Tiefe Geothermie und Mikrobeben

Bundesverband Geothermie will eine offene Diskussion

30. September 2009

Der GtV – Bundesverband Geothermie will eine offene Diskussion über Tiefe Geothermie und Mikrobeben. Die Nutzung der Erdwärme für die Energiegewinnung kann zu Entspannungen im Untergrund führen, die jedoch nachweislich nicht geeignet sind, erhebliche Schäden auszulösen, so der Verband. „Wir werden die Möglichkeit von Mikrobeben beim Einsatz der Tiefengeothermie nicht bestreiten, aber dem Schreckgespenst unbeherrschbarer Erdbeben mit Gefahren für Eigentum und Gesundheit deutlich entgegentreten“, erklärt Hartmut Gaßner, Präsident des GtV – Bundesverbandes Geothermie.

Im August und September erlebten die Einwohner Landaus mehrere kleine Beben (so genannte Mikrobeben). Ein Zusammenhang mit dem Betrieb des lokalen Geothermie-Kraftwerks liegt nahe und hat zu einer Diskussion über das Risiko der Nutzung Tiefer Geothermie geführt.

Der GtV – Bundesverband Geothermie will den Ergebnissen konkreter Untersuchungen zu Landau nicht vorgreifen. Hierzu Hartmut Gaßner: „Wir begrüßen die Einrichtung einer Expertengruppe durch das rheinland-pfälzische Umweltministerium und bieten von Verbandsseite unsere volle Unterstützung an.“

Unabhängig von den konkreten Vorkommnissen in Landau gelte laut Verband jedoch festzustellen, dass beim Bau und beim Betrieb von Geothermie-Kraftwerken Mikrobeben ausgelöst werden können. Die gleichen Phänomene kämen in der Erdgas- und Erdölförderung und dem Tunnelbau immer wieder vor.

Dies hänge zusammen mit den jeweiligen geologischen Strukturen in der Region. Landau liegt am Rande des Oberrheingrabens, ein geologisch sehr bewegtes Gebiet. Im Oberrheingraben treten viele Beben auf, die natürlichen Ursprungs sind; seit Juni 2000 waren dies allein 57, die von ihrer Stärke mit den jüngsten Ereignissen in Landau zu vergleichen sind. Unter solchen tektonischen Verhältnissen können Eingriffe von Menschen zu Mikrobeben führen.

Solche Mikrobeben werden, so der Verband, keine oder nur sehr geringe Schäden, wie Putzrisse, auslösen. Diese würden von den Betreibern bzw. deren Versicherungen ersetzt. Die Öffentlichkeit müsse stärker als bisher über die geothermischen Projekte informiert und beim Bau und Betrieb durch geeignete Maßnahmen einbezogen werden. Dafür setze sich der GtV – BV Geothermie ein.

Die Sektion Tiefe Geothermie wird deshalb in Kürze eine Arbeitsgruppe ‚Tiefe Geothermie und Seismizität‘ einrichten, um die in der Öffentlichkeit auftretenden Fachfragen noch schneller und mit gebündelter Kompetenz beantworten zu können. Das Schadenspotential und die Umweltbelastung aus der geothermischen Energiegewinnung lägen insgesamt deutlich unter denen der konventionellen Energieerzeugungen aus Kohle, Erdöl und Erdgas.