Unerwartete Effizienz

Management

Nutzenergie - Contracting ermöglicht eine teilweise Rückerstattung der Ökosteuer. Das Autohaus Werner investiert die Gelder in Energieeffizienz.

14. April 2009

Durch die Zwischenschaltung eines Contractors ist eine erhebliche Kostenersparnis bei der Nutzenergie drin. Aufgrund der steuerrechtlichen Stellung des Contractors als Produzent und Energieversorger, bekommt dieser die gezahlte Ökosteuer von seinem Hauptzollamt (HZA) zurück. Diese Rückerstattung reicht er an den Unternehmer abzüglich einer Service-Pauschale weiter. Unternehmen erzielen auf diese Weise eine Kostensenkung von bis zu 15%, ohne Investition oder Eingriff in die Anlagenstruktur.

Das Beispiel der Autohaus Werner GmbH, die als Mercedes-Benz-Partner sechs Standorte im Raum Bremen/Bremerhaven betreibt, zeigt was möglich ist. Zum Herbst 2008 nahm man für sämtliche Standorte das Contracting-Prinzip durch En-Control in Anspruch: »Die Ersparnis ist beträchtlich«, bilanziert Geschäftsführer Matthias Werner. »Plötzlich stehen uns unerwartete Mittel zur Verfügung, die wir für verbrauchsmindernde Anlagen investieren und so den Stromverbrauch dauerhaft senken.« Angesichts stetig steigender Energiekosten sucht das Unternehmen nach Einsparmöglichkeiten und dafür kam der Geldsegen gerade zur rechten Zeit: Die Geschäftsführung investierte bereits rund 14.500€ in eine Spannungsregelanlage, deren Kosten sich in weniger als drei Jahren amortisieren. »Der Stromverbrauch liegt etwa zehn Prozent unter dem vorherigen Wert und alle elektrischen Geräte arbeiten vollkommen unverändert«, benennt Werner die Vorteile. »Weiterhin haben wir einen Auftrag für die Installation einer Solaranlage erteilt in Höhe von etwa 25.000 Euro.«

Aufnahme aller AnlagenTeile

Zunächst habe man alle Anlagenteile aufgenommen, die Strom in Nutzenergie umwandeln, und deren Leistung sowie Laufzeiten zusammengefasst, beschreibt Sebastian Igel, Geschäftsführer der En-Control, das Vorgehen. Das Autohaus betreibt unter anderem diverse Motortest-Systeme, einen LKW-Leistungsprüfstand sowie eine Druckluftanlage.

Der jährliche Stromverbrauch liegt in derUnternehmensgruppe bei rund 750.000kWh: 59% davon entfallen auf Licht, 11% auf Strömungsenergie (Pumpen, Lüftung) und 5% auf Luftdruck.

Anschließend übertrug die Geschäftsführung des Autohauses die Nutzungsrechte für die jeweiligen Anlagenteile formal an En-Control, sodass diese Nutzenergie für den Unternehmer produziert. Als Energie-Lieferant beantragt En-Control die Rückerstattung der Ökosteuer beim zuständigen HZA und reicht diese großenteils weiter. Die Abrechnung erfolgt vierteljährlich.

Gegenüber dem HZA besteht eine detaillierte Nachweispflicht hinsichtlich der eingesetzten Stromanteile für die Nutzenergieherstellung. Vorteilhaft ist es, wenn der Stromeinsatz für die angestrebte Steuerentlastung messtechnisch durch Zwischenzähler nachgewiesen werden kann. Der Contractor kann seiner Nachweispflicht aber auch rechnerisch, oder in Kombination, gegenüber dem HZA nachkommen.

Neues EU-Verfahren ab 2012

Der zähltechnische Beweis erfordert sämtliche Verbrauchs- und Zählerdaten insbesondere von Unterzählern. Der Contractor bereitet diese Daten auf, wertet sie aus und ordnet sie den Nutzenergiearten möglichst scharf zu. Der rechnerische Nachweis beinhaltet eine sorgfältige Bestandsaufnahme sowie Kostenrechnung und erfordert eine umfangreiche Datenaufnahme vor Ort: Aufbereitung der Betriebszeiten, Einsicht in Regelparameter, Anlagenschemata, Auflistungen der Leistungsmerkmale oder Wirkungsgrade.

»Die Bundesregierung verschafft Unternehmern mittels Contracting wichtige Investitionsmittel für klimaschonende Maßnahmen, allerdings machen viele Unternehmen davon noch keinen Gebrauch«, beschreibt Igel die Situation. Voraussichtlich bis zum Ende des Jahres 2012 behält das Verfahren Gültigkeit, danach soll ein europaweit einheitliches Steuergesetz in Kraft treten.

Erschienen in Ausgabe: 04/2009