Vernetzte Synergien

Digitales – Seit Jahresbeginn ist in Köln der Infrest Baustellenatlas im Regelbetrieb. Netzbetreiber können damit ihre Baumaßnahmen besser abstimmen als früher. Das reduziert Kosten und Zeitaufwand.

25. März 2019
Vernetzte Synergien
(Bild: Infrest)

Oft sind die guten Geschäftsideen so bestechend einfach, dass man sich wundert, warum sie nicht schon viel früher erfolgreich umgesetzt wurden. Das gilt auch für den Baustellenatlas, kurz BSA, der Berliner Infrest – Infrastruktur e-Strasse GmbH, den das Unternehmen in enger Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern der Hauptstadt entwickelt hat.

»Unser Baustellenatlas wird als Software as a Service (SaaS) ohne aufwendige und kostenintensive Software-Installation und -administration bereitgestellt und ist inzwischen deutschlandweit einsetzbar«, sagt Jürgen Besler, Geschäftsführer der Infrest. So auch in Köln, wo die Lösung nach einer mehr als einjährigen Testphase seit Anfang 2019 im Regelbetrieb genutzt wird.

Koordination der Baumaßnahmen

Treibende Kraft für die Einführung des Baustellenatlas in der Domstadt war nicht ein einzelnes Unternehmen, sondern das Koordinierungsgremium des Verbundes der öffentlich bauenden Unternehmen unter der Federführung der Rheinenergie. Der Baustellenatlas ermöglicht den beteiligten Unternehmen und Behörden eine transparente und nachvollziehbare Koordination von Baumaßnahmen im öffentlichen Straßenland. »Die früher oft manuellen Prozesse waren aus unserer Sicht nicht mehr ausreichend und zielführend«, erklärt Thomas Weil vom Amt für Verkehrsmanagement der Stadt Köln die Motivation für das Projekt.

Der Atlas ermöglicht den Nutzern ohne großen Vorlauf einen direkten und schnellen Zugang zu allen im System hinterlegten Bauinformationen innerhalb der Nutzungsregion. Die Daten zu den geplanten Baumaßnahmen können von den teilnehmenden Netzbetreibern per Schnittstelle direkt aus den im Einsatz befindlichen Geoinformationssystemen (GIS) in das System überführt werden. Auch ein Export aus dem Baustellenatlas mit den Planungsdaten anderer Netz- beziehungsweise Baustellenbetreiber in das hauseigene GIS-System ist über die Schnittstelle möglich.

Status der Baumaßnahmen

Unser Baustellenatlas wird als Software as a Service angeboten.

— Jürgen Besler, Infrest

Den einzelnen Sparten wie Strom, Gas, Wärme oder Wasser werden im System eigene Farben zugewiesen, sodass sehr einfach ersichtlich ist, mit welchen Netzbetreibern bei welchen Bauvorhaben Überlappungen bestehen. Anhand der Karte sind die genaue Länge sowie der Status der Baumaßnahme ersichtlich. Für jede Baumaßnahme wird im System ein direkter Ansprechpartner im jeweiligen Unternehmen hinterlegt, der für eine Koordination der Bauplanung ansprechbar ist. So können schnell direkt Kontakte hergestellt werden, um mögliche Synergien zu nutzen. Eine farbliche Statusanzeige macht dabei ersichtlich, ob bereits eine Seite eine Anfrage bezüglich einer möglichen Koordination gestellt hat und ob diese schon bearbeitet wurde.

Nutzerakzeptanz

Doch nicht nur die direkte Zusammenarbeit zwischen den Netzbetreibern wird durch den Einsatz des Baustellenatlas erleichtert. Auch die Kommunen können im System wichtige Informationen hinterlegen. So erlassen viele Städte nach Baumaßnahmen mit EU-Fördergeldern zeitlich begrenzte Aufgrabeverbote. Diese und andere Detailinformationen wie die Klassifizierung von Straßen sowie Angaben zum Wasser- und Naturschutz können von der Verwaltung direkt im System hinterlegt werden.

Nach den positiven Erfahrungen während des mehr als einjährigen Testbetriebs wurde die Lösung in Köln Anfang des Jahres in den Regelbetrieb überführt. Der Baustellenatlas bietet nach Aussagen der Stadt einen hohen Mehrwert, da die beteiligten Unternehmen ihre zum Teil sehr differenzierten Prozesse reibungslos umsetzen konnten. Entsprechend hoch ist die Nutzerakzeptanz bei den Anwendern. Neben der städtischen Verwaltung nutzen bereits die Städtischen Entwässerungsbetriebe Köln, die Net Cologne Gesellschaft für Telekommunikation sowie Rheinenergie die Lösung. Aktuell erweitert sich der Nutzerkreis um die Kölner Verkehrsbetriebe, die Häfen- und Güterverkehr Köln GmbH sowie die Gasversorgungsgesellschaft GVG Rhein-Erft. Georg Staß für Infrest

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 36 bis 37