Überforderung ist Lernlust-Killer

Menschen

Lernen - Wie schafft man es, Lust an Wissensaneignung und Weiterbildung wach zu halten? Immer häufiger geht es nicht mehr mit alten Konzepten.

01. August 2013

Gut ein Dutzend Mal hatte der Entwicklungsleiter seinen Projektmanagern erklärt, wie man Terminpläne aufsetzt. Dennoch kamen die Projekte des IT-Provider immer wieder in Zeitnot. Mal planten die Projektmanager zu wenig Reservezeit ein, mal entgingen ihnen Abhängigkeiten zwischen einzelnen Meilensteinen. Aus einer Laune heraus zeichnete er per Video auf, wie er am Flipchart die Grundregeln der Terminplanung erklärte. Via Intranet verbreiteten sich die kurzen Filmsequenzen wie von selbst unter seinen Projektmanagern. »Es macht ihnen Spaß, sich die kurzen Filme anzusehen.« Das Unternehmen hat inzwischen rund vierzig solcher Projektmanagement-Videos im Intranet – und damit bei seinen Projektmanagern die Lust am Lernen geweckt.

Diese Lust am Lernen ist wichtig. In vielen Unternehmen hat solche kontinuierliche Weiterbildung jedoch keinen Platz. Es fehlen auf den Arbeitsalltag zugeschnittene Konzepte, moderne Lehrangebote sowie die Motivation zum regelmäßigen Lernen.

»Die Strukturen und die Kultur für lebenslanges Lernen der Mitarbeiter zu schaffen ist bei Führungskräften und bei Projektmanagern immer häufiger ein Thema«, erklärt Wolfgang Rabl, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens next level consulting Deutschland. »Man kann mit recht einfachen Mitteln Lernfreude im Unternehmen wecken und permanente Weiterbildung voranbringen«, sagt Rabl. So setzen erste Unternehmen heute Projekte ausdrücklich unter dem Titel ›Lebenslanges Lernen‹ auf. Personal-Profis folgen dabei sechs einfachen Strategien.

1. Zum Lernen motivieren – Lernen ist für viele Mitarbeiter kein Selbstzweck. Sie wollen durch Qualifizierung beruflich vorankommen. So steigern beispielsweise Zertifikate die Lernmotivation, weil sie den persönlichen Marktwert erhöhen und die Karrierechancen verbessern.

2. Mitarbeiter nicht überfordern – Viele Projektmanager lernen durch Praxis. Anhand der Aufgaben aus ihrem laufenden Projekt eignen sie sich Wissen an und setzen es sofort um. Dabei gilt: Überforderung ist ›Lernlust-Killer‹. Vor allem müssen sie die Chance haben, mögliche Wissenslücken gezielt und schnell zu schließen. Einige Unternehmen bauen ein Mentoring-Programm auf, in dem jungen Projektmanagern erfahrene Projektprofis zur Seite stehen.

3. ›Intrinsische Lernmotivation‹ nutzen – Kinder haben von sich aus Freude am Lernen. Auch bei Erwachsenen kann man diese Neugier und den natürlichen Wissensdurst wecken. Voraussetzung: Lernen muss Spaß machen und lebendig sein. Lehrbücher und Trainingsfolien eignen sich dafür kaum; die klassische Qualifizierung im Seminarraum stößt an ihre Grenzen.

4. Weiterbildung am Bedarf orientieren – Effizienz beim Lernen gehört heute zu den Grundregeln der beruflichen Weiterbildung. Niemand will längst Bekanntes wiederholen.

5. Wissen im Unternehmen ›aufsammeln‹ – Projektteams lösen ungewöhnliche Aufgaben, sammeln Erfahrungen mit neuen Methoden oder testen ungewöhnliche Lösungswege. Meist geht dieses Wissen nach Projektende wieder verloren. Rabl empfiehlt, Projekte mit einem moderierten ›Lessons Learned‹-Workshop abzuschließen.

6. ›Entlernen‹ – Wissen veraltet schnell. Doch der Abschied von veraltetem Wissen sollte nicht stillschweigend geschehen, empfiehlt Rabl.

Erschienen in Ausgabe: 06/2013