Transparenz und Kontrolle

Zählererfassungs-Software schärft das Kostenbewusstsein

Als größte deutsche Universität zählt die Uni Berlin zu den großen Energieverbrauchern. Auf dem weitverzweigten Campusgelände fallen jährlich Energiekosten an, die denen einer kleinen Stadt entsprechen. Sie gilt es mit den geeigneten Werkzeugen transparent zu machen und zu senken.

17. April 2001

Vom Berliner Senat ging die Forderung an die Technische Universität, Konzepte für bessere Wirtschaftlichkeit vorzulegen. Ein sicheres Sparpotenzial liegt im Energieverbrauch, ganz gleich um welche Art von Energie es sich handelt. Um eine faire Kostenzuordnung nach Verursacherprinzip vorzunehmen und das Kostenbewusstsein der Verantwortlichen zu schärfen, muss der Energieverbrauch zuerst transparent gemacht werden.

Der Stromverbrauch wurde zwar schon bisher von dem vorhandenen Fernwirksystem erfasst; dessen Hauptaufgabe bestand und besteht jedoch im Schalten von Transformatoren und im Erfassen von Störmeldungen gebäudetechnischer Einrichtungen. Die installierten Stromverbrauchszähler gaben ihre Impulse ebenfalls auf das System. Diese Daten ließen sich jedoch nicht einfach weiterverarbeiten, da das Fernwirksystem mit eigenem Betriebssystem arbeitet und keine Schnittstellen zu Windows-Anwendungen vorhanden sind.

Ohnehin würde die Weiterleitung der zahlreichen Zählerdaten die Datenleitungen verstopfen, so dass die primären Funktionen des Fernwirksystems - Schalten der Trafos und Störmeldeerfassung - nicht mehr gesichert wären. Bei einer eventuellen Störung des Hauptrechners gingen alle gespeicherten Energiedaten verloren.

Um die Energiekosten transparent zu machen, wurden zunächst neben den vorhandenen Stromzählern auch Erfassungsgeräte für Wärmemenge und Durchfluss installiert. Derzeit sind es an der Uni in Berlin etwa 180 Messstellen für Strom, Wärmemenge und Durchfluss. Zukünftig sollen auch Wasser- und Gasverbrauch einbezogen werden.

Will man die Energiekosten dauerhaft in den Griff bekommen, ist die Dokumentation der Energieflüsse unvermeidbar. Das modulare Energie- Abrechnungs- und Optimierungssystem energo der Dress EnergieOptimierung GmbH, Waldershof, wurde dafür konzipiert. Es dient dem automatischen Erfassen und Auswerten von Energiezählerständen und dokumentiert die Energieverbräuche und -kosten. energo basiert auf einer relationalen Datenbank und speichert die Daten aller Energiearten in einer gemeinsamen Datenbank.

In drei Messnetzen (geplant sind zukünftig sechs Messnetze) sind speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) von Klöckner-Moeller, Bonn, installiert. Die Zählerdaten werden über Optokoppler-Trennmodule zum bisherigen Fernwirksystem und an die SPS übertragen. Die SPS zählt die dem Verbrauch proportionalen Impulse und puffert diese Werte, bis sie vom PC ausgelesen und in der energo-Datenbank gespeichert werden. Während der Übertragung checkt ein Prüfalgorithmus die aus den Steuerungen ausgelesenen Verbrauchsinformationen auf Vollständigkeit und Plausibilität.

Das Modul expense aus der energo-Reihe erlaubt die Überprüfung aller Energieströme. Die ausführliche Dokumentation erleichtert die Nachvollziehbarkeit und die korrekte Aufteilung der Energiekosten. Kostenstellen sind hierarchisch und in Kostenstellenbereichen strukturiert. So lassen sich Bereichs- oder Kostenstellenauswertungen vornehmen. In der TU Berlin dient diese Funktion dazu, über dynamische Zuordnungs- oder Verteilerschlüssel eine faire Kostenumlage zu verwirklichen.

Die Auswertungen können über Datenexport vom vorhandenen Berichtswesen übernommen werden. Darüber hinaus verwaltet expense auch die Preisinformationen der verschiedenen Energiearten. Mit Hilfe des in energo integrierten Tarif-Managers lassen sich Tarifstrukturen exakt abbilden. Auf Knopfdruck ist die regelmäßige Generierung von Energiereports nach vorgegebenem Auswertezeitraum möglich. Der Report enthält dann Gesamtauswertungen für Abrechnungsbereiche und deren Kostenstellen sowie betriebsinterne Energiestatistiken. Der Auswerteassistent erlaubt verschiedene Auswerteverfahren, je nach Aufteilung der Leistungsspitzen auf die einzelnen Kostenstellen. Damit besteht erstmals die Möglichkeit, Energiearten mit Leistungsanteilen korrekt in die Energiekosten-Abrechnung einzubeziehen.

Das Modul expense verfügt, wie alle Module der energo-Reihe, über Schnittstellen zu betriebswirtschaftlichen Standardanwendungen. Die Uni Berlin übergibt die Daten an MS-Excel. Das Modul display enthält die Software zur Online-Visualisierung des zeitlichen Verlaufs der Energieabnahme. Die Visualisierung übernimmt der Erfassungsrechner in der Energieleitzentrale. Hier ist der aktuelle Zustand energietechnischer Anlagen jederzeit ersichtlich. In der energo-Datenbank gespeicherte Verbrauchsinformationen stehen netzwerkweit zur Verfügung. Die einzelnen Messstellen lassen sich zu Gruppen zusammenfassen und in separaten Fenstern darstellen. Das sorgt für Übersichtlichkeit, auch in verzweigten Objekten.

Ein erster Schritt zum Kosten sparen ist getan. Der Energieverbrauch wird an der TU Berlin transparent und konkret den jeweiligen Verursachern zugeordnet. Das soll das Energiebewusstsein der Kostenstellenleiter schärfen und schon allein dadurch zu Einsparungen führen. Bis zum nächsten Schritt, einem gezielten Lastmanagement, ist es dann nicht weit. Die entsprechenden energo-Module können dann helfen, das vorhandene Sparpotenzial auszuschöpfen.

Erschienen in Ausgabe: 08/2000