Gegenwärtig gibt es europaweit 36 solcher Terminals, über die Flüssigerdgas an Land gebracht wird. Gemeinsam verfügen die europäischen Terminals laut BDEW über eine Regasifizierungskapazität von 241 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Das entspricht mehr als der Hälfte des jährlichen Erdgasverbrauchs in der Europäischen Union. Weitere LNG-Projekte sind im Bau oder in Planung.

Nord- und Ostsee

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Laut Verband betrage zurzeit die Auslastungsrate der LNG-Terminals in Europa durchschnittlich 40 Prozent. »Sie liegt damit deutlich höher als noch vor einem Jahr, lässt aber auch noch Raum für Steigerungen«, heißt es in einer BDEW-Mitteilung. Deutschland verfügt gegenwärtig über kein eigenes LNG-Terminal, hat aber durch die stark vernetze Gasnetzinfrastruktur die Möglichkeit, LNG-Mengen zu beziehen, zum Beispiel über die LNG-Terminals Dunkerque, Gate und Zeebrugge. Darüber hinaus planen private Investoren den Bau von LNG-Anlagen unterschiedlicher Größe und Art an vier Standorten in Deutschland: Brunsbüttel, Rostock, Stade und Wilhelmshaven.

Es ist davon auszugehen, dass LNG weiter an Bedeutung gewinnt.

— Domenico De Luca Axpo

Axpo und das Joint Venture German LNG Terminal unterzeichneten im Mai 2019 ein Heads of Agreement über einen langfristigen Kapazitätsvertrag für das geplante Terminal in Brunsbüttel. »Aufgrund der Stilllegung zahlreicher Kohlekraftwerke ist davon auszugehen, dass LNG als Energieträger weiter an Bedeutung gewinnt und seinen Marktanteil in Europa steigern kann«, so Domenico De Luca von Axpo.

Für die Strasse

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Traditionell wurde das Flüssigerdgas nach dem Überseetransport im Zielhafen regasifiziert und in die bestehenden Transportleitungsnetze vor Ort gepumpt. LNG eignet sich aber auch als Kraftstoff auf der Straße und in der Schifffahrt. Flüssigerdgas hat das Potenzial, bei den CO2- Emissionen des Schwerlastverkehrs die Trendwende einzuleiten, sagen Experten. LNG ermöglicht wegen der Energiedichte hohe Reichweiten mit einer Tankfüllung. So musste 2019 ein Lkw-Konvoi von Hamburg nach Civitavecchia bei Rom nur einen Tankstopp einlegen, so die Brancheninitiative Zukunft Erdgas.

Fakt

Gasfahrzeugneuzulassungen

2019 entfielen laut Kraftfahrt-Bundesamt insgesamt 1.902 Erdgas-Fahrzeuge auf die Kategorien Lkw und Zugmaschinen. Besonders nachgefragt war der Erdgasantrieb bei Lkw unter zwölf Tonnen mit insgesamt 1.077 neuzugelassenen Fahrzeugen (plus 45 Prozent gegenüber 2018).

Den größten Zuwachs verzeichneten erdgasbetriebene Zugmaschinen mit einer Steigerung von 827 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden in dieser Fahrzeugklasse 723 Fahrzeuge neuzugelassen.

(Quelle: Zukunft Erdgas)

Bereits Mitte Januar gab Shell bekannt, dass das Unternehmen sein LNG-Stationsnetz auf 35 bis 40 Standorte in Deutschland erweitert und mit CO2-neutralem LNG-Kraftstoff versorgt. »Die Initiative bietet der Straßentransportbranche die Möglichkeit, ihren CO2-Fußabdruck ab den frühen 2020er-Jahren um bis zu eine Million Tonnen CO2 pro Jahr zu reduzieren«, so das Unternehmen.

Bio-LNG

Shell plant, Bio-LNG zu nutzen, um seinen Kunden einen erschwinglichen, CO2-neutralen Kraftstoff für den Schwerlastverkehr anzubieten und die LNG-Versorgungskette in Deutschland zu dekarbonisieren.

Das Konzept umfasst den Angaben zufolge die Wertschöpfungskette für den Straßenverkehr, einschließlich der Beschaffung von Biomethan sowie den Bau von Gasverflüssigungskapazitäten und der Verteilung über die Tankstellen. »Shell arbeitet auch daran, seine eigene Tankwagenflotte auf LNG umzustellen«, so das Unternehmen.

Für die Schifffahrt

In diesem Mai soll das Forschungsschiff Atair des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie in Dienst gestellt werden. Das Schiff wird den Angaben zufolge als erstes seegehendes Behördenschiff für Spezialaufgaben über LNG-Antrieb verfügen. Das Kreuzfahrtschiff Aida Nova kann ebenfalls mit LNG fahren und wurde im August 2019 mit dem Blauen Engel für umweltfreundliches Schiffsdesign ausgezeichnet. hd