Umstellen auf Bio

STRATEGIE Erdgas Schwaben setzt auf ›grüne‹ Energie. Aktuell arbeitet der Gasversorger an fünf Projekten mit Biogas und Biomasse.

09. September 2008

»Das fossile Erdgas wird von zwei Seiten in die Zange genommen«. – Klaus-Peter Dietmayer, kaufmännischer Geschäftsführer der Erdgas Schwaben, erklärt die eigene Zukunftsstrategie. Einerseits soll durch Einsparung und effizienteren Einsatz weniger Bedarf entstehen, auf der anderen Seite steht eine Substitution durch Bio-Erdgas. Bis 2020 sollen 30 % des heutigen Verbrauchs an fossilem Erdgas eingespart werden.

Der Gasdienstleister versorgte im Vorjahr 159 Städte und Gemeinden in Bayerisch- Schwaben mit knapp 10 Mrd. kWh Erdgas – hauptsächlich aus Russland. Doch die Schwaben wollen der Abhängigkeit von Energie-Importen entkommen. Seit Mai dieses Jahres stammt ein Teil des Gases aus Graben. In der kleinen Lechfeldgemeinde steht eine Biogasanlage mit nachgeschalteter Gasreinigung und Netzeinspeisung. Für Erdgas Schwaben ist Graben der Einstieg in das Substitutionsszenario. Dietmayer betont die drei ›E‹ des Erdgas-Schwaben-Wegs: ›E‹ wie Einsparung von Energie, ›E‹ wie Effizienz und ›E‹ wie Erneuerbare Energien. Jährlich investiert der Gasversorger rund 10 Mio. € in erneuerbare Energien. Er ist mittlerweile größter Anbieter Schwabens von Infrarotbildern. Außerdem sind 34 Energieberater des Unternehmens in der Region im Einsatz.

Ein sinkender Verbrauch zieht jedoch Umsatzrückgänge beim Erdgas nach sich. Daher wird mit der Bioenergie peu à peu ein weiteres Geschäftsfeld erschlossen: Der Wärmemarkt. 2007 wurden knapp 5 km Wärmeleitungen unterhalten, die Wärmeabgabemenge betrug rund 30 Mio. kWh. Der Gasdienstleister arbeitet derzeit an fünf Bioenergieprojekten: Seit Januar erzeugen Biomasse-Heizkessel mit insgesamt 7 MW in Dillingen Wärme aus Waldhackschnitzeln. Nach dem Anschluss der Kreisklinik und eines Gymnasiums werden bis in den Spätsommer hinein Hausanschlüsse verlegt. Die Bio-Wärme ist in der Zwischenzeit bereits ausverkauft. Die Anlage produziert darüber hinaus per ORC-Prozess Strom (Leistung: 875 kW), der ins öffentliche Netz eingespeist wird. Beim Biomasseheizkraftwerk der Futtertrocknungsgenossenschaft Mindelheim baut Erdgas Schwaben das Fernwärmenetz aus, um mehrere Großabnehmer anzuschließen. Auch das dritte Projekt, mit dem das Bezirkskrankenhaus in Kaufbeuren mit Wärme aus Hackschnitzeln versorgt werden soll, ist in Bau. Das Unternehmen investiert hier in eine KWK-Anlage einschließlich der Wärmeleitungen. Das Hauptaugenmerk liegt auf Bio-Erdgas.

Kooperation mit Landwirten

Im Juni wurde die Biogasaufbereitungsanlage in Graben in Betrieb genommen. Erdgas Schwaben kooperiert hier mit der Kommanditgesellschaft ›Biokraftwerk Lechfeld‹, an der knapp 60 Landwirte beteiligt sind. Diese verkaufen ihr Biogas an den Versorger, der es auf Erdgasqualität aufbereitet und einspeist. In die Druckwechseladsorptionsanlage zur Reinigung investierte man rund 1,8 Mio. €. Erdgas Schwaben baut in Maihingen im Nördlinger Ries eine weitere Anlage, bei der die Druckwasserwäsche eingesetzt wird und die Herbst 2009 ans Netz gehen soll.

Ab 1. Oktober wird Bio-Erdgas mit zwei Produkten angeboten: das ›Bio 20 fix‹ (mit 20 % Methananteil aus schwäbischem Biogas) und das ›Bio 100 fix‹, also reines Biomethan, mit jeweils festen Preisen für ein Jahr. Letzteres eröffnet KWK-Anlagen die lukrativen EEG-Einspeisevergütungen. Während ›Bio 20 fix‹ sich nur gering vom vergleichbaren Tarif für fossiles Erdgas unterscheiden soll, kostet die Kilowattstunde im ›Bio 100 fix‹ zwei bis drei Cent mehr. Das Biomethan aus Graben ist auf eine Gesamtmenge von 30 Mio. kWh/a begrenzt, die in der Reihenfolge der Anfragen verteilt werden soll.

Christian Dany

Erschienen in Ausgabe: 09/2008