›Think big‹ auch in der Erzeugung

USA Ein Viertel der Weltenergie verbrauchen die US-Amerikaner. Die Importabhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist hoch. Das soll sich, so zeigt es die Intersolar North America, ändern.

09. September 2008

Mitte Juli ging im kalifornischen San Francisco erstmalig eine Veranstaltung über die Bühne, die in zweifacher Hinsicht ein Zeichen setzte: Die Intersolar North America debütierte als Ableger der deutschen Intersolar, welche sich längst zur internationalen Leitmesse der Solarbranche gemausert hat. Somit markierte die mit 13.000 Fachbesuchern erfolgreiche Veranstaltung in San Francisco sowohl einen entscheidenden Schritt der deutschen Solarindustrie über den Atlantik als auch möglicherweise den Aufbruch der USA in ein neues Energiezeitalter.

Der Kongress verweigerte zum wiederholten Male die Verlängerung des Investment Tax Credit (ITC), dem wichtigsten Instrument in den USA zur Förderung der erneuerbaren Energien. Der ITC gewährt Steuervorteile in beträchtlichem Umfang für den Betreiber einer Solar-, Wind- oder Bioenergie-Anlage. An dieser unsicheren Fördersituation wird sich nach Ansicht vieler Beobachter bis zur Präsidentenwahl im November nichts ändern. Pessimisten gehen davon aus, dass der neue Präsident sich auch im ersten Regentschaftsjahr eher mit dem Nahost-Konflikt beschäftigen wird als mit erneuerbaren Energien. Die amerikanische Erneuerbare-Energien-Branche scheint das im Moment jedoch wenig zu stören. Sie verweist auf Umfragen, die eine starke Unterstützung erneuerbarer Energien in der amerikanischen Bevölkerung belegen. Außerdem, so ein häufiges Argument, sei die Bundesebene in Washington gar nicht so entscheidend.

Energiepolitisch unabhängig

Der Föderalismus ist ausgesprochen stark ausgeprägt, was dazu führt, dass sich die Bundesstaaten längst von der Energiepolitik in Washington abgekoppelt haben. Über 30 Staaten haben mittlerweile Portfolios erarbeitet, die den Anteil der Erneuerbaren in der Stromerzeugung in den nächsten Jahren auf teilweise zweistellige Prozentanteile heben sollen.

Die Dynamik des US-Solarmarktes belegt den Umschwung. Kein Photovoltaikmarkt wuchs 2007 schneller – die installierte Photovoltaikleistung nahm in den USA um 45 % zu. Bereits 2009 soll das Land, nach einer Studie des Europäischen Photovoltaik- Industrieverbandes EPIA, mit rund 800 MWp Zubau zum zweitgrößten Markt der Welt aufrücken und könnte 2012 den deutschen Photovoltaikmarkt von Platz eins der Welt verdrängen.

Die Wachablösung auf dem Windenergiemarkt erfolgt vermutlich bereits in diesem Jahr. Der US-Windmarkt ist seit drei Jahren der größte Einzelmarkt der Welt mit einem jährlichen Zubau von zuletzt 5.200 MWp Wind-Weltmeister Deutschland ist in dieser Hinsicht seit langem entthront – im ersten Halbjahr 2008 wurde auch erstmalig in den USA mehr Windstrom erzeugt als hierzulande. Der USWindenergieverband AWEA rechnet für 2030 mit einer installierten Windstromkapazität von 300.000 MW. Das wäre rund ein Viertel der amerikanischen Stromerzeugungskapazität. Ein Marktbeobachter kommentierte: »Es dauerte lange, bis es in den USA losging«. Aber dann ging alles nach dem Motto ›Think big‹.

Jörn Iken

Erschienen in Ausgabe: 09/2008