systeme in der Nordsee und ein System in der Ostsee mit zweimal 250MW.

Erschienen in Ausgabe: 10/2015