Überschuss an Emissionsrechten

Untersuchung der Zuteilungspläne für Emissionszertifikate

11. Januar 2007

Durch das Risiko eines Überschusses an Emissionszertifikaten im europäischen Emissionshandelsystem (EU-ETS) könnte das Ziel verfehlt werden, die Treibhausgasemissionen der europäischen Industrie zu verringern. Zu diesem Ergebnis kommt Ecofys in einer Untersuchung der Zuteilungspläne für Emissionszertifikate für den Zeitraum 2008 bis 2012. In diesem Fall müsste das Erreichen der Kyoto-Ziele durch die Kleinindustrie, Haushalte und den Transport-Sektor oder durch den vermehrten Ankauf von Emissionszertifikaten aus Entwicklungsländern erfolgen. Die Analyse bewertet die Entwürfe der Nationalen Allokationspläne (NAPs) für die zweite Handelsphase des EU-ETS von 2008 bis 2012. Im Fokus der Studie stehen die Fortschritte der Mitgliedstaaten im Hinblick auf die Erreichung der Kyoto-Ziele und ihre Vorschläge für Obergrenzen der Emissionsrechte verglichen mit Business-as-Usual (BAU) Emissionen.

Unabhängige Berechnungen von Ecofys zeigen in der zweiten EU-ETS-Handelsperiode pro Jahr einen Überschuss von 2,5 % (50 Mio. t CO2). Dies widerspräche den offiziellen Emissionsprognosen der Mitgliedstaaten, die von einer jährlichen Verknappung von 7 % der Gesamtemissionen (150 Mio. t CO2) ausgehen.

Die Erklärung dafür liege in den zu hohen Prognosen der BAU-Emissionen einiger europäischer Staaten. Monique Voogt, Leiterin des Bereichs Energie & Klimastrategien bei Ecofys, dazu: „Wenn die Europäische Kommission den Vorschlägen der Mitgliedstaaten folgt, erwarten wir keine Verknappung der Emissionsberechtigungen auf dem Markt innerhalb der zweiten Handelsperiode. Der Markt würde eher über zu viele als über zu wenige Zertifikate verfügen, vor allem auch durch das zusätzliche Angebot von Projektbasierten Emissionszertifikaten durch den Clean Development Mechanism (CDM) und Joint Implementation (JI). Der Markt wird nur richtig funktionieren, wenn die Gesamtmenge der ausgegebenen Zertifikate knapp genug ist, damit ein deutliches Preissignal entsteht und Emissionen in der EU verringert werden.“

Die länderspezifische Analyse von Ecofys basiert auf den NAP-Entwürfen von 18 der insgesamt 25 EU-Mitgliedstaaten sowie auf denen von Rumänien und Bulgarien. Sie repräsentiert damit 97 % der EU-ETS-Emissionen in diesen 27 Ländern. Vor allem überraschend sind dabei die großen Differenzen zwischen offiziellen nationalen Emissionsprognosen und den Berechnungen von Ecofys, die auf Energieszenarien der Europäischen Union basieren.

In neun von 20 untersuchten Staaten sind die nationalen Emissionsprognosen über 10 % höher als die der Ecofys-Analyse. Gemäß den derzeitigen Allokationsplänen von neun Mitgliedstaaten würden die am Emissionshandel teilnehmenden europäischen Industrieunternehmen nicht genügend zur Erreichung der Kyoto-Zielvorgaben beitragen. Diese Ziele müssten dann durch andere Markt-Sektoren (Haushalte, Kleinindustrie, Transport) oder durch den Ankauf von Projektbasierten Emissionszertifikaten (JI/CDM) erfüllt werden. Allerdings hat nur einer dieser neun Mitgliedsstaaten den Ankauf einer ausreichenden Menge von Projektbasierten Emissionszertifikaten eingeplant, wenn man davon ausgeht, dass diese den verschiedenen Wirtschaftssektoren gleichermaßen zugute kommen sollen.