Verband: Deutscher Onshore-Windmarkt schrumpft um zwei Drittel

Die Auftragslage für Onshore-Windkraftanlagen in Deutschland ist rückläufig. Anfang August kündigte Enercon an, Zulieferverträge zu reduzieren. Dadurch verlieren über 800 Beschäftigte ihren Job, hieß es. Der Bundesverband Windenergie sieht die deutsche Energiepolitik als Grund für den Stellenabbau in der Branche.

03. September 2018

„Nachdem bereits im vergangenen Jahr verschiedene Unternehmen aus der Branche unpopuläre Maßnahmen zum Beschäftigtenabbau treffen mussten, setzt sich dieser Trend auch im Sommer 2018 fort“, so der Verband.

 

Hauptsächlich betroffen sind neben den Herstellern von Windenergieanlagen auch Zulieferunternehmen, heißt es.

 

Im Bereich der Zulieferer wurden laut BWE bereits tausende Stellen abgebaut.

 

Marktrückgang   

 

„Kein Industriezweig in Deutschland kann einen politisch verursachten Markteinbruch um fast zwei Drittel abfedern, ohne Entlassungen auszusprechen. In anderen Branchen führen bereits Auftragsrückgänge im einstelligen Bereich zu Krisenstimmung“, so BWE-Präsident Hermann Albers in einer Mitteilung.

 

„Wir haben immer wieder vor der drohenden Ausbaudelle gewarnt. Leider wurden unsere Warnungen nicht gehört.“

 

Das im EEG 2017 eingeführte Ausschreibungsverfahren hatte unter anderem eine Deckelung des Zubaus auf jährlich 2.800 MW bzw. 2.900 MW festgeschrieben.

 

Zusätzlich hat eine gesetzliche Fehldefinition rund um Bürgerenergiegesellschaften zu großer Ungewissheit im Markt geführt. Die Folgen der Ausschreibungen, bei denen im ersten Jahr 95% der Zuschläge an gesetzlich definierte Bürgerenergiegesellschaften gingen, werden nun sichtbar.

 

Im Jahr 2017 lag der Zubau noch bei 5.300 MW. Für 2018 wird das Zubauvolumen auf voraussichtlich 3.500 MW zurückgehen.

 

Für 2019 und 2020 rechnet der BWE mit einem jährlichen Zubauvolumen von maximal 2.000 MW. "Das bedeutet einen Rückgang auf nur noch ein Drittel des Marktvolumens von 2017", so der BWE.

 

Enercon: Blickrichtung internationaler Markt

 

Bei Enercon-Zulieferfirmen sollen über 800 Beschäftigte in den kommenden Monaten ihre Jobs verlieren. Betroffen sind Betriebe, die Betontürme aufbauen und deren Segmente herstellen sowie der Bereich Rotorblätter.

 

Enercon will sich ab dem vierten Quartal 2018 verstärkt auf internationale Märkte ausrichten und Komponenten vor Ort beziehen. Das Unternehmen müsse „auf die Entwicklungen am Heimatmarkt reagieren, wo die Onshore-Windindustrie massiv unter Kostendruck steht, die Aufbauzahlen stark rückläufig sind und damit einhergehend die Aufträge für Enercon in Deutschland zurückgehen“, kommentierte Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig.