Unbundling ist eine Chance

Energieversorger müssen sich neu organisieren

Am Thema Unbundling wird im Jahre 2004 kaum ein Versorgungsunternehmen vorbeikommen. Selbst wenn es weniger als 100.000 Kunden hat und damit unter die „de minimis“-Regel fällt, sollte es aktiv werden, denn Unbundling bietet viele Chancen, sich mit Hilfe einer effizienten Struktur für die neuen Herausforderungen auf dem Markt zu wappnen.

04. Februar 2004

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Wege, wie ein Versorgungsunternehmen das Unbundling organisatorisch und gesellschaftsrechtlich umsetzen kann. Entscheidend ist, dass der Netzbetrieb auf der einen sowie die Beschaffung und der Vertrieb auf der anderen Seite künftig unabhängig voneinander arbeiten. „Zur Vermeidung von Diskriminierungen, Quersubventionen und Wettbewerbsverzerrungen“ müssen die Bereiche sowohl buchhalterisch eigenständig geführt als auch auf Managementebene getrennt werden. Dazu kommt, und das ist aus Sicht der Datenverarbeitung entscheidend, die „informatorische“ Trennung. Auch bei der Bereitstellung von Informationen muss es künftig diskriminierungsfrei zugehen. Damit sind im Prinzip schon die Grundlagen für ein gesellschaftsrechtliches Unbundling geschaffen. Das wollen viele Unternehmen jedoch vermeiden, weil sie dabei eher Nachteile und Kosten auf sich zukommen sehen.

Das gilt jedoch nur, wenn man versucht, die Forderungen des Unbundlings buchstäblich umzusetzen. Dann käme man tatsächlich zu einer Struktur, in der sämtliche Querschnittsfunktionen wie Service oder IT doppelt vorhanden sind. Dass dies für einen Großteil der kleinen und mittleren Versorger wirtschaftlich nicht tragbar ist, versteht sich von selbst.

Ganz anders, wenn man die Querschnittsfunktionen als einen eigenen Bereich begreift, als einen Dienstleister, der seine Kunden betreut. Statt zweier Tochterunternehmen für Netz und Vertrieb hätte man nun deren drei: zwei, deren Funktionen vertikal getrennt sind, und eines, das horizontal Leistungen für die beiden anderen anbietet. Diese Organisationsform hat allerdings Konsequenzen, denn sie muss auch EDV-technisch nachvollzogen werden. Schließlich macht es keinen Sinn, wenn man in der neuen einheitlichen Servicegesellschaft wieder zwei getrennte Systeme betreiben muss.

Mit einer Branchenlösung wie Schleupen.CS lässt sich das realisieren. Dafür werden Verteilnetzbetreiber (VNB) und Lieferant buchhalterisch wie DV-technisch zunächst einmal als eigenständige Mandanten eingerichtet und geführt. Damit ist hier der Grundforderung nach „buchhalterischer“ Trennung genüge getan. Etwas anspruchsvoller gestaltet sich danach die Umsetzung der Forderung nach dem „informatorischen“ Unbundling. Die muss erfüllt werden, ohne dass man dabei die möglichen Synergieeffekte einer gemeinsamen Dienstleistungstochter zerstört. Um beispielsweise eine einheitliche Rechnung sicherstellen zu können, müssen die Verträge so zusammengeführt werden, dass die Netzseite nicht Einblick in die Daten der Vertriebsseite erhält und umgekehrt.

Neben den Mandanten werden in einem System wie Schleupen.CS deswegen auch Rollen hinterlegt. Damit lässt sich genau steuern, auf welche Seiten der VNB Zugriff haben darf, und auf welche Daten der Lieferant. Das betrifft nicht nur die Abrechnung, sondern zum Beispiel die korrekte Abwicklung des Lieferantenwechselprozesses oder die unterschiedlichen Rollen im Bereich der Energielogistik oder im Energiedatenmanagement. Schließlich gehen die zentralen Geschäftsprozesse eines Versorgungsunternehmens längst über ganz unterschiedliche Anwendungen hinweg.

Aus Sicht des Energievertriebs sind beispielsweise von der Anbahnung eines Liefervertrags bis hin zum Inkasso CRM-Anwendungen genauso betroffen wie die Vertragsabrechnung, die Energielogistik oder das Rechnungswesen. Dazu kommen Office-Applikationen, Workflow- und Groupware-Lösungen oder auch die elektronische Archivierung. Ganz ähnlich gestaltet sich dies aus Sicht des Netzbetriebs, wobei hier zusätzlich auch Zählerfernauslese- oder Geografische Informationssysteme eingebunden werden müssen.

Durch Umsetzen eines Rollenmodells in Verbindung mit einer vertikalen, spartenscharfen Trennung durch eigenständige Mandanten lassen sich diese Anforderungen über einen zentralen Dienstleister völlig konform zu den Anforderungen des Unbundling umsetzen, wobei dennoch bei der Abrechnung das „One face to the Customer“-Prinzip beispielsweise über eine gemeinsame Rechnung für alle Leistungen von VNB und Lieferant umgesetzt werden kann. Im Grunde ist dies nichts anderes als eine logische Fortsetzung des schon heute gelebten Multi-Utility-Billings. Auch hier werden unterschiedliche Leistungen wie Strom-, Gas-, Wasser- oder Wärmelieferung über ein einheitliches System abgewickelt, ohne dass dies große Probleme in rechtlicher oder organisatorischer Hinsicht nach sich zieht.

Dass ein solches Dienstleistungsunternehmen nicht zum Nulltarif zu haben ist, versteht sich von selbst. Doch verglichen mit der Option, diese Dienstleistungen jeweils parallel in den einzelnen Gesellschaften vorhalten zu müssen, ist der Aufwand deutlich niedriger. Zusätzlich sollte man bei der Systemauswahl die Betriebskosten im Auge behalten. Die liegen bei einzelnen Stadtwerken heute schon bei 10 % der Gesamtkosten. Andere, auch kleinere Werke, kommen dagegen mit weniger als 3 % aus. Weitere Einsparungspotenziale ergeben sich, wenn das neue Dienstleistungsunternehmen gleichzeitig für mehrere Stadtwerke tätig ist. Im Rahmen des so genannten „Co-Sourcing“, bei Schleupen auch als Kompetenz-Center bezeichnet, können diese Werke den Anforderungen des Unbundling entsprechen, ohne die eigene Marktstellung und vor allem die regionale Identität zu gefährden. Und die ist ja nach wie vor vielerorts eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale gegenüber den überregional agierenden Wettbewerbern.

Erschienen in Ausgabe: 01/2004