TU Darmstadt eröffnet ETA-Modellfabrik

An der TU Darmstadt ist eine Forschungsfabrik für energieeffiziente Produktion eröffnet worden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Projekt mit 7,9 Mio. €.

09. März 2016

Das Energieeffizienz-, Technologie- und Anwendungszentrum (ETA-Modellfabrik) erforscht unter Realbedingungen und im Originalmaßstab, wie sich durch intelligente Vernetzung aller Gebäude- und Produktionskomponenten Energie in der Industrie noch effizienter nutzen lässt.

Das jüngste ›Forschungsgerät‹ der TU Darmstadt ist ein Fabrikgebäude mit einer Grundfläche von etwa 810 m2. Glas dominiert die Fassade, das Innere mit seinem Maschinenpark und den Büroräumen ist hell und luftig. Das Besondere: Das Gebäude der ETA-Fabrik ist nicht bloß Hülle für die Produktionsanlagen, sondern integraler Teil davon. Maschinen und Gebäude arbeiten zusammen und ermöglichen so eine besonders effiziente Energienutzung.

Dass dieses Konzept funktioniert, lässt sich auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt  im Originalmaßstab verfolgen. Am Ende einer realen, im allgemeinen Maschinenbau typischen Produktionsprozesskette laufen Steuerscheiben für Hydraulikaxialkolbenpumpen vom Band.

Die ETA-Fabrik umfasst die Stufen der industriellen Fertigung vom Roh- bis zum Fertigteil. Von den Maschinen bis zur Gebäudeausrüstung und Gebäudehülle ist alles darauf ausgerichtet, Energie optimal zu nutzen und den Energiebedarf zu senken. Dafür sind die einzelnen Elemente vernetzt. So dient beispielsweise die Abwärme der Werkzeugmaschinen, die eigentlich verloren wäre, in der 550 m2 großen Maschinenhalle dazu, weitere Anlagen mit Wärme zu versorgen oder die Halle zu beheizen. Die ausgeklügelten Werkstoffe in der mit Kapillarmatten durchzogenen Fassade interagieren gleichsam mit der Außenwelt, so dass möglichst energiearm geheizt oder gekühlt werden kann. Auch die Teilsysteme Maschine, technische Infrastruktur und Gebäude sind hinsichtlich der Energieeffizienz optimiert, die Gebäudekonstruktion ist nahezu vollständig recyclebar.

Brigitte Zypries, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, sagt: »Die Steigerung der Energieeffizienz ist der Schlüssel für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende. Besonderes Potenzial gibt es hierbei bei der industriellen Produktion.« Mit seinen rund 35 Industriepartnern sei das Projekt hervorragend in Industrie, Forschung und Lehre eingebunden.

Laut BMWi soll der Primärenergiebedarf durch die Betrachtung des Gesamtsystems um 40 % gesenkt werden. Ein Industriearbeitskreis soll die Ergebnisse in die Breite des Forschungsfelds Produktionstechnik tragen.