Carsharing

Umsteigen leicht gemacht

Seit März vermietet Envia M E-Autos an Privatpersonen und Gewerbetreibende. Das Projekt in Markkleeberg bei Leipzig zeigt: Alternative Mobilität vor Ort erleichtert vielen das Umsteigen. Das Interesse ist da, sagt Inka Schäfer von Envia M.

08. April 2019
Umsteigen leicht gemacht
( Portraitbild: Envia M)

Frau Schäfer, wie lautet Ihr erstes Fazit? Sind Sie zufrieden?

Wir sind sehr zufrieden. Dato haben wir 54 Verträge mit Privatpersonen abgeschlossen, die die Elektroautos regelmäßig nutzen. In der Regel werden die Fahrzeuge vier- bis fünfmal pro Woche ausgeliehen. Ziel war und ist, den Menschen die E-Mobilität näherzubringen. Das ist schon jetzt gelungen. 54 Verträge sind ein großer Erfolg und ein Zeichen für das Interesse an Elektromobilität.

Kein Produkt ist so gut, dass man es nicht noch verbessern kann. Gab es schon Feedback der Kunden?

Ja. Unsere Nutzerbefragung ergab, dass es in einem bestimmten Stadtteil von Markkleeberg eine Ladesäule geben sollte. Diese wird aktuell installiert. Nach Inbetriebnahme wird dort ein Auto platziert.

Bei der Buchungsoberfläche orientieren sich heute die meisten Menschen an den Online-Hotelbuchungsportalen. Es muss einfach auf einen Blick klar sein: Welches Auto ist wann verfügbar? Dieser Hinweis wird derzeit in das Buchungsportal eingearbeitet. Beides ist sehr nützlich, um Kunden zu gewinnen.

Ist es Zufall, dass Sie Markkleeberg ausgewählt haben, eine Stadt mit rund 25.000 Einwohnern? Die großen Carsharing-Anbieter konzentrieren sich auf Großstädte.

Uns geht es vor allem um die E-Mobilität, nicht um das Carsharing an sich. Unsere Idee war, das E-Auto als Alternative zum Zweitwagen anzubieten und somit die E-Mobilität greifbarer zu machen. In der Regel haben Haushalte heute ja ein bis zwei Autos. Viele sind an dem Thema E-Mobilität interessiert, aber zugleich gibt es eine Distanz. Hier setzen wir an. Indem wir ein einfach zugängliches Angebot schaffen, verringern wir diese Distanz.

Markkleeberg bot sich an, weil wir in der Stadt die Stromnetzkonzession halten und einen Unternehmensstandort haben. Das erleichtert das Projektmanagement. Markkleeberg steht zudem stellvertretend für viele mittlere Kommunen. Mehrere Bürgermeister aus der Region sehen Potenzial für E-Carsharing in ihren Kommunen. Das wissen wir aus unseren Treffen mit Kommunalvertretern.

Welche technischen und personellen Ressourcen sind für das Projekt nötig? Oder anders gefragt, auf was muss sich ein Stadtwerk einstellen, um Carsharing anbieten zu können?

Wir nutzen für unsere Poolfahrzeuge seit Jahren ein Buchungssystem. Darauf aufbauend haben wir zusammen mit unserem IT-Dienstleister Gisa aus Halle unsere E-Carsharing-Software entwickelt. Bei der Disposition der Mitarbeiter planen wir immer einen Ansprechpartner für die Nutzer ein. Bei E-Autos fehlt vielen Menschen die Erfahrung. So entstehen automatisch Fragen zur Reichweite, zur Ladeinfrastruktur und Ähnlichem.

Vita

Inka Schäfer

Sie hat seit 2014 die Leitung des Bereichs Immobilienmanagement/Service bei der Envia Mitteldeutsche Energie AG inne. Seit 1992 ist die studierte Bauingenieurin in verschiedenen Funktionen bei dem Energiedienstleister tätig.

An Werktagen sind Mitarbeiter von 8 bis 20 Uhr am Standort Markkleeberg erreichbar. Das hat sich als hilfreich erwiesen, etwa wenn Berufstätige sich nach Feierabend über das Projekt informieren möchten. Grundsätzlich sollte ein Mitarbeiter immer den Verleihprozess im Auge haben. Sei es, dass er einen Blick auf das Buchungssystem wirft, sei es, dass er Fragen zum Vertragsabschluss beantwortet.

Wer nutzt die E-Autos, und wie ist der Verleihprozess organisiert?

Mal sind es Einzelpersonen im Alter zwischen 21 und 70 Jahren, mal sind es Familien. Um das Elektroauto mieten zu können, müssen sich Interessenten einmalig persönlich registrieren. Dabei wird auf dem Führerschein ein Label aufgebracht, mit dem sich das Fahrzeug öffnen und schließen lässt. Die Elektrofahrzeuge lassen sich bequem von zu Hause oder unterwegs über das Portal e-qar.de buchen, unabhängig davon, ob man Envia-M-Kunde ist oder nicht.

Für welche Art von Autofahrt werden die E-Fahrzeuge genutzt?

In der Regel sind es Fahrten von A nach B und zurück. Die Länge variiert von 80 bis 350 Kilometern. Buchbar sind die E-Autos von einer bis 48 Stunden.

Sie nutzen ausschließlich E-Autos für das Projekt. Aus welchem Grund? Die Autohersteller haben teils lange Lieferzeiten für E-Autos, heißt es.

Das können wir nicht bestätigen. Wir haben rund 50 Poolfahrzeuge mit E-Antrieb und zum Teil mit Range Extender. Derzeit leasen wir alle E-Fahrzeuge. Die Lieferzeit beträgt üblicherweise sechs Monate. hd

Erschienen in Ausgabe: 08/2018