Umstrittener Konsens

Dena-Studie zur Windkraftintegration

Im zweiten Anlauf konnte die Deutsche Energieagentur endlich die lange erwartete Studie zur Netzintegration von Windenergie präsentieren. Die Kosten für den Netzausbau werden dort bis 2015 mit 1,1 Mrd. € veranschlagt. Höchst unterschiedlich fiel die Bewertung der Ergebnisse aus.

28. Juni 2005

Die Ergebnisse der Studie zeigen, daß das von der Bundesregierung geplante Ziel eines Anteils von mindestens 20 % der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Deutschland zwischen 2015 und 2020 erreichbar ist“, so ein wichtigste Fazit der Studie. Allerdings gibt es dies nicht zum Nullkostentarif: Bis 2015 muß die bestehende Trassenlänge des deutschen Verbundnetzes um rund 5 % verlängert werden. Rund 400 km des bestehenden Verbundnetzes müssen laut Studie verstärkt und rund 850 km neu gebaut werden. Dies kostet insgesamt 1,1 Mrd. €.

Die Studienverfasser gehen davon aus, daß bis 2015 rund 37 MW Windkraftleistung (on- und offshore) zur Verfügung stehen. Der weitere Windenergieausbau führe zu erhöhten Anforderungen an die Bereitstellung von Regel- und Reserveleistung. Dieser Bedarf werde durch bestehende fossil befeuerte sowie Pumpspeicher-Kraftwerke abgedeckt. Insgesamt könne der konventionelle Kraftwerkspark des Jahres 2015 gegenüber 2003 durch die Windenergie jedoch um rund 2.200 MW reduziert werden, so ein weiteres Fazit.

Eine positive Bilanz zieht die Studie bezüglich der CO2-Emissionen: Durch den Ausbau der Windenergie können im Jahr 2015 in Abhängigkeit von der Struktur des gesamten Kraftwerksparks rund 20 bis 40 Mio. t CO2 vermieden werden. Trotz des beginnenden Ausstiegs aus der Kernenergie, der im Jahr 2015 zu einem Drittel vollzogen sein werde, können laut Studie die CO2-Emissionen je nach Szenario stabilisiert oder weiter gesenkt werden.

Die Reaktionen auf das dena-Werk hätten unterschiedlicher nicht sein können. „Die Studie zeigt, daß die Programme zur Förderung erneuerbarer Energien überarbeitet werden müssen“, erklärte Eberhard Meller, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Energiewirtschaft (VDEW). Das Erneuerbare-Energien-Gesetz könne die Integration der Erneuerbaren in das Stromsystem nicht sicherstellen.

Zweiter Teil der Studie ist geplant

Der Verband der Verbundunternehmen und Regionalen Energieversorger in Deutschland VRE zog aus den Ergebnissen den Schluß, daß „die milliardenschweren Kosten der Windenergie für Förderung, Netzinfrastruktur und Regelenergie in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen und die Versorgungssicherheit beeinträchtigen.“ Der Windenergieausbau müsse daher sowohl unter Kostengesichtspunkten als auch unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit dringend überdacht werden.

Anders die Reaktion des Verbandes des Maschinen- und Anlagenbaus (VDMA): „Die Studie macht deutlich, daß Windenergie bis 2015 kostengünstig in die Stromnetze integriert werden kann.“ Noch optimistischer die Antwort des Bundesverbandes Windenergie: Alle Horrorszenarien hätten widerlegt werden können. Die Kosten für den Netzausbau von 110 Mrd. € seien überschaubar, würden doch jedes Jahr

2 Mrd. € in das Gesamtnetz gesteckt. Jedenfalls geht die Diskussion weiter: Die Finanziers der Studie haben beschlossen, in einem zweiten Teil den Ausbau der regenerativen Energien bis zum Jahr 2025 zu untersuchen und Themen weiter zu vertiefen. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 04/2005