Umsteigen leicht gemacht

Management

Die Energiewende krempelt nicht nur den Stromsektor um, auch die Mobilität steht vor einem Neubeginn. Nicht über Nacht, aber langfristig müssen viele Wege mit E-Autos zurückgelegt werden, die Ökostrom getankt haben. Sonst bleibt die Energiewende auf halber Strecke stecken. Aktuell entsteht der Markt für E-Flottenmanager.

24. Oktober 2017

Jahrelang übergaben die Autohersteller immer mal wieder einzelne E-Autos an Stadtwerke und Einrichtungen der öffentlichen Hand. Diese integierten die Fahrzeuge in ihren Fuhrpark, der zumeist aus Autos mit Diesel- oder Benzinmotor bestand. Beide Seiten übergaben die Schlüssel zumeist publikumswirksam in Anwesenheit der Presse. Dann verschwand das Thema wieder vom Radar der Öffentlichkeit.

E-Flottenmanager

Dass inzwischen auch viele mittelständische Firmen E-Autos gekauft und in den Fuhrpark integriert haben, ist weitgehend unbekannt.

Beispiel ist die Firma SAP: 2015 ließ das Unternehmen verlauten, dass man bis 2020 jedes fünfte der rund 12.000 Autos im Fuhrpark durch ein E-Auto ersetzen wolle.

Am 1. Januar 2017 waren beim Kraftfahrtbundesamt rund 45,8 Mio. Pkws registriert, davon rund 4,8 Mio. für gewerbliche Halter. Wenn davon künftig jedes zehnte Auto ein E-Auto ist, entsteht ein großes Potenzial für Dienstleister, die sich auf das Management von E-Autos in Fuhrparks spezialisieren.

Intelligent laden

Zumal die Anzahl der Fahrzeuge in den nächsten Jahren steigen wird – daran besteht seit dem Dieselskandal kein Zweifel mehr. Allein die Geschwindigkeit, mit der das gehen wird, ist noch nicht abzusehen.

»Elektroautos haben ein großes Potenzial als Teil von Unternehmensfuhrparks«, so Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes E-Mobilität. Einige Mitgliedsunternehmen würden sie bereits erfolgreich neben konventionellen Fahrzeugen einsetzen. »Wichtig dabei ist, dass der Fuhrpark durch eine intelligente Software gesteuert wird, damit das richtige Fahrzeug für die jeweils konkreten, möglicherweise täglich anders anfallenden Anforderungen für den jeweiligen Mitarbeiter zur Verfügung steht.«

Einer der ersten Anbieter auf dem jungen Markt für E-Flottenmanagement ist EWE. Im Frühjahr kündigte das Unternehmen aus Oldenburg an, künftig die Autos mit E-Antrieb im Fahrzeugpool von SAP zu verwalten.

Netzanbindung

Zu dem Service gehört auch der Betrieb der Ladepunkte des Software-Konzerns, so EWE in einer Mitteilung.

Bereits bei Bekanntgabe der Zusammenarbeit im Februar war klar, dass SAP willens ist, das Thema E-Mobilität auszubauen und sich stark zu engagieren.

In diesem Zusammenhang identifizierten beide Unternehmen auch Synergiepotenzial für ein weitreichendes Kooperationsprojekt mit dem Fokus E-Fuhrpark, wie es hieß.

Dabei übernehme EWE unter anderem die Netzanbindung von Ladepunkten, deren Betrieb und Wartung, die Verbrauchserfassung und auf Wunsch auch die Energielieferung. Für alle digitalen Aspekte des Ladepunkt- und Fuhrparkmanagements sei dagegen SAP zuständig.

»Wir haben mit EWE einen kompetenten Partner an unserer Seite, der bereits über große Erfahrung im Fuhrparkmanagement verfügt und diese Dienstleistung unter anderem für SAP erfolgreich erbringt«, so Stephan Brand, der bei SAP als Head of IoT Moving Assets verantwortlich zeichnet. Die beiden Unternehmen wollen sich mit dem Thema E-Fuhrparkmanagement zunächst bundesweit aufstellen, wie es hieß.

Total geht mit der Zeit

Auch der französische Konzern Total rechnet damit, dass die Zahl der Firmenautos mit E-Motor zunimmt. Im September gab das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit Newmotion bekannt. Der Dienstleister ist den Angaben zufolge der führende europäische Anbieter von Ladelösungen für Elektroautos. Damit haben Total-Geschäftskunden künftig Zugang zu einem Netzwerk von 50.000 Ladestationen in 25 Ländern in Europa, heißt es.

Dax-Konzerne

»Als größter Partner für Elektromobilität in Europa, ermöglicht Newmotion Privat- und Geschäftskunden das Laden von Elektrofahrzeugen zu Hause, am Arbeitsplatz und unterwegs«, heißt es in einer Mitteilung. Die deutschen Dax-Konzerne gehen das Thema offenbar verhalten an.

Medienberichten zufolge ist bei den meisten der umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland der Anteil der reinen Elektroautos am Gesamtbestand der Dienstwagen verschwindend gering. Das ergab den Angaben zufolge eine Umfrage des Online-Nachrichtenportals Business Insider unter den 30 Dax-Konzernen. Demnach seien nur etwa 1,7 Prozent der Dax-Firmenwagen Elektroautos. Einige der Unternehmen wollten auf Anfrage allerdings keine konkreten Zahlen nennen. Wie ökologisch ihr Autobestand ist, ist unbekannt.

Der Anschluss der Ladesäulen an das Netz ist Aufgabe der jeweiligen Verteilnetzbetreiber. Ende August sorgte eine Nachricht in Tageszeitungen und auf vielen Online-Nachrichtenportalen für Aufsehen, wonach das Stromnetz in den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg nicht auf die erwartete, massenhafte Verbreitung von Elektroautos und Wärmepumpen vorbereitet sei. Wärmepumpen und Elektromobilität würden zu »deutlich höheren Spitzenlasten vor Ort führen, als wir sie derzeit haben«, hieß es. Zitiert wurde unter anderem der bayerische Verband der Energie- und Wasserwirtschaft.

Auf Nachfrage betont der Verband, die Aussage beschreibe den hypothetischen Fall, wenn alle E-Autos zeitgleich laden wollen.

Leistungsspitzen

Experten sind sich einig, dass das Verteilnetz derzeit nicht auf den gleichzeitigen Anschluss von beliebig vielen Schnelladestationen ausgelegt ist; sonst wäre es bereits heute unbezahlbar, da um ein Vielfaches überdimensioniert, heißt es.

Leistungsspitzen sind immer dann möglich, wenn mehrere E-Autos zeitgleich an einer Schnellladesäule tanken und die Säulen an einem Netzstrang hängen.

Aus heutiger Sicht, heißt es in Expertenkreisen, können die Leistungsspitzen bereits ab drei Fahrzeugen zu Überlastungen in dem jeweiligen Netzstrang führen.

Anschluss an Mittelspannung

Die Antwort darauf lautet gesteuertes Laden; das heißt, nicht jeder E-Autofahrer darf zu jedem Zeitpunkt die maximale Leistung ziehen. Sondern der Verteilnetzbetreiber koordiniert die einzelnen Ladeleistungen so, dass es zu keinen Überlastungen kommt.

Parkhäuser oder größere Wohnungsobjekte mit Stellplätzen sollten daher zukünftig nach Möglichkeit direkt an die Mittelspannung angeschlossen werden, damit es hier nicht zu Nutzungskonflikten kommt, heißt es.

Die sogenannten Supercharger von Tesla, die inzwischen an einigen Autobahnraststätten stehen, bekommen ihren Strom bereits aus dem Mittelspannungsnetz vor Ort. (hd)

Erschienen in Ausgabe: 09/2017